Derivate: Mit Zertifikaten an der Börse auf Kurs

Derivate: Mit Zertifikaten an der Börse auf Kurs

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Mit Zertifikaten auf Kurs

von Anton Riedl

Zertifikate versprechen für jedes Börsen-Szenario die richtige Anlage. Eine Modellrechnung bis Ende 2010 zeigt, was diese Papiere in Hausse, Seitwärtstrend und Baisse wirklich können.

Merrill Lynch verkauft schon wieder Zertifikate. Die amerikanische Investmentbank, in der Finanzkrise gerade noch von der Bank of America vor der Pleite gerettet, schickt nun ein neues Papier ins Rennen, das mit drei Prozent Zinsen wirbt. Auch die deutsche Citibank, Tochter der französischen Genossenschaftsbank Crédit Mutuel, wird wahrscheinlich einfach gebaute Zertifikate in den nächsten Monaten wieder anbieten. Der Deutsche Derivate Verband, die Branchenvereinigung der Zertifikatebanken, hat einen wissenschaftlichen Beirat ins Leben gerufen und verspricht „mehr Transparenz, Verständlichkeit und Anlegerschutz“.

Fast 100 Milliarden Euro haben deutsche Sparer inzwischen wieder in Zertifikate investiert, ein Fünftel mehr als im Frühjahr. Statistisch gesehen hat somit jeder zehnte Haushalt in Deutschland irgendwelche Zertifikate im Depot.

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Dabei sind die Probleme mit diesen Papieren keineswegs vom Tisch. Die Verluste, die Sparer mit Zertifikaten der pleitegegangenen Lehman-Bank erlitten haben, werden auf über eine Milliarde Euro geschätzt. Bei Hedgefonds-Zertifikaten der Commerzbank zittern Anleger seit Monaten um ihr Geld; die japanische Nomura-Bank hat in einem ähnlichen Fall ihre Papiere gleich vorzeitig gekündigt.

Zwei Schwachstellen

380.000 verschiedene Zertifikate werden derzeit von mehr als zwei Dutzend Emissionshäusern angeboten. Selbst Derivate-Banker wie Heiko Weyand von HSBC Trinkaus warnen vor einem „Wettrüsten der Produktneuheiten“. Georg Friedrich Doll, Finanzberater aus Hamburg, hat in einem neuen Buch über Aktienzertifikate 167 verschiedene Typen aufgelistet. „Für Privatanleger ist es schwierig, den Überblick zu behalten“, kritisiert der Finanzfachmann. Denn die Flut neuer Papiere passt keineswegs zu der von der Branche auf die Fahnen geschriebenen Transparenz.

Zertifikate haben zwei Schwachstellen: Erstens sind sie als Inhaberschuldverschreibungen von der Rückzahlungsfähigkeit der herausgebenden Bank abhängig. Dieses Problem gipfelte in der Pleite der Lehman-Bank. Die Suche nach einer sicheren Emittentin ist mehr denn je die Voraussetzung, überhaupt ein solches Papier anzufassen. Ein Maßstab dafür sind die Preise für Kreditversicherungen. Je niedriger diese Prämien sind, umso sicherer wird eine Bank vom Markt eingeschätzt (aktuelle Werte dieser sogenannten Credit Default Swaps unter www.deutscher-derivate-verband.de).

Zweites Problem der Zertifikate ist ihr Aufbau: Es sind künstliche Wertpapiere, zusammengesetzt aus einzelnen Bausteinen. Jeder, der ein Zertifikat kauft, holt sich eine Kombination aus Aktien, Anleihen oder Optionen ins Depot. „Und nur die Anleger, die mit diesen Stellgrößen richtig umgehen, können mit Zertifikaten auf Dauer mehr herausholen als mit Aktien oder Anleihen“, sagt Michael Hinz, Vorstand der Pintarelli-Vermögensverwaltung aus Wuppertal.

Qualitäts-Check bis Ende 2010

Eine Hochrechnung zeigt, was diese Papiere in der Börsenwirklichkeit können – und was nicht. Ausgewählt wurde jeweils ein Papier der vier Grundtypen, auf die 90 Prozent der in Zertifikaten angelegten Gelder entfallen: Discounts, Bonuszertifikate, Expresspapiere und Garantiezertifikate. Die Grafiken zeigen, wie sich diese Investments im Vergleich zu ihrem Basiswert entwickeln.

Ausgangslage der Hochrechnung bis Ende 2010 sind drei Aktienmarkt-Szenarien: Hausse, Seitwärtstrend und Baisse. Die Marktschwankungen werden in drei typische Phasen eingeteilt. Damit wird sichtbar, wie Zertifikate innerhalb der Trendausschläge steigen und fallen.

Basiswert ist der Aktienindex Euro Stoxx 50. Auf diese Kurve gibt es die meisten Zertifikatekonstruktionen. Derzeit notiert der Euro Stoxx bei 2900 Punkten. Die Spannweite der angenommenen  Szenarien reicht etwa von 2070 Punkten nach unten bis 3800 Punkten nach oben. Im Dax entspräche das einer Bandbreite zwischen 4200 und 7700 Punkten.

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