Finanzkrise : Commerzbank nutzt Rettungschirm der Bundesregierung

Finanzkrise : Commerzbank nutzt Rettungschirm der Bundesregierung

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Commerzbank-Chef Martin Blessing

Nach der angeschlagenen Hypo Real Estate greift auch die Commerzbank in großem Stil auf das Rettungspaket der Bundesregierung zurück und bessert damit ihr Kapital auf. Das dritte Quartal schloss die Commerzbank mit einem Konzernergebnis von minus 285 Millionen Euro und einem operativen Ergebnis von minus 475 Millionen Euro ab.

Der Rettungsfonds (SoFFin) werde dem Institut 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage zur Verfügung stellen, teilte die Commerzbank heute mit. Damit schraubt die zweitgrößte deutsche Privatbank ihre Kernkapitalquote auf 11,2 von 7,6 Prozent.

Sie liegt nun höher als die der Deutschen Bank, deren Vorstandschef Josef Ackermann Hilfen des Staates vorerst kategorisch ablehnt. Ferner räumt der Fonds der Commerzbank bis 2012 eine Garantie für Schuldverschreibungen über 15 Milliarden Euro ein. Die Manager und Aktionäre der Commerzbank zahlen für die Hilfe einen hohen Preis.

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In den Jahren 2009 und 2010 darf die Bank keine Dividenden ausschütten, Vorstandssprecher Martin Blessing darf maximal eine halbe Million Euro im Jahr verdienen, Boni sind für 2008 und 2009 verboten. Blessings Fixgehalt liegt derzeit bei 480.000 Euro im Jahr.

Das dritte Quartal schloss die Commerzbank mit einem Konzernergebnis von minus 285 Millionen Euro und einem operativen Ergebnis von minus 475 Millionen Euro ab. Für die ersten neun Monate 2008 ergab sich ein Konzerngewinn von 0,9 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 444 Millionen Euro.

Zugriff der Commerzbank könnte den Durchbruch für den Rettungsfonds bedeuten

Der Einstieg des Staates bei vielen Banken in den USA und Großbritannien hat deren Eigenkapitalausstattung deutlich über das bisherige Niveau und die Kernkapitalquoten deutscher Banken steigen lassen.

Mit der Staatseinlage komme die Commerzbank nun wieder auf das Niveau ausländischer Konkurrenten, hieß es in der Mitteilung. Künftig peilt die Commerzbank eine Kernkapitalquote von sieben bis neun (bisher sieben bis acht) Prozent an.

Die Deutsche Bank kam Ende September aus eigener Kraft auf mehr als zehn Prozent. Im dritten Quartal hat die Finanzkrise die Commerzbank in die roten Zahlen gerissen. Der Verlust lag bei 285 Millionen Euro, ein Jahr zuvor hatte die Bank noch 339 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet.

Die Finanzkrise habe das kapitalmarktnahe Geschäft mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro belastet, erklärte die Bank. Der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers habe die Bank 357 Millionen Euro gekostet, das Engagement in dem knapp am Staatsbankrott vorbeigeschrammten Island 232 Millionen Euro.

Auf US-Immobilienkredite musste die Commerzbank weitere 144 Millionen Euro abschreiben. Ohne die Lockerung der Bilanzvorschriften zur Bewertung von Wertpapieren hätte die Commerzbank noch weit mehr Belastungen zu verkraften gehabt.

Die Neubewertungsrücklage lag Ende September bei 1,2 Milliarden Euro, ohne die Änderungen hätte sie zwei Milliarden Euro betragen. 

Die Bundesregierung hatte die Banken am Wochenende noch einmal aufgefordert, die Finanzhilfen trotz der Auflagen zu nutzen. Das Bundesfinanzministerium bezeichnete das Vorgehen der Commerzbank am Montag als „verantwortungsvollen Schritt.

Die Commerzbank wagt angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise weiter keine Prognose für das Gesamtjahr. „Wir haben immer gesagt, dass es sehr schwer werden dürfte, im Gesamtjahr das gute Ergebnis aus 2007 zu erreichen“, sagte Finanzchef Eric Strutz.

Die dramatischen Verwerfungen der letzten Wochen hätten erneut gezeigt, dass verlässliche Prognosen für das Gesamtjahr 2008 im derzeitigen Umfeld nicht möglich sind. „Auch 2009 wird uns vor Herausforderungen stellen“, betonte Strutz.

Es zeichnet sich immer stärker ab, dass die Situation an den globalen Finanzmärkten auf die Realwirtschaft durchschlage, hieß es in der Mitteilung. Die weltweite wirtschaftliche Abschwächung habe Deutschland erreicht und die mittel- und osteuropäischen Regionen würden zunehmend an Dynamik verlieren. Vorstandschef Martin Blessing betonte, das nächste Jahr werde von der Übernahme der Dresdner Bank gekennzeichnet sein. „Wir stärken unsere Marktposition und heben Kostensynergien. Durch die Übernahme sind wir für die Zeit nach der Krise mit unserer gestärkten Kapitalbasis bestens gewappnet.“

Das stärkt die Bank und schützt Anteilseigner und Arbeitnehmer“, sagte ein Ministeriumssprecher. Bis dahin hatten nur die tief in die Finanzkrise verstrickte BayernLB und die knapp der Insolvenz entkommene Hypo Real Estate angekündigt, Staatshilfe in Anspruch zu nehmen.

Bei den Landesbanken WestLB und HSH Nordbank beraten an diesem Montag die Aufsichtsräte über eine solche Schritte. An der Börse stieß die Ankündigung der Commerzbank auf gelassene Reaktionen. Vorbörslich gab die Aktie um 2,2 Prozent nach. Allerdings hatte sie bereits am Freitag deutlich verloren, nachdem Reuters aus Finanzkreisen über entsprechende Pläne der Bank berichtet hatte.

Die Bundesregierung hat den „verantwortungsvollen Schritt“ der Commerzbank begrüßt, sich unter den Rettungsschirm des Sondervermögens zu stellen. „Das stärkt die Bank und schützt Anteilseigner sowie Arbeitnehmer genauso wie die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft“, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Torsten Albig heute in Berlin.

Merrill Lynch hat die Aktie der Commerzbank vor Zahlen von „Buy“ auf „Neutral“ abgestuft und das Kursziel von 12,60 auf 10,30 Euro gesenkt.

Das Kreditinstitut habe harte Zeiten vor sich, schrieb Analystin Britta Schmidt in einer Studie von heute.   Die Inanspruchnahme des von der Regierung angebotenen Hilfspakets sei für die Bank zwar gut, gehe aber auf Kosten der Aktionäre.

Zudem bestünden weiterhin Unsicherheiten im Hinblick auf die Übernahme der Dresdner Bank. Schmidt prognostiziert für die Commerzbank einen Verlust von 167 Millionen Euro im dritten Quartal.

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