China: Nervöses Zucken an Chinas Börsen

China: Nervöses Zucken an Chinas Börsen

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Aktienmarkt China

von Matthias Kamp

Nach kräftigen Einbrüchen an Chinas Aktienmarkt hoffen Anleger auf eine Lockerung der harten Geldpolitik.

Die vermeintlich gute Nachricht für chinesische Anleger kam dieses Mal aus dem Süden des Landes. Chinas Regierung, meldete die Zeitung „Southern Metropolis Daily“ Anfang vergangener Woche, dürfte schon bald die Restriktionen bei der Vergabe von Krediten lockern. Vor allem für Käufer von Wohnungen und Häusern werde es einfacher, an frisches Geld zu kommen, so das Blatt unter Berufung auf das Wohnungsbauministerium in Peking. Die Börsen in Shanghai und Hongkong reagierten prompt mit kräftigen Sprüngen nach oben. Besonders Immobilienwerte legten zu. Die Enttäuschung kam nur 24 Stunden später: Als das Ministerium den Bericht zurückwies, ging es an den Börsen gleich wieder bergab.

Chinas Anleger klammern sich derzeit an jeden Strohhalm. Fast 25 Prozent hat der Aktienindex Shanghai in diesem Jahr verloren (siehe Chart). Mit 6,5 Prozent halten sich die Verluste des Hongkonger Hang Seng Index zwar in Grenzen, doch auch hier ist die Stimmung kaum besser als auf dem chinesischen Festland. Gleichwohl spekulieren manche Fondsmanager schon wieder über Einstiegschancen. „Die Bewertungen sind günstig“, sagt etwa Khiem Do, Chef bei Baring Asset Management in Hongkong. „Es sind zwar keine Schnäppchen, aber im historischen Vergleich sind die Märkte billig.“ Die Werte des Hongkonger Aktienindex Hang Seng notieren derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von recht moderaten 13,6 nach 18,0 im November.

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Vor allem die Verknappung der Kredite Anfang des Jahres hat die chinesischen Aktienmärkte ins Minus gedrückt. Umgerechnet gut 1400 Milliarden Dollar haben Chinas Staatsbanken 2009 verteilt, gut 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Mit dem Geld wollten die kommunistischen Herrscher die Folgen der Finanzkrise bekämpfen. Als sich Ende des Jahres Überkapazitäten in der Industrie, vor allem aber eine Überhitzung des Immobilienmarktes abzeichneten, beschloss Peking, die Geldvergabe zu drosseln. Für 2010 gilt für die Neukredite nun eine Obergrenze von 1100 Milliarden Dollar.

Doch nicht nur die restriktivere Geldpolitik hat den chinesischen Anlegern in der ersten Jahreshälfte die Laune verdorben. Auch die Schuldenkrise in Europa treibt vielen Investoren den Schweiß auf die Stirn. Sie befürchten, Chinas Exporteure müssten sich im Laufe des Jahres auf Einbußen im wichtigen Europageschäft gefasst machen. „Die Aussichten für die globale Wirtschaft sind nicht gut, und China ist gegen eine Verlangsamung nicht immun“, mahnt der chinesische Fondsmanager Lai Wang Simond.

Angst vor Immobilienpreisblase

Während Anleger an den Aktienmärkten auf ein Ende der Durststrecke hoffen und das Schlimmste wohl hinter sich haben, treibt Chinas Hausbesitzer die Furcht vor einem Platzen der Preisblase um. Um 16 Prozent sind die Immobilienpreise im ersten Quartal in den 70 größten Städten gestiegen. Die Entwicklung in China verläuft äußerst ungleich. Übertreibungen gibt es vor allem in den Ballungszentren Peking, Shanghai und Shenzhen. In kleineren Städten wie Chengdu oder Xi’An sind die Preise im letzten Jahr dagegen deutlich langsamer gestiegen.

China hat es mit lokal begrenzten Immobilienblasen zu tun. Die Analysten der Standard Chartered Bank erwarten, dass die Preise für Immobilien in den meisten Städten in den kommenden Monaten um 10 bis 20 Prozent nachgeben dürften, in Shanghai, Peking und Shenzhen sogar um 20 bis 30 Prozent.

Schon sorgen sich manche Beobachter, Peking könnte mit seiner restriktiveren Geld- und Kreditpolitik über das Ziel hinausschießen und das Wirtschaftswachstum stärker als gewünscht bremsen. Doch solche Ängste dürften übertrieben sein. Noch jedes Mal, wenn die Wirtschaft zu stark abzukühlen drohte, hat die Regierung den Geldhahn wieder aufgedreht.

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