Dreimal Rock/Alternative: Radiohead, Get Well Soon, Baby Dee

Dreimal Rock/Alternative: Radiohead, Get Well Soon, Baby Dee

Freunde von Internet, Ipod, Download haben sich die siebte Aufnahme der „Alternative"-Rocker von Radiohead längst aus dem Netz gezogen – mehr als die Hälfte der Fans, so heißt es, verzichtete dabei auf eine Zahlung.

Radiohead – In Rainbows

Der Werbeclou der Mannen um Bandleader Thom Yorke - jeder zahlt, was er will – gelang damit weniger gut als das Album, das jetzt auch als CD in jedem ordentlichen Plattenladen erhältlich ist: Mit „In Rainbows" bricht die Band zwar nicht zu neuen Gipfeln auf, kann sich aber dennoch locker an der Spitze halten. Wie das geht? Eigentlich ganz einfach: Man nehme schnelle Trommeln, lege eine langsame Melodie darüber und garniere beides mit nölig lang ausgehaltenen Vokalen in der Leadstimme. Anspieltipp für Newcomer: „Weird Fishes Arpeggi". Wer drauf steht, kann sich gleich auch die restlichen sechs Alben der Superband besorgen. Oder aus dem Netz ziehen. (Indigo)

Anzeige

Wertung (maximal fünf Sterne): * * * * (*)

… Get Well Soon – Rest now, weary head! You will …

Mitten im Album hat plötzlich, ganz unvermittelt, Thom Yorke seinen Auftritt, der Kopf und Leadsänger der englischen Rockband Radiohead. Ist aber gar nicht Thom Yorke. Ist Konstantin Gropper, 25 Jahre jung, geboren in Oberschwaben, Schüler der Mannheimer Popakademie, neuerdings Wahl-Berliner und ganz offenhörlich Weltschmerz-Fan wie Conor Oberst („Bright Eyes") und Scott Walker. Nur hört sich das Leiden bei Gropper zuweilen nicht nach Grübelei und Haschisch, sondern in Hymnen wie „People Magazine Front Cover" und „I sold my hands for food so please feed me" eher nach Naturmystik und sehr diesseitiger Musikbewusstseinserweiterung an: eloquent statt elaboriert, opulent statt fett, konzentriert statt frugal, mit Zimbeln, Ukulele, Glockenspiel, Trompete und allerlei Computerklängen. Wahrlich, ein kleines Meisterwerk. (City Slang)

Wertung (maximal fünf Sterne): * * * * *

Baby Dee – Safe Inside the Day

Okay, wer seine Musik besonders geradeaus zu hören bevorzugt, immer wieder zu Bruce Springsteen greift, den Stones, vielleicht sogar zu Status Quo, der sollte einen möglichst großen Bogen um das neue Werk von Baby Dee machen. Alle anderen Musikfreunde dürfen sich gefasst machen auf eines der schrägsten (und besten) Alben des jungen Jahres: Der Hermaphrodit führt uns mit seinem/ihrem Piano, Banjo, Akkordeon, Violine und Viola auf den Folk-Tango-Cabaret-Jahrmarkt der Extravaganz und Eitelkeit – und mit der Stimme eines indisponierten Opernsängers („Safe inside the day"), eines närrischen Conferenciers („The Earlie King") und eines heiseren Varieté-Künstlers („The Dance of Diminishing Possibilities") mitten hinein ins Spiegelkabinett unseres abgründig-grellen Rattenrennen-Lebens: Der Geck da, überall und dutzendfach, das bin doch nicht etwa - ich? (Drag City)

Wertung (maximal fünf Sterne): * * * * *

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%