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Finanzkrise: Dax fällt nach Hiobsbotschaften aus den USA unter 6000 Punkte

von dpa/AP/rtr

Hiobsbotschaften aus den USA haben die Finanzkrise heute dramatisch zugespitzt: Die US-Investmentbank Lehman Brothers ist pleite, Merrill Lynch verkauft. Das sorgte für Panik unter den Anlegern: Der deutsche Leitindex Dax fiel heute zeitweise unter 6000 Punkte und rutscht somit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2006.

People stroll by a company Quelle: AP
People stroll by a company sign of troubled firm Lehman Brothers Holdings Inc. in front of a buiilding where its head office in Tokyo is housed Monday, Sept. 15, 2008 following the company's filing for bankruptcy protection in the United States. (AP Photo/Katsumi Kasahara) Å Quelle: AP

Die amerikanische Finanzbranche hat sich auf einen Schlag dramatisch verändert. Die schwer angeschlagene Investmentbank Lehman Brothers steht vor dem Aus und beantragte heute Morgen Gläubigerschutz. Die Bank of America übernimmt die ebenfalls angeschlagene drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch. Der Kaufpreis liege bei rund 50 Milliarden Dollar in Aktien, teilten dia Unternehmen heute Morgen mit.

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Die US-Notenbank kündigte Maßnahmen zur Stützung der Finanzmärkte an. Zehn führende internationale Banken bildeten einen 70 Milliarden Dollar schweren Fonds, um sich gegenseitig aus möglichen Liquiditätsengpässen zu helfen. Dazu gehört auch die Deutsche Bank.

Dax fällt auf unter 6000 Punkte

Die dramatische Verschärfung der US-Finanzkrise hat am Montag den Dax wieder unter 6000 Punkte gedrückt. Zeitweise rutschte der Leitindex um 3,8 Prozent auf 5999,08 Punkte und notierte damit so niedrig wie seit Oktober 2006 nicht mehr. Dabei belastete vor allem der Einbruch der Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank, die je sechs Prozent einbüßten. Nach wenigen Sekunden erholte sich der Dax wieder leicht und pendelte bei 6035 Zählern, was noch einem Minus von über drei Prozent entsprach.

Dennoch halten das Bundesfinanzministerium, die Finanzaufsicht BaFin und die Bundesbank die Auswirkungen der Krise bei der US-Bank Lehman Brothers auf den deutschen Markt für „verkraftbar“. In einer gemeinsamen Erklärungvon heute heißt es: „Die Engagements deutscher Kreditinstitute bei Lehman Brothers Holding, die einen Antrag auf Gläubigerschutz angekündigt hat, halten sich in einem überschaubaren Rahmen und sind verkraftbar.“Ministerium, BaFin und Bundesbank stünden in engem Kontakt mit den internationalen Partnerbehörden und den Spitzen der deutschen Kreditwirtschaft. Die weitere Entwicklung werde „sehr genau“ beobachtet, hieß es weiter.

Verzweifelte Rettungsversuche von Lehman-Chef Fuld

Die verzweifelten Rettungsbemühungen für Lehman Brothers scheiterten letztlich daran, dass die US-Regierung in anderen Fällen geleistete Staatshilfen ausschloss und die Branche nicht bereit war, die milliardenschweren Risiken zu übernehmen.

Wie die New York Times berichtet, hat Lehman schlechte Karten zu überleben: Die Insolvenzregeln für Finanzdienstleister sind in den USA strenger als jene für andere Branchen wie etwa Fluglinien, die in der Vergangenheit oft trotz Gläubigerschutzverfahren überlebten.

Der Kollaps von Lehman ist eine persönliche Niederlage für Richard S. Fuld, den Vorstandsvorsitzenden von Lehman. Fuld hatte Lehman Brothers seit 1994 geführt, als die Bank vom Kreditkartenunternehmen American Express abgespalten wurde. In den vergangenen Jahren hatte Fuld Lehman bereits durch mehrere schwere Krisen gebracht. Laut der New York Times verbrachte Fuld die den letzten Tage von sechs Uhr früh bis nach Mitternacht in seinem Büro, wo er unablässig telefonierte.

Wall Street umgekrempelt, Angst vor weiteren Pleiten

Damit gibt es jetzt mit Goldman Sachs und Morgan Stanley nur noch zwei unabhängige Investmentbanken an der Wall Street statt fünf vor einem halben Jahr. Nach Angaben von Lehman fallen die Broker-Sparten nicht unter das Gläubigerschutz-Verfahren nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts, zudem arbeiten diese Sparten weiter. Die US-Bank prüfe weiter den Verkauf der Broker-Sparten und des Investmentbankings.

