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Consulting: Der schnellste Weg zum Top-Berater

von Julia Leendertse

Für viele Absolventen ist die Beratung die Paradebranche für eine steile Karriere. Damit der Aufstieg tatsächlich klappt, sollten Nachwuchsconsultants prüfen, welcher Beratertyp sie sind.

Berater Roland Berger Quelle: AP
Berater Roland Berger Quelle: AP
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Rasanter kann eine Karriere kaum verlaufen: Gerade mal zwei Jahre arbeitete Britta Fünfstück als Nachwuchsconsultant bei der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG), da bot der Siemens-Konzern der damals 27-Jährigen bei einem Projekt den Seitenwechsel an. Als Strategieberaterin hatte sie das Konzept für die globale E-Business-Initiative von Siemens Healthcare mitentwickelt. Kurz darauf managte sie als Siemensianerin das E-Business-Projekt in Deutschland, verdiente sich anschließend ihre Sporen als Marketingleiterin und M&A-Chefstrategin in der Siemens-Gesundheitssparte.

Heute ist Fünfstück 37 Jahre alt und CEO eines der zukunftsträchtigsten, medizintechnischen Felder des Konzerns: Die Exberaterin managt das Geschäft mit molekularer Bildtechnik, rund 2500 Mitarbeiter sowie Forschungs- und Vertriebsstandorte in der ganzen Welt. „Nur bei einer Top-Strategieberatung wird man in so frühen Jahren schon mit der Lösung der schwierigsten Fragen betraut, die sich Unternehmen stellen können“, sagt die studierte Physikerin. „Bei BCG habe ich trainieren können, was Manager beherrschen sollten: im richtigen Moment in die Tiefe gehen, ohne das große Ganze, also auch völlig gegenläufige Entwicklungen, aus dem Blick zu verlieren.“

Für Britta Fünfstück war der Einstieg in die Beraterbranche ein Karrierebeschleuniger. Sie gehörte zu den brillantesten fünf Prozent ihres Jahrgangs, um die die großen Strategieberatungen im Markt kämpfen. Bis zu 80.000 Euro blättern McKinsey, BCG und einige andere für Top-Talente als Einstiegsgehalt auf den Tisch. Diese großen Strategieberatungen kassieren in guten Zeiten Tageshonorare von 3000 Euro pro Consultant, greifen die Sahnestückchen auf dem Absolventenmarkt ab und bieten ihnen von der Strategie bis zur Umsetzung alle Beratungsfelder unter einem Dach an.

Drei Jahre durchkloppen

Doch selbst wer nicht bei den großen namhaften Häusern landet, kann über die Beraterbranche schnell Karriere machen: Rund 13.200 Beratungshäuser gibt es in Deutschland, darunter viele kleine und mittelständische Allrounder sowie spezialisierte Nischenplayer. „Nirgendwo sonst ist die Lernkurve so steil, nirgendwo sonst können Hochschulabsolventen so viele verschiedene Firmenkulturen und Projekte in kürzester Zeit erleben wie hier“, sagt Dietmar Fink, Geschäftsführer der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung (WGMB).

Vor der großen Karriere müssen die meisten Überflieger allerdings erst einmal drei, vier Jahre lang Tag und Nacht durchkloppen und die PowerPoint-Präsentationen für die Seniorberater schreiben. „Als Beraterin springen Sie immer wieder ins kalte Wasser: neue Kunden, neue Branchen, neue Projektteams und immer wieder neue Inhalte“, sagt Carolin Reichert, die sechs Jahre lang bei Roland Berger Strategy Consultants war und heute bei dem Energieversorger RWE in Essen das Geschäft rund um das Thema E-Mobility verantwortet. „Wer sich ständig auf unbekannten Terrain bewegt, lernt, damit souverän umzugehen.“

Hoher Leistungsdruck

Reichert entschied sich fürs Schwimmen und ist heute davon überzeugt, dass sie ihre Hartnäckigkeit, ihren Erfolgswillen und ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ihren Mut, neue Themen anzugehen, in großem Maße ihrer Tätigkeit in der Strategieberatung zu verdanken hat.

