Corporate Governance: Kontrolle ist schlecht, Regeln sind besser

KommentarCorporate Governance: Kontrolle ist schlecht, Regeln sind besser

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Ex-Porsche-Chef Wiedeking hat die Selbstständigkeit des Konzerns verspielt, ohne dass die Eigentümer dies merkten. Das zeigt, dass Kontrolleure Manager nicht bändigen können.

Aktionäre und ihre Aufsichtsräte bekommen die Manager nicht in den Griff. Falls es nach IKB und Hypo Real Estate noch eines Beweises bedurfte, liefert ihn Porsche. Das Familienunternehmen muss von Volkswagen gerettet werden und endet dort als eine Marke unter vielen. Weil Ex-Chef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter mit Finanzspekulationen untragbare Schulden aufhäuften. „Die hatten keinen Plan B für den Fall, dass ihre Strategie nicht aufgeht“, sagt ein Banker, „und die Eigentümerfamilien haben nicht verstanden, was Wiedeking und Härter da machen.“ Das Schlimme daran: Wenn es die nur rund 60 Porsche-Eigner nicht schaffen, ihre Manager mithilfe des Aufsichtsrats zu kontrollieren, dann schaffen es Tausende Deutsche-Bank-Aktionäre erst recht nicht. Denn anders als die Porsche-Familieneigner haben Aktionäre anderswo meist keinen kurzen Draht zum Aufsichtsrat, der in ihrem Auftrag die Manager beaufsichtigen und ein angemessenes Gehalt festlegen soll.

Das alte Kontrollmodell, es ist längst gescheitert. „Kontrollen und Gegengewichte in der Unternehmensführung (Corporate Governance) haben versagt“, urteilt die Europäische Zentralbank — und das bereits im Mai 2005, nach den Bilanzskandalen um Enron (2001), WorldCom (2002) und Parmalat (2003).

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Aktionäre müssen auf verbindliche Regeln drängen

Ursache der Misere ist einer der größten Fehlanreize unseres Wirtschaftssystems: Chefs sind nicht mehr Eigentümer, sondern verfügen über das Vermögen anderer — und beschädigen es aus Eigennutz. Ökonomen sprechen vom Prinzipal-Agenten-Problem: Der Eigentümer als Prinzipal kann seinem Agenten, dem Manager, nicht trauen. Als Lösung werden lehrbuchhaft bessere Informationen für Eigentümer gefordert. Doch das hat entweder wenig gebracht oder ist oft nicht möglich. Wiedeking und Härter etwa hatten gute Gründe, Details ihrer Finanzdeals geheimzuhalten: Bei Indiskretionen wäre Porsche dem Markt ausgeliefert gewesen. Geradezu aussichtslos ist der Kontrollversuch bei Banken, wo ein ganzer Saal voller Händler spekuliert.

Aktionäre sollten nicht länger so naiv sein zu glauben, dass ihre Aufsichtsräte die Manager ausreichend kontrollieren können. Stattdessen müssen sie auf Regeln drängen, die Manager zwingen, das Eigentümerinteresse zu wahren — und langfristig den Unternehmenswert zu steigern. Das geht vor allem über das Gehalt. Wenn Boni erst nach fünf Jahren gezahlt würden, hätte Wiedeking 2008 nicht geschätzte 80 Millionen Euro kassiert, obwohl er Porsche an den Abgrund steuerte. Solche perversen Anreize müssen weg. Darum geht es in der Boni-Debatte, nicht um Neid.

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