Die wichtigsten Fragen: Finanzkrise: Was Sie wissen müssen

Die wichtigsten Fragen: Finanzkrise: Was Sie wissen müssen

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Gold: Das Edelmetall ist seit Jahren eine stabile Wertanlage

Welche Folgen hat die Finanzkrise für den Bürger, welche Ursachen hat sie, was wird dagegen getan: Die WirtschaftsWoche beantwortet die wichtigsten Fragen.

1. Soll ich meine Guthaben auflösen und lieber Bargeld horten?

Bargeld zu Hause unters Kopfkissen zu stecken und abzuwarten, wäre Unsinn und würde den Heimsparer letztendlich mehrfach treffen. Die Inflation entwertet Geld rapide, derzeit gibt es außerdem einen Zinsausgleich auf Festgeldkonten deutlich über der Preissteigerung. Sparbücher sind sogar urkundlich gesichert mit einem festen Anspruch. Zudem sind die privaten Einlagen der sicherste Anker für das Bankgeschäft, für die Vergabe von Krediten an Häuslebauer und Unternehmen. Wer sein Geld nicht auf der Bank belässt, gefährdet darum letztlich seinen Arbeitsplatz. Ohnehin ist das deutsche Bankensystem mit 1628 Milliarden Euro an Privatkundeneinlagen sehr stabil – die Hypo Real Estate ist gerade deswegen illiquide geworden, weil sie nicht auf klassische Einlagen zurückgreifen konnte, sondern als reiner Hypothekenfinanzierer auf den lahmenden Kapitalmarkt angewiesen ist.

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2. Ist es sinnvoll, Gold zu kaufen?

Zehn Prozent ihres Vermögens sollten Anleger immer in Gold halten, am besten in gut handelbaren Münzen wie dem Krügerrand. Gold ist seit Jahren die stabilste Wertanlage neben bonitätsstarken Industrie- und deutschen Staatsanleihen sowie Fest- und Spareinlagen.

3. Sollte man in ein eigenes Haus investieren?

Selbstgenutzte Immobilien sind nicht besonders renditestark. Häufig gleicht die Wertsteigerung nicht einmal die Inflation aus. Dafür kann das eigene Haus nicht pleite gehen.

4. Ist mein Geld bei einer ausländischen Bank sicher?

Ausländischen Banken unterliegen den jeweiligen nationalen oder den europäischen Sicherungssystemen. Sicher sind häufig nur 20.000 oder 38.000 Euro. Anleger sollten ihr Auslandsinstitut fragen, wie hoch Einlagen tatsächlich abgesichert sind. Deutsche Töchter ausländischer Banken wie die Frankfurter Diba, eine Tochter der niederländischen ING-Gruppe, gehören meist der deutschen Bankensicherung an. Das Geld liegt dort so sicher wie bei heimischen Banken.

5. Was passiert mit meiner Hypothek, wenn die Bank pleite geht?

Das hat weder Auswirkungen auf die Zahlungsverpflichtung noch auf die Immobilie. Die monatlichen Raten fließen dann in die Insolvenzmasse. Auf jeden Fall sollten die Raten pünktlich gezahlt werden, um dem neuen Gläubiger keinen Anlass zu bieten, den Kredit fällig zu stellen.

6. Ist meine Lebensversicherung gefährdet?

Wenn eine Lebensversicherung insolvent wird, greift Protektor, der Sicherungsfonds der Versicherungsbranche. Lässt sich die Versicherung nicht mehr sanieren, übernimmt eine Auffanggesellschaft den Kundenbestand und sorgt für die Auszahlung der Versicherungsleistungen. Derzeit verfügt der Sicherungsfonds über 375 Millionen Euro an liquiden Mitteln, bis Ende des Jahres etwa 500 Millionen Euro. Das entspricht 0,1 Prozent der Rückstellungen, die die Lebensversicherungen für die Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden gebildet haben. Das Kapital dürfte im sehr unwahrscheinlichen Fall einer Pleite eines Großversicherers jedoch nicht reichen. Dann schießen die übrigen Lebensversicherungen weitere 0,1 Prozent ihrer Rückstellungen ein, die mehrere Hundert Millionen Euro betragen. Sollte auch das nicht reichen, darf die Bundesaufsicht die Verpflichtungen um fünf Prozent kürzen. Ein Kunde, der 100.000 Euro angelegt hat, würde dann Zinsen verlieren und 5.000 Euro seiner Ursprungsanlage. Bei fondsgebundenen Policen ist das angelegte Geld als Sondervermögen geschützt.