Denn der Leistungsdruck ist bei den meisten großen Beratungshäusern hoch. Die funktionieren letztlich wie ein klassischer Strukturvertrieb: Die Jungen verdienen das Geld für die Seniorberater – und am Ende dürfen nur die erfolgreichsten Berater bleiben. Entsprechend geben mindestens drei Viertel eines Jahrgangs ihr Consultantdasein nach spätestens fünf Jahren wieder auf.

Damit es danach mit der Karriere klappt, sollten sich Interessenten noch vor dem Bewerbungsmarathon genau überlegen, welche Beratungssparte zu ihrer Persönlichkeit passt. Denn den einen Beraterberuf gibt es gar nicht.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.06.2010, 16:17 UhrAnonymer Benutzer: 1. Ebene unter Vorstand

    in meiner Laufbahn habe ich schon viele berater erlebt. Und ich habe gelernt, dass Einmannberater mit Erfahrung deutlich mehr auf dem Kasten haben, als die grossen Namen dieser branche.
    Dort erscheinen die Topleute aber nur so lange, bis der Vertrag unterschrieben ist. Dann kommen Horden von kleinen Jungs, deren Aufgabe darin besteht das ganze Wissen aus den Mitarbeitern zu saugen. Verkauft wird es dann als eigene Erkenntnisse.
    Das einzige ,was die vorweisen können ist FOLiENKOMPETENZ.
    Lösungen sind dann: man sollte, es würde helfen usw.
    Habe damals auch Dibelius erlebt, als er noch bei McKinsey angefangen hat. Es war nicht besser.
    Aber die damaligen Herren Vorstände haben wenigstens ein Alibi.
    Doch das war sehr , sehr teuer erkauft. Genützt hat es meist wenig, bei der " Umsetztung" waren die Herren berater nicht da und die Herren Vorstände wollten möglichst wenig ändern, weil sie sich nie einigen konnten. Also wurden wieder Folien erstellt nur geändert hat sich nichts.

  • 17.06.2010, 12:07 UhrAnonymer Benutzer: Holger

    Sehr wertvolle Kommentare, die den Artikel zurück ins rechte Licht rücken. Die buchempfehlungen werde ich mir direkt ansehen! Danke.

  • 17.06.2010, 11:04 UhrAnonymer Benutzer: Junior

    Ein Artikel wie aus der Werbebroschüre der branche – leider weit weg von der Realität. Natürlich gibt es immer wieder Glückliche, die die beratung als Sprungbrett nutzen. in bezug auf Karriere kann man hier also wirklich weiterkommen. Auf die Mehrheit der Junior-berater trifft das allerdings gar nicht zu! Auch bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt wünschenswert ist. Hier schließe ich mich in meiner Einschätzung meinem Vorredner an.
    ich bin selbst Teil einer solchen Top5-beratung und beobachte täglich Unschönes: Juniorberater, die bis über die Schmerzgrenze ausgenutzt und dem Kunden teuer verkauft werden, Hahnenkämpfe und Anbiederei, Jagd nach Neuprojekten schlimmer als beim Telefonmarketing.
    Und das Widerwärtigste, es wird nicht wirklich untersucht und beraten, sondern nur noch Politik betrieben. Mal setzt der berater „seinen Ansatz“ durch, der dann nur noch von seinen Mitarbeitern verkauft und vertreten werden muss – auch dann, wenn man nicht dahinter steht. Oder der „Ansatz“ des Auftraggebers wird umgesetzt: nur allzu oft steht das Projektergebnis schon vor dem Start des Projektes fest, dann dient der berater dem Vorstand nur mehr als Alibi, um schon lange entschiedene unpopuläre Maßnahmen umzusetzen.
    Der berufseinsteiger glaubt noch daran, viel zu lernen, echten Mehrwert zu bringen. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus: monatelange Projekte beim Kunden vor Ort, weit weg von der Heimatbasis an zum Teil unattraktiven Standorten gegen den Widerstand von Geschäftsführung und belegschaft in Alibi-Projekten bis zur Erschöpfung an Präsentationen herumfeilen. Mit dem vorrangigem Ziel: Eigenmarketing. Sonst ist man ganz schnell draußen. ich persönlich kenne mehr Alkoholiker als wahre Stars in der branche, leider trifft es fast immer die Aufrichtigen.

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