
Im Baisse-Szenario entstehen jedoch Kursverluste. Schon der Rückgang bis Ende dieses Jahres geht unter die Bewertungsschwelle. Allerdings federt das Expresspapier das Minus etwas ab, da für August 2010 die nächste Chance auf Einlösung besteht. Da es der Euro Stoxx Mitte 2010 wieder über die Bewertungsschwelle schafft und damit eine Rückzahlung von 110 Euro winkt, zieht das Zertifikat deutlich stärker an als der Index.
Die zweite Baisse-Phase allerdings macht die Hoffnung auf Gewinn zunichte, da der Euro Stoxx dabei weit unter die Schwelle taucht. „Wer ein Expresszertifikat kauft, muss die Marktmeinung haben, dass die Aktien mindestens seitwärts tendieren oder leicht steigen“, sagt Dominik Auricht, Zertifikatefachmann der Hypo-Vereinsbank. Auch wenn die Renditen sich mit Prozenten hochverzinslicher Anleihen vergleichen lassen – ein Anleihenersatz sind Expresszertifikate nicht. „Jeder Anleger trägt mit diesen Papieren ein Marktrisiko“, so Auricht. Das allerdings lässt sich eingrenzen. „Wer längere Laufzeiten wählt, erhöht die Chance auf eine Tilgung“, rät Vermögensverwalter Hinz. Bei einer Laufzeit von sechs Jahren wäre es im vergangenen Vierteljahrhundert statistisch gesehen immer zu einer Rückzahlung gekommen.
Garantie nur eingeschränkt

Mit dem Versprechen, den Einsatz zu sichern, zählen Garantiezertifikate zu den Gewinnern der Finanzkrise. Zwei Drittel der in Zertifikaten angelegten Gelder stecken in diesen Papieren. Die Garantie ist aber eingeschränkt: Sie gilt nur am Ende der Laufzeit und nur für den Nennwert von 100 Prozent.
Für die Hochrechnung fiel die Wahl deshalb auf ein defensives Zertifikat. Sein Kaufpreis liegt mit 95 Euro unter dem garantierten Nennwert von 100 Euro. Das Papier hat eine Restlaufzeit bis Juni 2012 und ist klassisch aufgebaut: Es besteht aus einer Anleihe, die Zinsen über die Laufzeit sammelt und am Ende zu einem Kurs von 100 zurückgezahlt wird (Nullkuponanleihe), sowie einer Kaufoption auf den Euro Stoxx.
Die Anleihe hat derzeit einen Wert von 93 Euro, die Option bringt es auf zwei Euro. Die Anleihe ohne Kupon sichert durch ihren allmählichen Kursanstieg auf 100 Euro den Einsatz; die Option packt einen Extragewinn oben drauf, wenn die Aktien steigen. Das müssen sie allerdings kräftig, sonst bringt die Option nichts. Ihr Basispreis, von dem aus zur Fälligkeit ihr Wert berechnet wird, liegt mit 4513 Punkten weit über dem aktuellen Euro Stoxx – und auch weit über den im Hausse-Szenario angenommenen Kursspitzen. Dennoch ist die Option nicht wertlos, da sie noch zweieinhalb Jahre Restlaufzeit hat.
Im grünen Bereich
Schon in der Hausse-Rechnung trägt die Option einen Teil zum Kursanstieg des Zertifikats bei – auch wenn sechs Prozent Gesamtgewinn im Vergleich zum Euro Stoxx wenig sind. „Ein solches Zertifikat ist ausgesprochen defensiv und deshalb eine Alternative zu einem Anleiheninvestment und nicht zu einer Aktienanlage“, sagt Nicolai Tietze, Zertifikatefachmann der Deutschen Bank. Immerhin ist das Garantiepapier im Vergleich das einzige Zertifikat, das in allen drei Szenarien im grünen Bereich landet.
Mit Garantiezertifikaten sind aber auch höhere Renditen möglich. Die Stellschraube dafür ist der Basispreis des Calls. Papiere mit einer niedrigeren Basis (etwa bei 2390 Punkten mit ISIN DE000DB4CEL0) reagieren schneller auf einen Anstieg der Aktien. Der Haken: Ein solches Zertifikat notiert jetzt schon bei 112 Euro. Zur Fälligkeit garantiert werden aber nur 100 Euro. Kommt es an den Börsen zu einer Korrektur, wird das Zertifikat kräftig Luft ablassen – während der Laufzeit und nochmals am Ende.










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Alle Kommentare lesen29.10.2009, 13:19 UhrAnonymer Benutzer: DK
Zertifikate - da war etwas!
Das Produkt wurde mit falschen Anreizen vertrieben und ein US-Emittent mit Vetrieb v.a. in Europa wurde von den Amerikanern fallen gelassen.
Das Produkt war vor und nach der Krise gleich gut, aber wurde zum "Sündenbock" der breiten Masse, die die Hintergründe eigentlich nicht interessiert.
29.10.2009, 10:57 UhrAnonymer Benutzer: AJ
Zertifikate - war da nicht etwas? Wie kurz ist doch das Gedächtnis! Nochmal und ganz deutlich: ZERTiFiKATE sind nichts für den Durchschnitts-Anleger! Also Finger weg! im Artikel ist das mal kurz unter dem Punkt "Schwachstellen" zusammen gefasst. in vielen Ländern sind diese Konstrukte für Privatanleger nicht handelbar, deswegen tummeln sich bei uns ja so viele. Zertifikate sind nur etwas für Profis und auch die können gewaltig damit auf die Nase fliegen.