Börsenstimmung: Neuerliche Panikattacke?

KommentarBörsenstimmung: Neuerliche Panikattacke?

Die Börsen stehen erneut auf der Kippe. Sollten die Kurse klar die Tiefstände vom vergangenen November unterschreiten, dürfte es noch einmal steil bergab gehen.

Solche Vorwürfe bekommen wir zuletzt immer öfter zu hören: Ihr Finanzjournalisten schreibt alles runter, ihr malt alles so düster, kein Wunder, dass die Leute Angst bekommen, ihr Geld auf Festgeldkonten packen oder Goldbarren unterm Kopfkissen verstecken. Wir könnten doch mal schreiben, nun sei der Tiefpunkt an den Börsen erreicht. Dann werde es schon aufwärts gehen. Wenn es so einfach wäre. Leider liefern die Fakten keinen Anlass für Zuversicht.

Seit der vergangenen Woche halten Börsianer weltweit den Atem an. Die Kurse an der Wall Street testeten die Tiefstände vom vergangenen November. So langsam sickert die Erkenntnis durch, dass es keinen schnellen Weg aus der Rezession geben wird. Die US-Autokonzerne verschoben ihre ohnehin sehr gewagten Prognosen, wann sie wieder profitabel sein wollen, noch weiter in die Zukunft. Heftige Ergebniseinbrüche bei Unternehmen aus allen Branchen tragen nicht zur Beruhigung bei.

Anzeige

Anleger, die sich in den vermeintlich sicheren Hafen von soliden Aktien mit hohen Dividendenrenditen geflüchtet hatten, machen schmerzhafte Erfahrungen durch: Es ist Dividendenkürzungssaison. Sogar bei der US-Industrie-Ikone General Electric steht das bisherige Tabu-Thema auf der Agenda: Eine Verringerung der Ausschüttung, um die Cash-Reserven zu schonen. Dass immer mehr Leute zu Wal-Mart rennen, ist ebenfalls eher beunruhigend – es wird gespart, wo es nur geht. Das fast 800 Milliarden Dollar schwere Konjunkturprogramm könnte schnell verpuffen. Es verhindert bestenfalls Arbeitsplatzverluste, gibt aber zu wenig neue Impulse. Die darin enthaltenen Steuererleichterungen werden Konsumenten und Unternehmen eher zum Schuldenabbau nutzen, nicht für Investitionen oder zum Shoppen. Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman orakelt, schon bald werde es weitere staatliche Stützungen geben. Dass sich der Goldpreis wieder den Angstpreisen vom vergangenen Herbst nähert, ist ebenfalls kein gutes Omen.

Noch gibt es Optimisten

Das Ausmaß der aktuellen Krise spiegelt sich in den Kursen jedenfalls nicht wider. Noch scheint darin die in den vergangenen Monaten von vielen Experten geäußerte Hoffnung enthalten zu sein, dass es bereits in der zweiten Hälfte 2009 wieder langsam aufwärts geht. Daran glauben aber mittlerweile immer weniger Ökonomen. Fallen die Kurse klar durch die Unterstützungen vom November, werden die verbliebenen Optimisten, die bei diesem Kursniveau zugegriffen hatten und für die zeitweise Stabilisierung sorgten, möglicherweise wieder den Mut verlieren. Dann wäre noch mal eine Panikattacke drin. Sorry für die schlechten Nachrichten.

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%