"Boot Camp": Apple-Computer mit Windows

"Boot Camp": Apple-Computer mit Windows

Nie steckte mehr Windows in den Mac-Computern von Apple. Eine Gelegenheit, deren überlegene Hardware mit der Softwarevielfalt von Windows zu paaren? Abwarten, rät WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Kuhn.

Schon die Ankündigung von Apple-Chef Steve Jobs, in seine Computer Mikrochips von Intel einzubauen, kam für manchen Mac-Jünger einem Sakrileg gleich. Doch Jobs legte nach und stellte im April mit dem Programm „Boot Camp“ eine Software vor, die es sogar ermöglicht, auf Apple-Rechnern das Windows-Betriebssystem vom Erzrivalen Microsoft zu installieren. Seither sind die Freaks in Aufruhr. Auch mich hat Boot Camp elektrisiert – aber positiv. Schließlich eröffnet mir das Programm die Möglichkeit, das Beste beider Welten in einem Gerät zu vereinen: die elegante und ausgefeilte Hardware von Apple mit der Softwarevielfalt von Windows. Ist der Win-Mac womöglich gar der bessere PC? Um das zu testen, habe ich umgehend das Boot-Camp-Programm genutzt, um den ultrakompakten Mac mini (ab 640 Euro) einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. Weil die Software intuitiv bedienbar ist, beschränkt sich die technische Herausforderung darauf, die Größe des Festplattenplatzes für Windows vorzugeben, eine CD mit Hilfsprogrammen – so genannten Treibern – zu brennen, mit deren Hilfe Windows die Hardware des Mac nutzen kann, und schließlich den Rechner neu zu starten. Sieben Minuten später verfolge ich begeistert, wie der Apple anstandslos beginnt, Windows zu installieren – als wäre das ganz normal und nicht ein radikaler Umbruch in der PC-Welt.

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Ein Absturz von Windows nach dem ersten Neustart des fertig eingerichteten Systems holt mich unsanft in die Realität zurück. Wie sich zeigt, hat die Installation eines Windows-Treibers nicht funktioniert. Das liegt wohl auch daran, dass Boot Camp noch nicht als finale Version, sondern nur als so genannte Beta-Fassung vorliegt. Erst als ich alle Treiber erneut aufgespielt habe, funktioniert der Wechsel zwischen den Parallelwelten perfekt – und der Mac mini beweist auf einer Grundfläche von kaum mehr als einer CD-Box, dass sich auch in der Windows-Welt jede Menge Rechenleistung todschick verpacken und fast geräuschlos betreiben lässt. Doch die Koexistenz der Rechnerwelten hat auch Tücken: Das beginnt mit der Eigenart von Apple, Computermäuse nur mit einer Taste auszustatten. Der bei Windows übliche Klick auf die rechte Taste zum Öffnen zusätzlicher Menüfunktionen geht deshalb ins Leere. Da hilft nur, eine Zwei-Tasten-Maus anzuschließen. Dank des bei Mac und PC identischen USB-Anschlusses funktioniert das auch, wenn ich den Rechner mit Apples Betriebssystem MacOS starte. Schmerzlich vermisse ich am Mac mini eine Auswurftaste für CDs oder DVDs. Eine Datenscheibe aus dem Rechner auszuwerfen, klappt nur per Software – und nach einem Systemcrash vor dem Neustart des Rechners gar nicht. Und noch eine Tücke hat der stete Wechsel der Softwarewelten: Der Rechner interpretiert die Zeit seiner internen Uhr je nach Betriebssystem unterschiedlich. Wer den Mac nicht immer per Hand neu justieren will, muss dazu spezielle Internetdienste nutzen. Ganz reibungslos klappt die Koexistenz von Apple- und Windows-Welt also noch nicht. Aber Boot Camp ist ja auch noch nicht fertig. Anfang 2007, wenn die finale Fassung mit der nächsten Mac-OS-Generation ausgeliefert wird, probiere ich es wieder.

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