Energiebranche: E.On- und RWE-Papiere mit Nachholbedarf

Energiebranche: E.On- und RWE-Papiere mit Nachholbedarf

Der Aufschwung an den Börsen ist an Versorger-Aktien vorbeigegangen. Anleihen von E.On und RWE sind dagegen gefragt. Wann dreht sich der Trend?

Lange Leitung

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Rund 30 Jahre werden wir uns nicht in die Quere kommen: Dieses Gelübde sollen E.On Ruhrgas und die französische Gaz de France Suez im Jahr 1975 voreinander abgelegt haben. So sieht es zumindest Neelie Kroes. Die gefürchtete EU-Wettbewerbskommissarin verhängte gegen beide Unternehmen am Mittwoch je 553 Millionen Euro Bußgeld, weil sie Verbraucher nach angeblichen Absprachen „viele Jahre um die Vorteile des Wettbewerbs“ betrogen hätten.

Die über den Unternehmen schwebende Milliardenstrafe hatte schon in den Vortagen an der Börse den Kurs der Ruhrgas-Mutter E.On belastet. Der Düsseldorfer Versorger hat keine bilanziellen Rückstellungen für die Strafzahlung gebildet. Deswegen wird der Jahresüberschuss in diesem Jahr entsprechend belastet. Die Bilanzierung der 553 Millionen bedeute jedoch nicht, dass der Dax-Konzern „das Bußgeld akzeptiert“, sagt E.On-Finanzvorstand Marcus Schenck.

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Versorger haben hausgemachte Probleme

Weil E.On-Aktionäre jetzt klarer sehen, bewegte die Strafnachricht selbst den Kurs kaum noch – ein kleiner Trost für die zuletzt nicht gerade verwöhnten E.On-Aktionäre, deren Papier dem Dax seit Jahresanfang deutlich hinterherhinkt. Anlegern, die auf den großen Konkurrenten RWE  gesetzt haben, geht es nicht besser.

Dabei gelten die Versorger als solide, ihre Ergebnisse als gut prognostizierbar, ihre Geschäftsmodelle als krisensicher. Ein Grund für die verhältnismäßig schwache Kursentwicklung in jüngster Zeit ist der wieder erstarkte Risikoappetit der Investoren, die lieber in spekulative Aktien gehen als in Unternehmen mit kalkulierbarem Geschäft.

Doch die Versorger schleppen auch hausgemachte Probleme mit sich herum. RWE etwa kaufte in diesem Jahr den niederländischen Versorger Essent. Strategisch sinnvoll, aber zu einem hohen Preis von 9,3 Milliarden Euro.

Aktien werfen hohe Rendite ab

Sicher, aber wenig Saft (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

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Wie schwer verdaulich teure Übernahmen sein können, erfuhren E.On-Aktionäre Ende vergangenen Jahres, als Abschreibungen auf Beteiligungen in den USA und Südeuropa den Gewinn um 3,3 Milliarden Euro drückten. Zudem erhöhen Zukäufe die Schulden: Bei RWE könnten sich, sofern der Konzern nicht schon in diesem Jahr ein Gutteil des erwirtschafteten Cash zur Schuldentilgung einsetzt, die Nettofinanzschulden in etwa verdreifachen. E.On schleppt nach zahlreichen Übernahmen 34,6 Milliarden Euro Finanzschulden durch die Bilanz. „Im Vergleich hat E.On einen deutlich höheren Verschuldungsgrad als RWE. Das ist das Ergebnis der aggressiven Akquisitionspolitik der vergangenen Jahre“, sagt Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck & Co in München. Kitz hat eine klare Meinung zu den beiden Dax-Aktien. RWE empfiehlt er zum Kauf, E.On dagegen würde er verkaufen. „Die teuren Zukäufe sind in der derzeitigen Rezession ein Wettbewerbsnachteil für E.On.“

Bei anhaltender Kursschwäche der Versorgeraktien dürften dividendenorientierte Investoren aber bald zugreifen. Beide Aktien werfen derzeit eine geschätzte Rendite von rund 6,5 Prozent ab – weit mehr als etwa elf oder zwölf Jahre lang laufende RWE- und E.On-Anleihen (siehe Tabelle). Anleihezinsen sind zwar sicherer als Dividenden. Bei weiteren Kursrückgängen von RWE und E.On aber würden sich deren Dividendenrenditen für 2009 jeweils der Zehn-Prozent-Marke nähern. Dann führt kaum ein Weg an beiden Aktien vorbei.

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