
FRANKFURT. Die teilweise deutlichen Kursverluste bei Nebenwerten im vergangenen halben Jahr führen dazu, dass viele kleine und mittelgroße Aktien jetzt eine höhere Dividendenrendite bieten als die Marktschwergewichte aus dem Deutschen Aktienindex (Dax). Das geht aus Berechungen der beiden Analysehäuser GSC Research und ICF Research hervor (siehe Tabelle).
Ebenfalls auffällig: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Dividendenzahler unter den Nebenwerten noch einmal gestiegen. Im MDax gewähren jetzt 45 (43) von 50 enthaltenen Werten ihren Aktionären eine Ausschüttung für das vergangene Jahr, im SDax sind es 41 (37) von 50. Lediglich im Technologieindex TecDax ist die Zahl der Dividendenzahler mit 13 von 30 konstant geblieben. Zum Vergleich: Unter den 30 Dax-Schwergewichten zahlt vermutlich nur Infineon seinen Aktionären keine Gewinnausschüttung.
"Durch die drastischen Kursrückgänge der vergangenen Wochen und Monate, von denen Nebenwerte überproportional betroffen waren, haben sich die Dividendenrenditen im Vorjahresvergleich deutlich erhöht", sagt Alexander Langhorst von GSC Research. Die Konsequenz daraus ist klar: Weil kleine und mittelgroße Aktien inzwischen ihre höheren Bewertungen gegenüber Dax-Werten abgebaut haben und zudem als potente Dividendenzahler gelten, werden sie für Anleger allmählich wieder attraktiv. "Wir glauben, dass im unsicheren Börsenumfeld Dividenden zunehmend an Bedeutung gewinnen", heißt es in einer Studie der WestLB zu deutschen Small- & Midcaps. Sogenannte Stockpicker, die im großen Nebenwerte-Universum gezielt nach interessanten Aktien suchen, dürften Grund zur Freude haben, so das Resümee.
Der Anstieg der Dividendenzahler in den Nebenwerteindizes hängt auch damit zusammen, dass im vergangenen Jahr etliche Börsenneulinge aufgenommen wurden. In den MDax zogen beispielsweise der Großmotorenbauer Tognum und der Aromen-Hersteller Symrise ein, die beide eine Dividendenzahlung angekündigt haben. Bei 38 der 50 MDax-Werte rechnet GSC-Experte Langhorst gar mit einer Anhebung der Gewinnbeteiligung gegenüber dem Vorjahr. Lediglich der Holzwerkstoff-Spezialist Pfleiderer und der Spezialchemie-Produzent Altana werden weniger zahlen.
Ähnlich erfreulich ist das Bild im unterhalb des MDax angesiedelten SDax. Hier dürften voraussichtlich 28 von 50 Unternehmen ihre Ausschüttungen erhöhen. Auch der Dividendensieger der diesjährigen Ausschüttungsrunde wird wohl aus dem kleinsten der deutschen Indizes kommen. Mit einer Ausschüttung von insgesamt 3,50 Euro pro Aktie, darunter 2,50 Euro an Bonus, führt die Deutsche Beteiligungs AG die Rangliste an. Vom aktuellen Kursniveau aus entspricht dies einer Dividendenrendite von etwa 18,5 Prozent. Da es sich beim Großteil der Ausschüttung jedoch um eine einmalige Zahlung handelt, können Anleger schon jetzt damit rechnen, dass die Rendite im kommenden Jahr deutlich darunter liegen wird.
Kürzungen im Vergleich zum Vorjahr dürfte es im SDax bei Wacker Construction, Deutsche Wohnen, MPC Capital und Comdirect geben, glaubt Langhorst. Die Comdirect zahlte ihren Aktionären vergangenes Jahr neben der Dividende einen Sonderbonus, den es diesmal wohl nicht geben wird.
Unverändert ist dagegen das Bild im TecDax. Generell gilt bei den tendenziell spekulativeren Tech-Werten noch immer das Prinzip, dass die Gewinne eher einbehalten und investiert werden. Mit Pfeiffer Vacuum bietet immerhin ein Wert eine Dividendenrendite auf Höhe der besten Dax-Aktien.
Profitieren vom teilweise üppigen Dividendensegen kann übrigens, wer bis zum Tag der jeweiligen Hauptversammlung diese Papiere kauft. Am folgende Tagen werden diese jedoch mit einem Abschlag "ex Dividende" gehandelt.









