Finanzkrise 2.0: Ist Japan der nächste Krisenherd?

Finanzkrise 2.0: Ist Japan der nächste Krisenherd?

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Japaner vor einer Anzeigetafel, die den Aktienindex Nikkei zeigt. Zuletzt sorgte ein schwacher Yen für neue Höchststände

von Andreas Toller

Experten beobachten argwöhnisch die dramatische Finanzungssituation: Eine aktuelle Analyse sieht in der Überalterung und der hohen Staatsverschuldung Japans die Gefahr einer neuen Finanzkrise.

Die Finanzpolitik Japans ist mit der anderer führender Industriestaaten kaum vergleichbar. Die langjährige Nullzinspolitik sorgt für billiges Geld zur Refinanzierung der Banken und somit der gesamten japanischen Wirtschaft. Gleichzeitig hat sich Japan massiv verschuldet, die Staatsverschuldung erreicht 200 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Zur Gegenfinanzierung hat Japan bislang Staatsanleihen in Höhe von 4,5 Billionen Euro auf den Markt gebracht. Und das Erstaunliche: Japan schaffte es, sich zu verschulden und Geld in den Markt zu pumpen, ohne dass die Inflation gestiegen wäre.

Aber die Gefahr steigt, dass damit bald Schluss ist. Das ist auch das Fazit einer Analyse der französischen Großbank Société Générale. Deren „Global Strategy Team“, namentlich Analyst Dylan Grice, sieht die wachsende Gefahr einer unkontrollierbaren Inflation in Japan. Dafür führt Société Générale eine Reihe plausibler Gründe auf:

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Japan hat eine Bevölkerung, die altert, seit Mitte der 90er Jahre nimmt der Anteil der arbeitenden Bevölkerung ab. Seit Beginn des neuen Jahrtausends befindet sich das Land im demografischen Niedergang, seit 2005 gibt es in Japan mehr Rentner als Erwerbstätige. Diese Entwicklung beschleunigt sich und führt dazu, dass immer mehr Japaner ihre Ersparnisse aufbrauchen – sie „entsparen“ im Alter. Der Analyse zufolge könnte die Sparneigung im Bevölkerungsdurchschnitt im Laufe der nächsten Jahre sogar negativ werden.

Die einst ausgeprägte durchschnittliche Sparneigung der Japaner ist OECD-Angaben zufolge von etwa 15 Prozent des verfügbaren Einkommens zu Beginn der 90er Jahre auf weniger als drei Prozent im Jahr 2008 gesunken. Im Gegensatz dazu liegt die durchschnittliche Sparrate in Deutschland bei rund elf Prozent des verfügbaren Einkommens. Einfach gesagt: Das Geld der Sparer wird knapper und verstärkt die Schwierigkeiten des Staates bei der Refinanzierung. Gleichzeitg dienen die Ersparnisse dem Konsum, das Inflationsrisiko steigt.Eine weitere Folge der demografischen Entwicklung: Für den japanischen Staat wird es immer schwerer, sich zu refinanzieren. Bislang waren die privaten Sparer immer sichere Abnehmer neu begebener Staatsanleihen – einerseits, weil die Zahl der Sparer zurückgeht, andererseits weil die Japaner nach schmerzlichen Erfahrungen in der Vergangenheit sehr risikoarm investieren und bislang sehr gern ihr Geld in die vermeintlich risikofreien Staatsanleihen steckten. Der Boom am Rentenmarkt ist jedoch vorbei, die Zahl der Haushalte mit staatlichen Rentenpapieren stagniert.

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