Dossier: Norbert Reithofer

Dossier: Norbert Reithofer

Über Norbert Reithofer.

Vorlieben Auch der Privatmann Norbert Reithofer ist kein Freund des mondänen Schickeria-Auftritts. Damit steht er in bester BMW-Tradition. Münchner Nobel-Vororte wie Grünwald sind nicht sein Terrain. Stattdessen lebt er zurückgezogen mit seiner Frau, seiner zehnjährigen Tochter und seinem Beagle in einem kleinen Münchner Vorort. Seine Urlaube verbringt der gebürtige Bayer aber gern mal in Südafrika, wo er von 1994 bis 1997 technischer Direktor war. Vielleicht hat das damit zu tun, dass er damals kaum Zeit hatte, sich das Land anzuschauen. Ein Kollege berichtet, dass Reithofer eine Tour zum Tafelberg mit den Worten abgesagt habe: „Ach, ich geh lieber noch mal ins Werk.“ Ziele und Visionen Als Produktionsvorstand hat Reithofer vor mehr als sechs Jahren eines der besten Fertigungssysteme der Branche übernommen – und es trotzdem ständig verbessert. So kann etwa die Produktion im Werk Leipzig jederzeit mit vergleichsweise geringem Aufwand erweitert werden, ohne gleich ein neues Werk bauen zu müssen. Beobachter rechnen damit, dass er sich auch in seiner neuen Funktion als rastloser Prozessoptimierer in allen Konzernbereichen profilieren wird. Der Bayer habe eine geradezu preußische Disziplin bei der Verwirklichung seiner Ziele, die stets langfristig seien. Allerdings sei Reithofer als Manager weniger offensiv als Panke, der die BMW-Verkaufszahlen im Eiltempo nach oben gedrückt hat. „Doch Reithofer wird deswegen sicher nicht jedem Modelltrend hinterherrennen“, sagt ein Konzernkenner. Die Kunst wird sein, trotzdem das Wachstum anzutreiben. Vorbilder Doktorvater, Freund und Mentor: BMW-Aufsichtsratschef Joachim Milberg (Foto) ist für Reithofer alles in Personalunion. Als der spätere BMW-Chef Milberg noch Professor an der TU München war, schrieb Reithofer bei ihm seine Doktorarbeit und war sein Assistent. Milberg holte ihn auch zu BMW. Das prägt. „Reithofer hat eine ungeheure Achtung vor Milberg“, sagt ein Konzerninsider. In der Automobilwelt hat es Reithofer ein Autobauer neben BMW besonders angetan: Toyota. „Ein bemerkenswertes Unternehmen“ sei der japanische Hersteller. Vor allem die Beharrlichkeit, mit der die Japaner ihre Ziele verfolgen und auch erreichen, imponiert dem 50-Jährigen. Dabei hat er selbst mit seinem Produktionssystem, das inzwischen als eines der flexibelsten der Branche gilt, mächtig Eindruck bei seinem Vorbild hinterlassen. Während andere Hersteller Schlange stehen, um einen Blick in die hocheffiziente Toyota-Produktion zu werfen, schauen sich die japanischen Manager inzwischen lieber die BMW-Produktion an. Ex-Toyota-Europachef Shinichi Sasaki soll sogar gesagt haben, dass er eine solche Produktion gerne für Lexus hätte. Stärken und Schwächen Bisweilen könne er regelrecht penetrant sein, berichten Kollegen übereinstimmend – und meinen das als Kompliment. Was sich Reithofer in den Kopf gesetzt hat, setzt er auch durch. Dazu bringt er auch ein gerüttelt Maß Geduld mit. Der bisherige BMW-Chef Panke funkelt seine Gesprächspartner gern angriffslustig an – Reithofer lehnt sich entspannt zurück, erklärt und sagt trotzdem geradeheraus seine persönliche Meinung. „Ich, Norbert Reithofer“, sagt er dann, um klarzustellen, dass das, was jetzt kommt, nicht zwangsläufig der offiziellen Konzernlinie entsprechen muss. In der Produktion ist Reithofer, anders als seinerzeit sein Vorgänger Milberg, einer, der gerne persönlich an einer Anlage herumtüftelt. Seine Verliebtheit in die Produktion gilt den Reithofer-Kritikern aber auch als Schwäche. Für Konzernbereiche wie Entwicklung und Vertrieb habe er sich lange Zeit kaum interessiert, sagt ein Wegbegleiter. Das wird er in seinem neuen Job ändern müssen. Freunde & Gegner Kollegen beschreiben Reithofer trotz seiner zurückhaltenden Art als exzellenten Netzwerker, der nicht nur im Konzern überwiegend auf Zustimmung stößt. Auch bei der Familie Quandt (Foto: Stefan Quandt), den größten Anteilseignern von BMW, genießt Reithofer hohes Ansehen. Wer von ihm zum Gegner erkoren wird, wird es dagegen kaum merken. Zwar soll Reithofer eine Aversion gegen Manager haben, die „eine zu große Bugwelle vor sich herschieben“, dennoch äußere er sich so gut wie nie despektierlich über Kollegen, berichtet ein Ex-BMW-Manager. Selbst gegenüber Konkurrenten wie Mercedes bleibt er Gentleman: „Ich spreche nicht über die Schwächen von Wettbewerbern.“

Anzeige
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%