"Würden Sie mal bitte den Koffer öffnen und mir ihren iPod zum Kopieren der Festplatte überlassen?" Diesen Satz könnten bald Reisende in ganz Europa auf Flughäfen oder Bahnhöfen hören.
Nicht, dass sich der Zollbeamte etwa seine Musiksammlung komplettieren oder an den Fotos ihrer Kinder ergötzen möchte. Es geht um Urheberrecht und Datenpiraterie. Erich Moechel meldet auf der ORF-Futurezone geheime Verhandlungen zwischen EU-, US- und anderen Behörden, die unter anderem zum Ziel haben sollen, jederzeit Datenträger der Bürger ohne besonderen Anlass kopieren und durchsuchen zu dürfen. Heute ist das bereits in den USA möglich. Vor dem Hintergrund der Terrorabwehr ist es US-Behörden gestattet, von Ausländern bei der Einreise Zugang zu allen Datenträgern zu verlangen. Es können sogar ganze Laptops zur Untersuchung beschlagnahmt werden.
Diese Maßnahme soll, wie gesagt, der nationalen Sicherheit dienen. Aber ist ist ein offenes Geheimnis, dass auch die Musik- und Filmindustrie ein massives Interesse am gläsernen Datenträger hat. Natürlich auch in der EU.
Moeschel stellt besonders den Aspekt, wie die Industrie elegant anders lautende Entscheidungen der EU-Parlamentarier ad absurdum führen würde, in seinem Artikel schön heraus. Das "Anti-Counterfeiting Trade Agreement", Acta, soll laut Moeschel auf einem der beiden kommenden G-8-Gipfel bis Jahresende beschlossen werden. Neben erweiterter Daten-Spionage soll das Diskussionspaier auch schärfere Strafen und erweiterte Auskunftspflichten für Internet-Provider beinhalten. Der illegale Download solle zudem vom Vergehen zur Straftat "aufgewertet" werden. Mit diesem Trick könnten sich die Medienkonzerne dann leicht wieder Zugang zu den Daten der Vorratsdatenspeicherung verschaffen.









