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Devisen: Experten sind skeptisch für den Euro

von Christian Panster Quelle: Handelsblatt Online

Doch die Sorge um die griechischen Finanzen wird Europas Währung wohl weiter belasten. Immer mehr Händler wetten auf den Dollar.

FRANKFURT. Erst einmal durchschnaufen, lautet die Devise. Nach den deutlichen Verlusten der vergangenen Wochen hat sich der Euro wieder etwas erholt; zeitweise wurden zu Wochenbeginn wieder deutlich mehr als 1,39 Dollar gezahlt. Heute wurde die Gemeinschaftswährung im frühen Handel wurde mit 1,3927 US-Dollar gehandelt. Über eines darf das Mini-Plus der Gemeinschaftswährung zum US-Dollar aber nicht hinwegtäuschen: Der Euro ist angeschlagen. Dies zeige sich dadurch, dass positive Nachrichten ignoriert und negative Meldungen zum Anlass genommen würden, die Währung zu verkaufen, schreibt die Helaba in einem Marktkommentar. Noch im Dezember hatte der Wechselkurs bei 1,50 Dollar je Euro gelegen.

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Alle Welt blickt auf Griechenland

Damals ist es die US-Währung, die angeschlagen ist. Mit jedem billigen Dollar, den die Notenbank Federal Reserve zur Bekämpfung der Finanzkrise in die Märkte pumpt, verlieren die Scheine, die schon im Umlauf sind, an Wert. Der Absturz des Greenbacks scheint unaufhaltsam, der Dollar scheint zur Billigwährung zu verkommen. Immer mehr Investoren schaffen ihr Geld in den Euro-Raum. Die Schwäche des Dollars wird plötzlich zur Stärke der Gemeinschaftswährung. Bis die Nachrichten aus Griechenland über den Ticker laufen.

Die finanzielle Schieflage der Südeuropäer belastet den Euro. Da nützt es auch nichts, dass der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou in der Nacht zu diesem Montag im heimischen Staatsfernsehen verkündet hat, dass Athen innerhalb der nächsten Tage große Teile seines Sparprogramms umsetzen wolle. Er werde keine Abweichungen und Verspätungen akzeptieren, verspricht Papandreou vollmundig. Das kommt zwar am Devisen- und am Rentenmarkt vorübergehend gut an - die Rendite der Griechenland-Bonds ist gestern leicht gefallen, die Kurse sind gestiegen. Mittelfristig jedoch bleibt die Unsicherheit an den internationalen Börsen groß.

Vieles wird darauf ankommen, ob die Weltwirtschaft nach dem Einbruch im letzten Jahr wieder nachhaltig wachsen wird. Gestern zumindest kamen positive Signale. Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe hat sich im Januar in der Euro-Zone überraschend aufgehellt. "Nur wenn sich die Konjunktur im Euro-Raum von ihrer guten Seite zeigt, ist damit zu rechnen, dass es Griechenland gelingt, seine Steuereinnahmen so weit zu erhöhen, dass eine Konsolidierung der Staatsfinanzen möglich wird", heißt es bei der Commerzbank.

Auf rund 300 Mrd. Euro ist der griechische Schuldenberg gewachsen. Allein im abgelaufenen Jahr ist die Neuverschuldung auf 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen. Anfang Dezember hatte die Ratingagentur Fitch das Rating der Südeuropäer von A auf BBB+ heruntergestuft. Erstmals seit zehn Jahren wird Griechenland nicht mehr als sogenanntes A-Land eingestuft. Jean-Claude Trichet, der oberste Währungshüter der EU, zeigte sich besorgt über das Schuldenproblem der Südeuropäer. "Die Situation in Griechenland ist sehr schwierig", sagte der EZB-Chef bei einer Anhörung in Brüssel.

Roubini geht vom Schlimmsten aus

Das Dumme für den Euro: Griechenland ist nicht allein. Auch in Spanien, Portugal, Italien oder Irland klaffen riesige Löcher im Haushalt. Mancher Experte geht deshalb vom Schlimmsten aus. Er sei noch nie so pessimistisch gegenüber der Gemeinschaftswährung eingestellt gewesen wie jetzt, sagt der Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini. "In weiterer Ferne, nicht in diesem oder im nächsten Jahr, könnte die Währungsunion auseinanderbrechen", glaubt der Wissenschaftler. In Brüssel hält man die Schwarzmalerei für übertrieben.

Immer mehr Händler setzen auf einen Dollar-Anstieg. Die Zahl der Wetten auf einen sinkenden Euro übersteigt die der Wetten auf einen steigenden Euro so deutlich wie zuletzt im September 2008, zeigen Daten der Commodity Futures Trading Commission. Vergangene Woche hatte der Euro zum Dollar zwei Prozent eingebüßt und damit den höchsten Wochenverlust seit April 2009 verzeichnet.