Buttons: Wie bunte Tierchen

kolumneButtons: Wie bunte Tierchen

Kolumne

Der erste Button, an den ich mich erinnern kann, prangte am Revers meiner Englischlehrerin Frau Hartmann. „Willi-Wähler“ stand da in qualligen weißen Pop-Buchstaben auf orangefarbenem Grund.

Es war die Zeit, als fortschrittliche Bürger politisch Farbe bekannten, sich für die sozialliberale Koalition engagierten und für Emanzipationsbewegungen aller Art eintraten. So gab es schwarze Black-Panther- oder lila Feminismus- oder rote Che-Guevara-Buttons. Später wurden „Atomkraft-nein-danke“- und „Schwerter-zu-Pflugscharen“-Buttons beliebt. Dann verschwanden die Buttons nach und nach aus dem öffentlichen Leben. Die Zeit des politischen Konfessionalismus war vorbei. Markenabzeichen eroberten stattdessen die Kleider. Das tun sie immer noch.

Aber seit ein paar Monaten sind merkwürdigerweise auch die Buttons wieder da, ungefähr zeitgleich mit den Palästinensertüchern. Die politischen Botschaften freilich sind verschwunden, wie auch das Palästinensertuch als modisches und nicht als politisches Accessoire getragen wird. Gestern nun stand ein junger Mann neben mir auf dem Bahnsteig, auf dessen Jacke es in Höhe der linken Brustseite, da, wo bei Militärs die Orden stecken, nur so von Buttons wimmelte.

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Wie bunte Tierchen krabbelten sie über den Stoff. Ich musste dem Mann, der da in der Raucherzone stand, unauffällig auf die Pelle rücken, um zu erkennen, was die Botschaft der Buttons war, fand aber nichts, außer lustigen Farben, schlichten Ornamenten und harmlosen Wörtern wie „Muse“ oder „schön“. Es waren kleine Schmuckstücke, ein bisschen Schnickschnack, mehr Broschen als Buttons.

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