Finanzkrise: Banken starten großen Schlussverkauf

Finanzkrise: Banken starten großen Schlussverkauf

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Filiale einer Lloyds TSB bank in London: Die Bank geht mit dem Konkurrenten HBOS zusammen.

Die Finanzkrise führt zu einer beispiellosen Fusionswelle unter Banken: Pleitekandidat Washington Mutual, die größte US-Sparkasse, stellt sich selbst zum Verkauf, die britische HBOS geht mit Lloyds TSB zusammen. Trotz akzeptabler Quartalszahlen prüft die US-Investmentbank Morgan Stanley eine Fusion mit Wachovia. Die Lage an den Weltbörsen bleibt angespannt, meinen Händler.

Nach wie vor ist kein Ende des Katzenjammers im Bankensektor in Sicht: Im Sog der Finanzkrise geht die Welle von Übernahmen und Zusammenschlüssen von Bankhäusern weiter. Wie die „New York Times“ am gestern Abend in ihrer Onlineausgabe berichtete, prüft die in Bedrängnis geratende US-Investmentbank Morgan Stanley eine Fusion mit einem anderen Finanzhaus. Als möglicher Partner wurde die US-Bank Wachovia genannt.

Die Morgan-Stanley-Aktie war gestern zweitweise um 42 Prozent eingebrochen, obwohl die Bank zuvor ein unerwartet gutes Quartalsergebnis vorgelegt hatte. Morgan-Stanley-Chef John Mack machte Spekulanten für den Kursverfall verantwortlich. Es gebe dafür keine rationalen Gründe, erklärte er in Schreiben an die Mitarbeiter der Bank.

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Zudem habe sich auch die größte US- Sparkasse Washington Mutual selbst zum Verkauf gestellt, berichtet die "New York Times". Unterdessen wird die angeschlagene britische Hypothekenbank Halifax Bank of Scotland (HBOS) nach Berichten der BBC vom Finanzkonzern Lloyds TSB übernommen. Die Vorstände beider Banken hätten sich auf eine Fusion zu 232 Pence pro HBOS-Aktie geeinigt, hieß es in der Nacht zu heute. Eine offizielle Bestätigung wurde im Laufe des Tages erwartet.

Belastet durch diese anhaltend negativen Nachrichten zur Finanzkrise und den weiter auf Talfahrt befindliche Weltbörsen werden die deutschen Aktienindizes heute im Minus erwartet. Der Eröffnungskurs des deutschen Leitindex Dax werde wegen der anhaltenden Unsicherheit tiefer sein, meinten Händler. Der weitere Tagesverlauf lasse sich wegen der Turbulenzen nicht voraussehen..

In Großbritannien entsteht neuer Bankenriese

Wachovia, die viertgrößte Bank der USA, habe Morgan Stanley gegenüber selbst Interesse an einem Zusammenschluss geäußert, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf Insider. Auch andere Banken hätten bereits angeklopft. Morgan Stanley hatte an der Börse zuletzt immer stärkere Kursverluste erlitten.

Starke Kursverluste hatten in den vergangenen Tagen bereits mehrere andere Finanzhäuser in die Pleite oder zum Verkauf gezwungen. So sind wegen der Kreditkrise von einst fünf unabhängigen US-Investmentbanken nur noch Morgan Stanley und Goldman Sachs übrig.

Auch bei Washington Mutual liefen bereits Verkaufsgespräche, berichtete die „New York Times“ nach US-Börsenschluss unter Berufung auf Insider. Zu den möglichen Käufern zählten die britische Bank HSBC sowie die US-Häuser J.P. Morgan Chase und Wells Fargo, hieß es weiter. Auch der US-Finanzkonzern Citigroup habe erstes Interesse an Washington Mutual (WaMu) angemeldet, berichtete das „Wall Street Journal“. Über einen Verkauf war bereits mehrfach spekuliert worden. WaMu hatte dies aber stets als nicht nötig zurückgewiesen.

Eine Verschmelzung von Lloyds und HBOS würde in Großbritannien einen neuen Bankenriesen mit einem Marktwert von fast 38 Milliarden Euro schaffen. Lloyds und HBOS haben zusammen mehr als 3000 Filialen und 38 Millionen Kunden. Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers hatten HBOS-Aktien rund 70 Prozent ihres Werts verloren. Schon seit Monaten war über den Finanzzustand der Bank spekuliert und ein Zusammenbruch befürchtet worden. Die Fusion war aus Angst vor einer neuen Bankenpleite auf höchster politischer Ebene vorangetrieben worden. Mit Unterstützung der britischen Regierung sollten nach Medienangaben auch Wettbewerbshürden ausgeräumt werden.

US-Präsident George W. Bush hat wegen der Finanzmarktkrise in den USA eine für heute geplante Reise nach Alabama und Florida abgesagt. Der Präsident werde weiter mit seinen Wirtschaftsberatern die ernsten Herausforderungen an den US-Finanzmärkten erörtern, sagte Bushs Sprecher Tony Fratto gestern in Washington. Bush konzentriere sich auf Maßnahmen, um die Märkte zu stabilisieren und das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen.

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