Kommentare zu: Der schnellste Weg zum Top-Berater

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8 Kommentare
  • 16.06.2010, 15:33 UhrAnonymer Benutzer: Consultants - Brutstätten schlechter Manager

    besser als mit dem Zitat „Als berater anzufangen ist die Entscheidung, sich erst einmal nicht zu entscheiden“, kann man eine branche eigentlich gar nicht beschreiben.
    Denn genau das ist oft das Kernproblem dieser Supernasen: viele High Potentials haben zwar auf dem Papier viel in jungen Jahren viel geleistet, das allerdings nur in einem sehr geordneten Umfeld, das sich so verhält wie ein Tiergarten zur freien Wildbahn. An Privatschulen nach Stundenplan gelernt, die Studiengebühren und der Auslandsaufenthalt von den Eltern finanziert. Sämtliche Lernziele genau an dem ausgerichtet, was die beraterkaste an Einstellungskriterien erwartet. Aalglatt und ohne Rücksicht auf Verluste. Und eines haben solche Ausbildungswege und die späteren Projekte gemeinsam: wirklich Verantwortung für die Konsequenzen aus dem eigenen Handeln tragen muss niemand. Nicht während der Ausbildung (die Eltern werden es schon richten), nicht während der beraterlaufzeit (mein beratungs-Konzept war nicht das richtige? Pech, aber ich muss sowieso nicht mit den Folgen der implementierung leben ;o)
    Zum Ausdruck kommt diese halten m.E. eben auch daran, dass der Absolvent Angst hat sich festzulegen, Angst hat vor einer ersten persönlichen Entscheidung, dessen Konsequenzen er ein Leben lang hautnah spüren wird. Um dem zu Entgehen entscheidet er sich, sich erst einmal nicht zu entscheiden.
    Mir sind gestandene, aufrichtige Manager, die jahrelange Erfahrungen in der freien Wildbahn sammelten, lieber als diese bewohner aus dem goldenen Käfig. Wenn ein Junior-berater seine Nächte mit dem Erstellen von PowerPoint-Folien verbringt, um zu gefallen, hat dies nichts mit dem gemein, wenn echte Manager im Schweiße ihres Angesichts ihre Erfahrung und ihr Standing in der Wirklichkeit erlernen und beweisen müssen.

  • 16.06.2010, 16:24 UhrAnonymer Benutzer: Prof. Dr. Medenbach

    Schlimm, dass sehr viele Unternehmensberater keinerlei Kenntnisse aus der Wirtschaft mitbringen. Man kann sie vergleichen mit katholischen Wuerdentraegern, die sich selbst zu Eheberatern ernennen. Von Tuten und blasen keine Ahnung, aber Kenntnisse mit viel Tamtam fuer teures Geld verkaufen. immerhin arbeiten die Wuedentraeger gratis.

  • 16.06.2010, 17:36 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt (Teil 1)

    bei allem Respekt: ich, berater (auf allen Ebenen, von iT bis CEO-Strategieberatung, fulltime) seit 1995, überschlage mich bei der Lektüre dieses beitrags vor Lachkrämpfen.
    Sorry, Frau Leendertse, aber das alles liest sich wie ein angestaubtes Geschichtsbuch. Es gab eine Zeit - und das waren die 90er - da hat man tatsächlich gedacht, die "beratungsfirmen" brächten einen echten Wissensvorsprung. Der Abstieg der "beratungshäuser" ist jedoch seitdem dramatisch und unaufhaltsam. Daran ist das in ihrem Artikel ausformulierte, äußerst zweifelhafte Geschäftsmodell dieser "Firmen" schuld. Dies formuliert Frau Reichert dankender weise selbst:
    „Als beraterin springen Sie immer wieder ins kalte Wasser: neue Kunden, neue branchen, neue Projektteams und immer wieder neue inhalte“
    **Donnerwetter!** Eine schönere und direktere bankrotterklärung kann man sich kaum vorstellen - und sie ist absolut korrekt!
    Heutzutage schauen die Kunden jedem Pferd aufs Maul; Kunden mit echtem Handlungsbedarf interessiert eine dümmliche "Marke" nicht, denn sie wollen keine Ausbildungsanstalt für unfähige Mittelmanager sein. Sie brauche Hilfe, und das bekommen sie nur von alten Hasen. Diese Hasen haben Erfahrung im gefragten Fach (und nicht nur beratungserfahrung, die zwar nicht wertlos ist aber doch enorm überschätzt wird). Aus diesem Grund werden immer häufiger kleine beratungspraxen oder unabhängige berater angeheuert, die tatsächlich wissen wovon sie reden. Die Ausbildungsbetriebe wie McKinsey oder berger werden nur noch von besonders ratlosen Kunden angeheuert, die das Argument brauchen "ist schiefgegangen, aber die Empfehlung kam von berger, also habe ich als Chef mein bestes getan" (anders formuliert: ich hatte keine Ahnung, aber andere haben die Schuld, also gebt mir meinen bonus!).
    Alles Gelaber eines frustrierten Lesers? Unsinn. ich lebe als berater seit Ewig davon, dass ich die Jugend-Forscht-buden aussteche. (weiter s. mein Folgebeitrag).

