Erträge sinken: Finanzkrise trifft Ratingagenturen ins Mark

Erträge sinken: Finanzkrise trifft Ratingagenturen ins Mark

Die weltweite Finanzkrise trifft nicht nur die Banken ins Mark - auch Ratingagenturen bekommen die Folgen der Marktturbulenzen zu spüren.

Weil die Nachfrage nach komplexen Finanzinstrumenten seit Sommer spürbar zurückgegangen ist und Analysten den Produkten düstere Zeiten voraussagen, sinken bei S&P, Moody's & Co. die Erträge.

Die Folge sind auch dort Stellenstreichungen. Überdies haben die Agenturen gerade wegen ihres Agierens in der Finanzkrise mit einem Ansehensverlust zu kämpfen. Die Anleger werfen ihnen vor, zu spät vor dem Debakel gewarnt und die inzwischen wertlos gewordenen Papiere zu positiv eingeschätzt zu haben. „Das Marktumfeld ist schwieriger geworden“, sagt ein Sprecher der Ratingagentur Fitch. Der Markt verlange mehr Transparenz bei der Kreditanalyse. Fitch entwickle deshalb neue Produkte und Dienstleistungen für Kunden und überarbeite seine Rating-Kriterien. Anders als Konkurrenten habe die Gesellschaft jedoch keine aktuellen Pläne für Stellenstreichungen, betonte der Sprecher.

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Die New Yorker Ratingagentur Moody's hat angekündigt, wegen der sinkenden Nachfrage nach Bonitätsbewertungen 275 ihrer 3600 Arbeitsplätze abzubauen. Dafür wird sie für das vierte Quartal bis zu 52 Millionen Dollar zurückstellen müssen, was sich auf den Gewinn niederschlägt. Bereits im dritten Quartal waren die Gewinne von Moody's zurückgegangen.

Beim Rivalen S&P sieht die Lage nicht besser aus: Sein Eigentümer, der US-Verlag McGraw Hill, will bei S&P gut 170 Jobs kappen, zwei Prozent der Belegschaft. Weitere Streichungen sind nicht ausgeschlossen. Der wesentliche kleinere kanadische Konkurrent DBRS, der auf den Verbriefungsmarkt spezialisiert ist, macht sogar sein ganzes Europa-Geschäft dicht, weltweit sind rund 70 Mitarbeiter davon betroffen.

Goldene Nase verdient

Jahrelang hatten die Ratingagenturen vom Boom bei komplexen Finanzinstrumenten profitiert. Mit dem Verkauf von Krediten und der Bündelung der Papiere in immer neue Produkte verdienten sich Banken eine goldene Nase. Die Agenturen bewerteten die Papiere, Investoren verließen sich darauf. Mit der Schieflage am US-Hypothekenmarkt im vergangenen Sommer fand die Hausse allerdings ein jähes Ende. Seither gab es nur wenige Emissionen - Tendenz sinkend.

Experten von Barclays Capital gehen davon aus, dass der Markt in Europa und den USA um rund 40 Prozent einbrechen wird. Im Rekordjahr 2006 betrug das jährliche Emissionsvolumen für Verbriefungen und Collateralized Debt Obligations (CDO) - Schuldverschreibungen, die Kredite oder Anleihen bündeln - laut Barclays rund 1,8 Billionen Euro.

Einen grundlegenden Wandel sieht Finanz-Professor Wolfgang Gerke allerdings nicht. „Es ist ein ganz normaler Konjunkturzyklus, den Ratingagenturen durchmachen“, sagt der Experte. „Wenn das Emissionsgeschäft sinkt, schlägt sich das auf die Bilanzen nieder.“ Stellen könnten leicht wieder aufgebaut werden. Er gehe davon aus, dass sich der Verbriefungsmarkt bald wieder erhole. Deutlicher schwerer wiegt seiner Ansicht der Imageschaden, den die Ratingagenturen erlitten haben. „Der Reputationsverlust ist das, was schmerzt. Daran müssen sie arbeiten, das wird deutlich länger anhalten“, sagt Gerke.

Die Methoden zur Bewertung der Papiere seien zu simpel gewesen, kritisiert er. Und Banken sowie Investoren hätten sich zu sehr auf das Urteil der Agenturen verlassen und sich zu wenig selbst um die Bonität der Kunden gekümmert. Wie bei Banken dürfte auch bei den Ratingagenturen der Fusionsdruck zunehmen. „Das Geschäft wird sich auf die Großen konzentrieren, und kleine Ratingagenturen müssen sich stärker spezialisieren“, ist sich Gerke sicher.

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