Eike Batista im Interview: "Keine Lehman Brothers"

Eike Batista im Interview: "Keine Lehman Brothers"

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Rohstoff-Milliardär Eike Batista

Der brasilianische Multimilliardär Eike Batista über die Auswirkungen der Finanzkrise und lohnende Investitionsmöglichkeiten in Südamerika.

WirtschaftsWoche: Herr Batista, haben Sie in der Finanzkrise viel Geld verloren?

Batista: Klar, auch mein Vermögen ist kleiner geworden. Zum Beispiel OGX, unser Ölkonzern. Der war beim Börsengang im Juni noch 20 Milliarden Dollar wert. Jetzt ist das Unternehmen nur noch sechs Milliarden Dollar schwer. Aber ich bin weiterhin davon überzeugt, dass der Konzern in sieben Jahren 100 Milliarden Dollar wert sein kann – abhängig vom Ölpreis.

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Der ist aber zuletzt stark eingebrochen.

Ja, aber dass ein Barrel immer noch rund 80 Dollar kostet, ist für mich völlig überraschend mit Blick auf eine drohende Weltrezession.

Bisher haben Ihnen die Investoren Ihre Bergbau- und Energieaktien aus den Händen gerissen. Das dürfte nun vorbei sein.

Jetzt müssen wir stärker Resultate zeigen. Die Investoren werden selektiver sein und sich jedes Quartal die Bilanzen ganz genau anschauen. Sie wollen jetzt große Firmen mit einem hohen Cash-Flow.

Also nicht Ihre Unternehmen. Die sind kapitalintensiv und in der Aufbauphase.

Unsere Unternehmenswerte werden sich stärker durch Übernahmen und Einzelereignisse entwickeln. Etwa wenn ein großer Investor einen Anteil übernimmt, dann können sich die Investoren den Wert der Aktien ausrechnen. Oder wenn die ersten Testbohrungen in einem Jahr die erwarteten Ölvorräte nachweisen. Aber wir brauchen die Kapitalmärkte im Moment nicht. Wir haben durch die Börsengänge acht Milliarden Dollar Bares in der Kasse.

Sind Kursgewinne wie bei Ihrem Bergbaukonzern MMX passé, dessen Wert sich binnen eines Jahres verfünffachte?

Nein. Es gibt immer Investitionsmöglichkeiten, die einzigartig sind. Die Häfen etwa, die wir an der brasilianischen Küste bauen. Die stellt man nicht mal einfach so hin. Das sind Industrieanlagen an den entscheidenden Schnittstellen der brasilianischen Wirtschaft. Für den größten Komplex, den Porto do Açu, haben wir Investitionszusagen über 40 Milliarden Dollar. Selbst wenn das jetzt auf die Hälfte oder gar ein Drittel schrumpft, ist das immer noch eine gewaltige Summe.

Wird Brasilien als Investitionsstandort unter den Folgen der Finanzkrise leiden?

Weniger als die USA oder Europa. Denn unsere Wirtschaft ist kaum auf Kredit gebaut. Vor vier Jahren existierten kaum Immobilienkredite. Hier gibt es keine Lehman Brothers. Wir haben viele der Krisen schon hinter uns: Hyperinflation, Währungs-Crashs, Stop-and-go-Konjunktur. Wir hatten unsere Bankenkrise schon 1995. Heute sind unsere Banken stabil und werden stark kontrolliert. Wir haben schon zehn Jahre das hybride Bankensystem aus starken staatlichen und privaten Banken, jenen Mix, der sich jetzt im Bankensystem der USA durchsetzen wird.

Wie werden die brasilianischen Unternehmen die Krise überstehen?

Ich sehe keine Probleme. Unsere Unternehmen sind hochrentabel. 90 Prozent der Projekte, an denen wir uns beteiligen, kommen auf eine Nettorendite von 15 bis 20 Prozent.

Welche Branchen bleiben in Brasilien für Investoren interessant?

Die aus der realen Welt, also Konzerne aus Branchen, die Güter produzieren, bei denen Brasilien nicht zu schlagen ist: Rohstoffe und weiterverarbeitete Erzeugnisse. Beispiele wären Petrobras, Vale und die Stahlkonzerne. Schon um den eigenen Bedarf zu decken, wird Brasilien seine Stahlproduktion in den nächsten zehn Jahren verdoppeln müssen. Außerdem besitzen wir bei Rohstoffen einen Riesenvorteil: Wir können sie selber finden, abbauen und verarbeiten. Brasilien verfügt über eigene Forschung und Ausbildung im Agrarsektor, bei Öl, Strom, Bergbau und Stahl. Das stammt noch aus Zeiten der Staatskonzerne. Das ist für die Privatwirtschaft heute ein großer Vorteil im weltweiten Wettbewerb: Wir müssen Fachwissen und Personal nicht teuer im Ausland einkaufen wie die meisten anderen Rohstoffländer.

Aber ist der Rohstoffsektor tatsächlich ein sicherer Hafen? Brasiliens Regierung bastelt an einem neuen Öl-Gesetz.

Wir rechnen damit, dass Steuern und Abgaben für Ölunternehmen steigen werden. Wir erwarten auch, dass die Regierung neue Konzessionen für Ölfelder ausschreiben wird. Aber wir sind sicher, dass das geltende Recht nicht geändert wird. Präsident Lula hat klargemacht, dass er die Regeln nicht rückwirkend ändert. Das ist der große Unterschied zu anderen Ländern in Südamerika. Deshalb sind wir auch nur noch in Chile und Kolumbien aktiv, wo die Rechtssicherheit ähnlich groß ist wie hier in Brasilien.

Wo sollten Investoren jetzt einsteigen?

In unsere Währung Real, die wegen des schwachen Wachstums in Europa und den USA zulegen sollte. Da sind gewaltige Gewinne möglich. Wir haben eine Inflation von fünf Prozent und die Bank zahlt ihnen 14 Prozent Zinsen. Das allein bringt also eine reale Verzinsung von neun Prozent.

Batista, 51, kontrolliert über die Holding EBX Gesellschaften im Bergbau-, Energie- und Logistiksektor. Der Rohstoffboom machte Batista zum reichsten Mann Brasiliens mit einem Vermögen von etwa 18 Milliarden Dollar.

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