Finanzkrise: Börsencrash: Anschnallen, bitte!

KommentarFinanzkrise: Börsencrash: Anschnallen, bitte!

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Crash in Frankfurt: Der Dax bricht ein und fällt auf ein neues Jahrestief. Die Wirtschaftsaussichten sind düster - es kann weiter nach unten gehen, bis deutlich unter 4000 Punkte. Für die kommenden Jahre sind die Chancen am Aktienmarkt gering. Zum Glück gibt es Alternativen.

Die Kursbewegungen sind dramatisch: Japans Nikkei hat 9,6 Prozent verloren. Der Dax bricht zeitweise um mehr als elf Prozent ein und fällt bis auf 4014 Punkte - der tiefste Stand seit November 2004. Nun ist auch der US-Aktienindex Dow Jones  zu Handelsstart an der Wall Street um 400 Punkte eingebrochen.

Haben die milliardenschweren Rettungspakete für die Banken nichts gebracht, bricht das Finanzsystem zusammen? Und was können Anleger jetzt tun?

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Zuerst die gute Nachricht: Es besteht immer noch Grund zu der Hoffnung, dass die Regierungen es schaffen, den Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Allerdings wird diese Aufgabe noch schwieriger, wenn nach Island weitere Länder in finanzielle Schwierigkeiten geraten würden. Akut bedroht ist derzeit Argentinien. Die Probleme Islands haben die BayernLB schwer getroffen. Da ist klar, dass der Ausfall größerer Staaten für manche Banken Milliardenabschreibungen bedeuten würde.

Zum Glück stehen viele Schwellenländer heute viel besser da als noch vor wenigen Jahren - sie sind wenig verschuldet und haben teils sogar große Devisenreserven angehäuft. "Die Wirtschaftsdaten in Ländern wie Brasilien und China sind gut", sagt David Lazenby, der für eine Tochter des US-Fondshauses Legg Mason mehrere Milliarden Dollar in Schwellenländer-Aktien verwaltet und diese Märkte seit 20 Jahren beobachtet.

"Aber die weltweite Liquiditätsklemme trifft jetzt auch diese Staaten", sagte Lazenby vor zwei Tagen bei seinem Besuch in Frankfurt. Weil Banken nicht einmal Handelskredite vergeben, bleiben in Fernost die Container im Hafen stehen, statt auf die Schiffe geladen zu werden. Die Probleme kommen also aus dem Bankensystem. Das gute daran: Wenn die Stabilisierung durch die Milliardenpakete gelingt, wird sich die Lage in den Wachstumsmärkten entspannen, Staatspleiten sind dann unwahrscheinlich.

Fragen wir den Skeptiker

Selbst skeptische Geister sind zuversichtlich, dass die Rettung des Finanzsystems gelingt. So auch John Calverley, ein kanadischer Ökonom, der schon 2004 in seinem Buch "Spekulationsblasen und wie man sie überlebt" vor einem Einbruch der US-Häuserpreise um 40 Prozent warnte. Bislang sind sie erst halb so stark gefallen - da kommt vermutlich noch mehr.

Die Rettungspakete verhindern also nur den Zusammenbruch des Finanzsystems - nicht die Wirtschaftsflaute. Die US-Rezession werde vermutlich so schwerwiegend wie in den 1970er Jahren, sagt Calverley. Die Wahrscheinlichkeit, dass es noch schlimmer kommt, liege bei einem Drittel: „Es besteht das Risiko, dass Amerika in die schwer wiegendste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gerät und die Arbeitslosigkeit auf die Rekordniveaus von 11 Prozent steigt“, warnt er. Angesichts dieser Belastungen für die Wirtschaft ist es kein Wunder, dass die Aktienkurse weiter fallen.

Zwar gibt auch positive Faktoren: der seit dem Rekord von 145 Dollar bis unter 70 Dollar gesunkene Ölpreis zum Beispiel. US-Beobachter wie Calverley hoffen zudem auf ein weiteres staatliches Konjunkturpaket, dass Federal-Reserve-Chef Ben Bernanke bereits gefordert hat und dass der Kongress im November oder Dezember beschließen dürfte. „Das erhöht zwar die Staatsverschuldung weiter, aber das beunruhigt derzeit kaum jemanden“, sagt Calverley.

Wie die meisten anderen Experten auch sieht der Spekulationsblasen-Experten derzeit kaum Chancen am Aktienmarkt. „Durch den Crash hat die Börse schon viel Negatives vorweggenommen. Trotz der immer noch zu hohen Gewinnschätzungen der Analysten ist das Risiko begrenzt - aber auch die Chancen“, sagt der Kanadier. „Es wird ein langsamer, schwerer Weg nach oben.“ Das gilt auch für den Dax.

Was jetzt besser ist als Aktien

Trotzdem sollten Anleger jetzt nicht Ihr Geld im Garten vergraben. Panik hilft nicht weiter - denn es gibt durchaus attraktive Anlagechancen mit vertretbarem Risiko.Wegen der geringen Chancen spricht zur Zeit wenig dafür, das mit Aktien verbundene Risiko einzugehen. Das ist auch gar nicht nötig: Denn eine Rendite von sieben oder acht Prozent pro Jahr, wie sie realistische Anleger vom Aktienmarkt erhoffen, bieten heute auch Unternehmensanleihen von erstklassigen Emittenten.

So bekommen Investoren heute zum Beispiel Anleihen des Autoherstellers BMW mit einer jährlichen Rendite von acht Prozent. Wer es also wie ich für sehr unwahrscheinlich hält, dass der Autokonzern in den kommenden fünf Jahren zahlungsunfähig wird, kann hier zugreifen. Wer die Anleihen bis zum Ende der Laufzeit hält, kann ignorieren, wenn der Kurs der Papiere zwischenzeitlich fällt - am Ende gibt es den Nennwert zurück, dazu regelmäßig Zinsen. Anleihebesitzer sind daher besser geschützt als Aktionäre, solches Investieren mit Sicherheitsgurt ist jetzt gefragt.

Auch in diesen Zeiten gibt es also Geld zu verdienen. Allerdings weniger an der Börse, die bleibt auf Monate oder Jahre anfällig für starke Verluste wie den Kurseinbruch vom Freitag. Anschnallen, bitte!

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