  • 16.06.2010, 17:36 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt (Teil 2)

    Wie es in diesen buden zugeht, wie das Geschäft früher funktionierte und warum es so gut wie immer schiefgehen muss, liest man in den folgenden büchern:
    - "beraten und verkauft: McKinsey & Co. - der große bluff der Unternehmensberater" (ok, ein romanhaftes Sachbuch, aber vieles ist wirklich wahr)
    - "Rip-off!: The Scandalous inside Story of the Management Consulting Money Machine" (von einem ehemaligen Consultant geschrieben, natürlich auch als sensationelle Enthüllung überzeichnet, trotzdem trifft sehr vieles zu)
    - "The Not-So-Definitive Guide to Management Consulting: An insider's Humorous but Practical Perspective on the industry" (Consultant-Leben aus Sicht einer Managementberaterin, einmal richtig heftig aber trotzdem trifft vieles zu)
    Fakt ist: berger, McKinsey sind Geschäftsmodelle aus dem vergangenen Jahrhundert, die heute unglaubwürdig sind. Leute wie Zumwinkel (McKinsey, sein Nachfolger Appel ist *rein zufällig* natürlich auch von McKinsey - US-berater regieren die Deutsche Post und sind gaaaaaaanz ehrliche bürger) sind nur die Spitze des Eisbergs. irgendwann wird man sich schämen zugeben zu müssen, man hat als Studi mit Null Ahnung ihren Sklaventreibern 2500 EUR/Tag gebracht (heute für diese buden nicht mehr erreichbar, morgen noch weniger).

  • 16.06.2010, 19:09 UhrAnonymer Benutzer: Consultants - Brutstätten schlechter Manager

    @ Hägar Schmidt

    ich selbst kenne die Top-beratung auch aus vielen Perspektiven: als eifriger Student mit Zusatzfach „Consulting“, als Consultant in einer kleinen aber feinen beratung uns als Manager in der Wirtschaft und kann nur sagen: eine bessere Zusammenfassung habe ich noch nirgends gelesen und kann diese voll unterschreiben. Das was der Artikel beschreiben möchte ist ein Mythos, die Realität dabei sogar fast noch grausamer als in ihrem Kommentar.

    Ebenfalls bestätigen kann ich den von ihnen beschriebenen bedarf nach „echten“ (sprich nützlichen) Consultants, die tatsächlich in winzigen, meist privaten beratungen zu finden sind. Ein naher Verwandter hat sich in vielen Jahrzehnten als innovator, Optimierer, Sanierer im internationalen operativen Automobil-Zulieferergeschäft einen Namen gemacht. Aus Altersgründen hat er sich nun als berater selbständig gemacht. Seitdem rennt man ihm quasi die bude ein. Darunter sind viele Spitzenmanager, die heute versuchen, die Folgen verordneter berater-Strategien wieder auszubügeln.

