Dividenden : Vorsicht bei optisch hohen Renditen

Dividenden : Vorsicht bei optisch hohen Renditen

von Stefan Hajek

In Zeiten niedriger Zinsen auf festverzinsliche Papiere wie Anleihen und auf Tagesgeldkonten werden dividendenstarke Aktien immer beliebter. Doch Vorsicht: Oft sind die optisch hohen Dividendenrenditen von mehr als acht Prozent alles andere als nachhaltig. Wer sich nicht über fallende Kurse oder Dividenden-Streichungen im nächsten Jahr ärgern will, sollte auf die Dividendenhistorie und die Finanzkraft seiner Investments schauen.

Vorsicht bei optisch hohen Dividenden

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Die Telekom-Zentrale in Bonn

Das Frühjahr ist Schnäppchen-Saison für Dividenden-Jäger. Allein diesen April werden 11 Dax-Konzerne ihre Aktionäre beglücken; den Anfang macht am 1. April in München MAN. 13 weitere Dax-Titel folgen im Mai, SAP und Salzgitter bilden im Juni die Nachhut.

Obwohl die Wirtschaft 2009 so stark eingebrochen ist wie seit 1945 nicht mehr, werden die Konzerne auch dieses Jahr wieder kräftig Dividenden an ihre Anteilseigner ausschütten: Insgesamt bezahlen allein die Dax-Konzerne in diesem Frühjahr rund 20 Milliarden Euro als Dividenden an Aktionäre, die die entsprechende Aktie am Tag der Hauptversammlung (HV) halten. Das sind zwar rund zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Die Gewinne der Dax-Unternehmen aber sind 2009 im Durchschnitt sogar um 23 Prozent gesunken. Viele Firmen wollen wichtige, langfristig engagierte Aktionäre eben auch in schlechten Zeiten unbedingt bei der Stange halten.

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Dividenden-Krösus mit einer Rendite (Dividende je Aktie in Euro geteilt durch den aktuellen Kurs der Aktie) von rund acht Prozent ist die Aktie der Deutschen Telekom; einer der größten Protiteure ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der Bund hält noch immer rund 15 Prozent; die staatliche KfW-Bank weitere 17 Prozent.

Firmen gehen oft an die Substanz

Europaweit gibt es sogar noch freigiebigere Firmen als die Bonner: So bringen die Aktien der Telekom-Konkurrenten France Télécom, Mobistar und Belgacom gar bis zu neun Prozent Rendite.

Das Problem dabei: Nicht selten gehen die Telefonfirmen dafür an ihre Substanz. Sie schütten oft mehr als 100 Prozent ihrer Nettogewinne 2009 als Dividende an die Aktionäre aus. Die Belgier von Mobistar etwa mussten einen Gewinneinbruch wegstecken, nachdem die Behörden die Kosten für Roaming (Vermittlung von Auslandsgesprächen) senkten. Sie schütten dennoch fast den gesamten freien Cashflow aus, es bleibt also fast kein Geld mehr für neue Lizenzen oder Investitionen in die Netzwerke – also die Gewinne von morgen.

Das zeigt sich leider oft am Kurs. Wer zum Beispiel im Dezember 2008 10.000 Euro in die Aktie der Deutschen Telekom investierte, strich zwar im vergangenen Mai eine Dividende von 780 Euro ein – sitzt aber auch auf Kursverlusten von mehr 930 Euro. Insgesamt also noch immer ein Minus.

Ist die Rendite extrem hoch, liegt es oft – ganz banal – daran, dass der Kurs zuvor massiv gefallen ist.

Trügerische Vorjahresdividende

Schlimmer noch: Analysten orientieren sich mit ihren Schätzungen für die Dividende oft stark an der Zahlung aus dem Vorjahr – oder an anderen Analysten, dem so genannten Konsens. Besonders, wenn das Management des Unternehmens über die Höhe der neuen Dividendenzahlung noch uneins ist und noch nichts angekündigt hat, kann das in die Hose gehen.

So wiesen sämtliche Datenbanken für den norwegischen Ölservice-Anbieter Fred Olsen Energy seit Monaten eine hohe Dividendenrendite von 10 bis 12 Prozent aus; so fand die Aktie auch ihren Weg in zahlreiche Ranglisten und Empfehlungs-Tabellen in Anlegermagazinen, Zeitungen und Finanz-Internetseiten. Die Norweger hatten im Vorjahr neben der regulären eine Sonderdividende bezahlt; dies soll sich dieses Jahr aber nicht wiederholen; das Geld will das Management jetzt lieber in seine veraltete Bohrinsel- und Schlepperflotte investieren: Es gibt dieses Jahr nur die reguläre Dividende, die Rendite schnurrte von einem Tag auf den anderen von fast 12 auf 7,2 Prozent zusammen.

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