Finanzkonzern: ING will an der Börse 7,5 Milliarden Euro einsammeln

Finanzkonzern: ING will an der Börse 7,5 Milliarden Euro einsammeln

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Die Zentrale des niederländischen Finanzkonzerns ING in Amsterdam

Schneller als erwartet will der Finanzkonzern ING nun Bank- und Versicherungsgeschäft trennen und die Staatshilfen zurückzahlen. Das Geld dafür soll durch aus der Ausgabe neuer Aktien in Milliardenhöhe kommen – die Börse reagiert verschnupft.

Vor einem Jahr rettete der Staat die in der Finanzkrise akut bedrohte ING (International Netherland Group) mit zehn Milliarden Euro, die EU verlangte dafür den Konzernumbau. Der niederländische Finanzdienstleister sorgt nun mit gleich vier Ankündigungen am heutigen Montag für Schlagzeilen.

Als Reaktion auf Auflagen der EU-Kommission im Zusammenhang mit der Gewährung von Staatshilfen spaltet sich der Finanzkonzern auf. ING werde in eine Bank- und eine Versicherungssparte aufgeteilt, erklärte das Institut heute. Bis 2013 will sich das Geldhaus damit in einem tiefgreifenden Umbau in eine kleinere Bank mit europäischem Fokus wandeln und das Versicherungsgeschäft abstoßen.

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Börsengang der Versicherungssparte möglich

Die Ausgliederung der Versicherungsgeschäfte soll mittels Börsengängen oder Verkäufen geschehen und bis 2013 abgeschlossen sein. ING-Chef Jan Hommen sagte, es wäre „ziemlich interessant“, das internationale Versicherungsgeschäft als Ganzes in einem Börsengang zu verkaufen. In jedem Fall hoffe er auf den Beginn des Verkaufsprozesses im nächsten Jahr. Einige Hypothekengeschäfte in den Niederlanden sollen zudem in eine neue Firma eingebracht werden.

Die ebenfalls heute gemeldeten Zahlen für das dritte Quartal 2009 zeugen von einer Erholung des Finanzkonzerns. Nach einem Nettoerlös von 229 Millionen Euro im zweiten Quartal erzielte ING im dritten Quartal einen Gewinn von etwa 750 Millionen Euro, davon 250 Millionen Euro im Bankgeschäft. Pro Aktie entspricht das einem Gewinn von 24 Cent je Aktie für das dritte Quartal. Vor einem Jahr hatte der Quartalsverlust noch 22 Cent je Aktie betragen, im zweiten Quartal 2009 lag der Gewinn je Aktie bei mageren drei Cent.

Aktien fallen deutlich

Gemessen an der Bilanzsumme wird ING nach dem Umbau rund ein Drittel kleiner sein als vor seiner Rettung durch die Regierung im Oktober 2008. Die Hälfte der zehn Milliarden Euro Staatshilfen will ING zudem vorzeitig zurückzahlen und dafür sein Kapital um 7,5 Milliarden Euro durch die Ausgabe neuer Aktien aufstocken. ING-Aktien reagierten bis zum Mittag mit Abschlägen von neun Prozent und waren damit die schwächsten im EuroStoxx 50. Details zu der geplanten Kapitalerhöhung will ING nach einem außerordentlichen Aktionärstreffen am 25. November bekanntgeben. 

Händler und Experten nannten daher die Höhe der angekündigten Kapitalerhöhung als wichtigsten Grund für den starken Kursverlust. Die Ausgabe neuer Aktien würde den Unternehmens- und Dividendenanteil der Altaktionäre verwässern. Zudem herrsche am Markt Unsicherheit über die angekündigte Aufspaltung des Konzerns. Cheuvreux-Experte Hans Pluijgers bestätigte nach dem Bündel an neuen Nachrichten zu ING seine Einschätzung für die Aktie mit „Outperform“, kündigte aber an, das Kursziel zu überprüfen. Die von der EU auferlegte Aufspaltung liege innerhalb seiner Planung. Lediglich der Zeitpunkt der Ankündigung habe ihn überrascht.

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