Finanzkrise: Börsen im freien Fall

KommentarFinanzkrise: Börsen im freien Fall

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Die wichtigsten Aktienindizes der Welt brechen ein: Erst der S&P 500 gestern Abend um sieben Prozent, dann Japans Nikkei um elf und nun der deutsche Dax um zeitweise zehn Prozent – ein echter Börsencrash. Besonders bedrohlich: Nicht nur die Banken sind die Verlierer, sondern die Industriekonzerne geraten immer stärker in den Sog der Krise. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen.

Das Schlimme sind nicht die Kursverluste an der Börse, so bitter sie für die Aktienbesitzer auch sein mögen. Die wahre Gefahr bringt der für seine pessimistischen und zutreffenden Analysen bekannte Ökonom Nuriel Roubini auf den Punkt: „Die Welt steht vor dem schwerwiegenden Risiko eines globalen Zusammenbruchs des Finanzsystems und einer schweren weltweiten Depression." Depression: Das bedeutet kein kurzer Wirtschaftsabschwung mit einer Erholung zum Ende des kommenden Jahres, worauf viele vor kurzem noch gehofft haben. Das wäre stattdessen eine langjährige Wirtschaftsflaute, wie sie Japan in den 1990er Jahren erleben musste.

Der Börsencrash zeigt, dass wir nicht länger nur eine Finanzkrise haben: Größter Verlierer an der Wall Street war der stark verschuldete Autokonzern General Motors, dessen Börsenwert um ein Drittel einbrach. In Frankfurt waren die Energieversorger E.On und RWE unter den größten Belastungen für den Dax, dazu kam die Ankündigung des Nutzfahrzeugherstellers MAN, die Produktion zu senken.

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Der Aktienmarkt gleicht sich nun dem Kreditmarkt an, wo schon länger ein viel negativeres Wirtschaftsszenario in den Preisen steckt. Die Kosten für die Absicherung gegen Zahlungsausfälle bei Schuldnern mit schlechter Bonität sind nochmals auf Rekordhöhen gestiegen.

Alle Blicken richten sich angesichts der dramatischen Lage auf den Gipfel der sieben wichtigsten Industrienationen, der heute in Washington beginnt. Die Politik auch in Berlin muss ihre Bedenken aufgeben und ein umfassendes Rettungspaket schnüren. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits die Bereitschaft dazu erklärt, Banken zum Teil zu verstaatlichen, wie es die britische Regierung vorgemacht hat. Dadurch kann der Zusammenbruch weiterer Banken verhindert werden, und der Steuerzahler darf wegen des Erwerbs von Anteilen durch den Staat darauf hoffen, einen Teil der hohen Kosten wieder hereinzubekommen. Ökonom Roubini hält es für unbedingt notwendig, private Schuldner zu stärken und außerdem ein staatliches Stützungsprogramm für die Wirtschaft aufzulegen, um eine weltweite Depression zu vermeiden.

Das Krisenmanagement von Fall zu Fall, wie es Berlin bisher praktizierte, reicht jedenfalls nicht mehr aus. An diesem Wochenende braucht die Welt weit reichende Rettungsmaßnahmen von den Finanzministern in Washington. Sonst könnten Deutschlands Vertreter Peer Steinbrück und seine Kollegen in die Geschichtsbücher eingehen als diejenigen, die dem Beginn einer Weltwirtschaftskrise tatenlos zugesehen haben.

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