    Diese Einheits-Sauce aus kurzfristig modernen Managementlehren die sich über die globalen berater Think Tanks, Eliteunis, und auch wg. der Verbindung von Topberatungen und Vorstandsetagen auch in viele Konzerne ergießt ist ein Grund des Übels der letzten Wirtschaftskrise.
    Es wird auf breiter Front unreflektiert jeder blödsinn zur neuen Management-Religion erhoben. Wer auf der jeweils aktuellen Welle nicht mitschwimmt, wird aussortiert. Aus solchen Strukturen stammen idiotien wie „Shareholder Value“ etc.

  • 17.06.2010, 11:04 UhrAnonymer Benutzer: Junior

    Ein Artikel wie aus der Werbebroschüre der branche – leider weit weg von der Realität. Natürlich gibt es immer wieder Glückliche, die die beratung als Sprungbrett nutzen. in bezug auf Karriere kann man hier also wirklich weiterkommen. Auf die Mehrheit der Junior-berater trifft das allerdings gar nicht zu! Auch bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt wünschenswert ist. Hier schließe ich mich in meiner Einschätzung meinem Vorredner an.
    ich bin selbst Teil einer solchen Top5-beratung und beobachte täglich Unschönes: Juniorberater, die bis über die Schmerzgrenze ausgenutzt und dem Kunden teuer verkauft werden, Hahnenkämpfe und Anbiederei, Jagd nach Neuprojekten schlimmer als beim Telefonmarketing.
    Und das Widerwärtigste, es wird nicht wirklich untersucht und beraten, sondern nur noch Politik betrieben. Mal setzt der berater „seinen Ansatz“ durch, der dann nur noch von seinen Mitarbeitern verkauft und vertreten werden muss – auch dann, wenn man nicht dahinter steht. Oder der „Ansatz“ des Auftraggebers wird umgesetzt: nur allzu oft steht das Projektergebnis schon vor dem Start des Projektes fest, dann dient der berater dem Vorstand nur mehr als Alibi, um schon lange entschiedene unpopuläre Maßnahmen umzusetzen.
    Der berufseinsteiger glaubt noch daran, viel zu lernen, echten Mehrwert zu bringen. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus: monatelange Projekte beim Kunden vor Ort, weit weg von der Heimatbasis an zum Teil unattraktiven Standorten gegen den Widerstand von Geschäftsführung und belegschaft in Alibi-Projekten bis zur Erschöpfung an Präsentationen herumfeilen. Mit dem vorrangigem Ziel: Eigenmarketing. Sonst ist man ganz schnell draußen. ich persönlich kenne mehr Alkoholiker als wahre Stars in der branche, leider trifft es fast immer die Aufrichtigen.

  • 17.06.2010, 12:07 UhrAnonymer Benutzer: Holger

    Sehr wertvolle Kommentare, die den Artikel zurück ins rechte Licht rücken. Die buchempfehlungen werde ich mir direkt ansehen! Danke.

  • 17.06.2010, 16:17 UhrAnonymer Benutzer: 1. Ebene unter Vorstand

    in meiner Laufbahn habe ich schon viele berater erlebt. Und ich habe gelernt, dass Einmannberater mit Erfahrung deutlich mehr auf dem Kasten haben, als die grossen Namen dieser branche.
    Dort erscheinen die Topleute aber nur so lange, bis der Vertrag unterschrieben ist. Dann kommen Horden von kleinen Jungs, deren Aufgabe darin besteht das ganze Wissen aus den Mitarbeitern zu saugen. Verkauft wird es dann als eigene Erkenntnisse.
    Das einzige ,was die vorweisen können ist FOLiENKOMPETENZ.
    Lösungen sind dann: man sollte, es würde helfen usw.
    Habe damals auch Dibelius erlebt, als er noch bei McKinsey angefangen hat. Es war nicht besser.
    Aber die damaligen Herren Vorstände haben wenigstens ein Alibi.
    Doch das war sehr , sehr teuer erkauft. Genützt hat es meist wenig, bei der " Umsetztung" waren die Herren berater nicht da und die Herren Vorstände wollten möglichst wenig ändern, weil sie sich nie einigen konnten. Also wurden wieder Folien erstellt nur geändert hat sich nichts.