Carsten Klude von MM Warburg: Warum der Dax auf 8000 Punkte steigt

Carsten Klude von MM Warburg: Warum der Dax auf 8000 Punkte steigt

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Carsten Klude, Chefvolkswirt und Stratege der Hamburger Privatbank MM Warburg

Der Nervosität an den Märkten ist groß. Droht der nächste Abschwung? Im Gegenteil, sagt Carsten Klude, Chefvolkswirt und Stratege der Privatbank MM Warburg. Dabei war Klude bislang gar nicht als notorischer Optimist bekannt. Im Interview erklärt er, warum der Aktienmarkt bald schon wieder an alte Rekorde herankommen könnte.

Herr Klude, Sie erwarten, dass der Dax in den nächsten zwei Jahren auf 8000 Punkte steigt. Wie kommen Sie darauf?

Carsten Klude: Aus heutiger Sicht hört sich das vielleicht mutig an. Aber wenn man sich die Gewinne der Unternehmen anschaut, dann erscheint das durchaus realistisch. Die Gewinne nähern sich ihrem Rekordwert aus dem Jahr 2007, bis 2012 könnten sie ihn übertreffen. Dann kann auch der Dax an seine alten Rekorde anknüpfen.

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Die Unternehmen müssten dafür prozentual zweistellige Wachstumsraten erreichen. Wie realistisch ist das, wenn gleichzeitig die deutsche Wirtschaft insgesamt nur um anderthalb Prozent wächst?

Die deutschen Unternehmen haben in der Krise kräftig gespart und Kosten gesenkt. Außerdem profitieren sie sehr stark vom Wachstum in den Schwellenländern, das beweisen allen voran die Autohersteller. Ich rechne damit, dass die Gewinne im nächsten Jahr um zehn bis zwölf Prozent steigen werden. Im Vergleich zu dem, was die meisten Unternehmensanalysten erwarten, ist das sogar noch vorsichtig geschätzt.

Welche Branchen können am meisten zulegen?

Insbesondere die Industrie. Fast alle Industrieunternehmen konnten die Gewinnerwartungen während der aktuellen Berichtssaison deutlich übertreffen. Ähnlich positiv waren die Ergebnisse im IT-Sektor. Das Schlusslicht bilden dagegen Energie- und Telekomunternehmen. An diesem Bild wird sich in den nächsten Monaten nichts ändern.

Sind steigende Gewinne nicht schon längst in den Kursen eingepreist?

Nur zum Teil. Aktien sind immer noch günstig bewertet. Der Dax weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 11 auf.

Sollten Anleger jetzt Aktien kaufen?

Vielleicht gibt es in den kommenden Wochen sogar noch einmal einen Rückschlag, der sich als Gelegenheit zum Einstieg nutzen lässt. Wobei es für einen langfristig orientierten Anleger keine große Rolle spielen sollte, ob er bei einem Dax von 6300 oder 6000 Punkten einsteigt.

Was passiert, wenn die Konjunktur doch noch einbricht?

Dafür gibt es bislang keine Hinweise. Die Konjunkturdaten sind bislang deutlich besser ausgefallen als die meisten dies zu Beginn des Jahres erwartet haben. Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose für 2010 bereits zum dritten Mal nach oben revidiert, von 3,1 Prozent zu Beginn auf zuletzt auf 4,6 Prozent. Selbst wenn die Wachstumsraten nicht so hoch bleiben, werden wir weiterhin eine moderate, stetige Aufwärtsentwicklung sehen. Eine erneute Rezession im Jahr 2011 halte ich für ausgeschlossen.

Den meisten sind Sie als Pessimist bekannt. Nach der Lehman-Pleite sagten Sie den Dax-Absturz auf 3600 Punkte voraus. Jetzt überraschen Sie mit einer extrem optimistischen Prognose. Woher kommt der plötzliche Sinneswandel?

Damals wollte die Prognose zunächst auch keiner glauben, obwohl die Konjunkturdaten bereits kräftig im Sinkflug waren. Als sie dann eintrat, gab es viele Anrufe von Leuten, die wissen wollten wie es weitergeht. Ich analysiere Fundamentaldaten und ziehe daraus meine Schlüsse für den Markt. Das hat nichts damit zu tun, dass ich ein grundsätzlicher Pessimist oder notorischer Opimist bin. Letztendlich geht es immer darum, objektiv und möglichst frühzeitig die marktbeeinflussenden Faktoren zu erkennen.

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