Deutsche Post Chef Appel: "Es bedarf keiner Quoten"

Deutsche Post Chef Appel: "Es bedarf keiner Quoten"

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Vorstandschef der Deutschen Post Frank Appel

von Christian Schlesiger

Warum der Vorstandschef der Deutschen Post die Frauenquote ablehnt , Ursula von der Leyen zu sich einlädt und überzeugt ist, dass Vorstände bald schon weiblicher werden.

WirtschaftsWoche: Herr Appel, Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die jüngste Diskussion um eine Frauenquote vorerst beendet. Sind Sie darüber erleichtert?

Appel: Durchaus. Es bedarf keiner Quoten, um Frauen ins Top-Management zu bringen. Was will man mit einer Quote jetzt noch erreichen? Dann wäre so etwas vor 10 oder 20 Jahren sinnvoll gewesen. Sprechen Sie heute doch einmal mit jungen Leuten: Junge Frauen lehnen eine Quote ab, weil sie sich damit in ihrer Qualifikation nicht ernst genommen fühlen. Und junge Männer lehnen die Quote ab, weil sie Frauen dann nicht mehr als gleichberechtigte Partnerinnen im Beruf erleben können.

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Aber mehr weibliche Entscheidungsträger sind schon ein Vorteil für Unternehmen?

Ich habe keinen Zweifel, dass Unternehmen mit mehr weiblichen Führungskräften erfolgreicher sind. Es gibt viele Studien, die das zeigen.

Welche Alternativen zur Quote schlagen Sie vor?

Ich plädiere dafür, jedem Unternehmen eigene Wege zu ermöglichen.

Lassen sich durch freiwillige Selbstverpflichtungen die Seilschaften der Männer aufbrechen? Bislang ist wenig passiert.

Es ist falsch, dass sich in den letzten Jahren nichts verändert hat. Unternehmen sind durchlässiger geworden, das Geschlecht spielt bei der Auswahl von Führungskräften immer weniger eine Rolle. Auf unseren Führungsebenen sehe ich weltweit viele Managerinnen, die großes Potenzial haben. Allerdings dauert es in einem globalen Konzern wie unserem mitunter 15 Jahre oder länger, bis eine Führungskraft genügend Erfahrung gesammelt hat, um in den Vorstand zu kommen.

Erziehungszeiten holen Frauen aber oft über Jahre aus dem Job.

Das ist tatsächlich eine Herausforderung. Aber Kinderbetreuung ist heute längst ein Familienthema. Auch Männer stehen immer häufiger vor der Situation, Kinder und Karriere unter einen Hut bekommen zu müssen. Wir können es uns nicht länger leisten, Leistungsträger längere Zeit zu verlieren, nur weil wir ihnen keine Möglichkeit bieten, im Job erfolgreich weiterzukommen und gleichzeitig ein erfüllendes Familienleben zu führen.

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