7. Sind Riester-, Rürup- und Betriebsrenten gefährdet?

Prinzipiell nicht. Riester- und Rüruprenten sind über die Sicherungssysteme der Banken oder Versicherungen abgesichert. Bei Betriebsrenten machen meist die Unternehmen Pensionszusagen – Banken- oder Versicherungspleiten haben keine Auswirkungen. Wird der Arbeitgeber insolvent, springt der Pensionssicherungsverein als Auffanggesellschaft ein. Ist die betriebliche Altersvorsorge hingegen über eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung organisiert, springt im Fall von Finanzproblemen dieser Institute wiederum die Auffanggesellschaft der Versicherungen ein.

8. Bedroht die Finanzkrise Arbeitsplätze in Deutschland?

Vermutlich werden die von der Finanzkrise betroffenen Banken Mitarbeiter entlassen. Über diesen direkten Effekt hinaus wird die Finanzkrise die Konjunktur spürbar dämpfen und so zum Arbeitsplatzabbau auch in anderen Branchen beitragen. Da der Arbeitsmarkt mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr auf die allgemeine Konjunktur reagiert, ist ab dem Winterhalbjahr mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Allerdings dürfte der Jobabbau diesmal weniger heftig ausfallen als nach dem Platzen der New-Economy-Blase Anfang des Jahrzehnts, weil die Unternehmen ihr Personal in den Jahren des Aufschwungs nur vorsichtig aufgestockt haben.

9. Welche Unternehmen trifft es neben den Banken am härtesten?

Die Versicherungen werden von den Turbulenzen an den Finanz- und Aktienmärkten mit voller Wucht getroffen. Da sie Milliarden in Form von Prämien anlegen, mussten sie reihenweise die Gewinnprognosen senken und hohe Abschreibungen hinnehmen. Beim deutschen Marktführer Allianz etwa summieren sich die Belastungen schon bisher auf drei Milliarden Euro, auch im zweiten Halbjahr drohen hohe Wertberichtigungen. Mit Einbußen rechnen auch Luftverkehrsgesellschaften und Hotels, weil Bankpleiten und rückläufige Konjunktur zu weniger Geschäftsreisen führen.

10. Welche Branchen spüren die Krise weniger stark?

Pharma- und Chemiekonzerne haben in den vergangenen Jahren gut verdient und sind auch weiter optimistisch. Bislang halten die meisten Unternehmen ihre Umsatz- und Gewinnprognosen – einige erhöhten ihre Jahresziele sogar. Im Einzelhandel ist von der Finanzkrise derzeit ebenfalls noch nichts zu spüren. Das könnte sich ändern, wenn die Krise in ein paar Monaten eine Verschlechterung am Arbeitsmarkt bewirken sollte.

11. Welche Branchen wären von einer Kreditklemme betroffen?

Grundsätzlich solche, die ein hohes Kreditvolumen zur Abwicklung ihrer Geschäfte brauchen. Die Bauindustrie etwa verfügt zwar über volle Auftragsbücher und viele längerfristige Aufträge, finanziert sich aber stark über klassische Geschäftsbanken. Dort steigt deshalb die Skepsis. Zudem haben die Unternehmen Sorge, die zur Rettung der Banken verwendeten Steuergelder könnten später für öffentliche Aufträge fehlen. Auch Handelsunternehmen sind zur Finanzierung ihres Warenbestandes auf Kredite angewiesen. Bei Investitionsgüterherstellern wiederum würde der Liquiditätsengpass indirekt wirken, weil die Auftraggeber betroffen sein könnten. So dürften die Banken etwa Fuhrunternehmen deutlich kritischer durchleuchten, bevor sie einen neuen Lkw finanzieren. MAN hat darum schon vorsorglich ein Sparprogramm aufgelegt, um die Kosten um rund 150 Millionen Euro und die Investitionen von 600 auf 350 Millionen Euro zu senken.

12. Wie wirkt sich die Krise auf den Mittelstand aus?

Entscheidend ist, wie die Krise die Kreditvergabe der Geschäftsbanken beeinflusst. Kleine und mittelgroße Unternehmen dürften das weniger spüren – deren wichtigste Finanzpartner sind Sparkassen und Volksbanken, die von der aktuellen Krise weniger betroffen sind und sich in hohem Maße über ihre Einlagen refinanzierten.

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