Die Sorge der Investoren gilt weniger den gescheiterten Investmentbanken, sondern dem gesamten Finanzmarkt. Denn bei den US-Finanzdienstleistern droht bereits weiteres Unheil:  Auch der weltgrößte Versicherer AIG hat mit großen Problemen zu kämpfen. Laut einem Zeitungsbericht hat die American International Group (AIG) die US- Notenbank um einen Überbrückungskredit von 40 Milliarden Dollar gebeten. Damit solle eine Herabstufung des Kreditratings verhindert werden, berichtete die „New York Times“ heute in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf informierte Personen.

Ratingagenturen hätten gedroht, AIG heute herabzustufen. Mit diesem Schritt hätten Geldgeber ihre Mittel zurückfordern können. „AIG hätte nur noch 48 bis 72 Stunden zu leben gehabt“, zitierte die Zeitung einen Insider. Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, der Konzern wolle umfangreiche Sparten wie die weltweit führende Flugzeugleasing- Tochter ILFC verkaufen.

Neue Investoren sollen zudem für eine dringend benötigte weitere Finanzspritze von mehr als zehn Milliarden Dollar (sieben Milliarden Euro) sorgen. AIG wolle die Sanierungsmaßnahmen bereits heute ankündigen. Der weltweit zu den größten der Branche zählende Versicherer hatte zuletzt Milliardenverluste erlitten. Allein vergangene Woche war der Aktienkurs um mehr als 45 Prozent gefallen.

Bank of America als neuer US-Bankenprimus

Der Käufer von Merrill Lynch, die Bank of America, gehört zu den führenden US-Banken. Sie war auch als rettender Käufer für Lehman Brothers in Gespräch, verlangte aber Regierungsgarantien.Merrill Lynch war zuletzt wegen Milliardenverlusten und einem drastischen Kursverfall immer stärker unter Druck geraten. Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns wegen der Kreditkrise ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.09.2008, 16:02 UhrKlaus F.

    15.09.2008 - 13:00
    Chigago (boerseGo.de) - Zinsfutures: Chance auf US-Leitzinssenkung drastisch gestiegen.
    Die Händler an der Terminbörse in Chicago sehen nach dem Entscheid der Federal Reserve vom 5. August den Leitzins unverändert zu belassen nun eine Chance von 84 Prozent, dass die Notenbank im Rahmen der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses am 16. September wegen der bankenkrise und dem Konkurs von Lehman brothers eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent vornehmen wird. Vor einer Woche wurde die Chance für eine Zinssenkung im September mit Null beziffert.
    _____________________________________________________

    Am nächsten Strohfreuer wird bereits gezündelt.

    Mit den Mitteln, die die ganze Krise verursacht hat, dem s.g. Greenspan-Put und der daraus erfolgten gigatischen Liquiditätsschwämme und Spekulationsblase, wird man der Sache wohl kaum Herr werden.
    Hier muss ein ganz anderes Rad gedreht werden - ein großes Rad - zu mehr Transparenz, Vertrauen und Gesetzestreue!

    Gruß
    Klaus F.

  • 15.09.2008, 15:13 UhrMelanie Gatzke

    Wie hieß es noch vor einigen Tagen:
    Zitat:
    Mit Kurssprüngen von fünf bis zehn Prozent bei Finanzwerten und einem Dax-Feuerwerk von mehr als 200 Punkten bejubelt die deutsche börse .
    Ja, jetzt können sie wieder jubeln.
    So sah es der börsianer, so geht das Spiel seit einem Jahr, - reinpumpen- Anleger locken- Kurse hochmanipulieren- dann - abstürzen. Sie zapeln wie ein Fisch an der Angel und glauben, sie könnten sich losreißen. irrtum. Sie werden alle im Strudel mitgerissen. Die Gier lässt sie nicht los, auch wenn sie dabei alles verlieren. Der Dominoeffekt geht weiter. Es gab Lösungs-Vorschläge von leuten, doch über diese hat man nur gelacht und mit bodenloser Arroganz zur Kenntnis genommen. Jetzt werden sie alle verschlungen. Nur noch eine Frage der Zeit. Diese gigantische Verschuldung, diese faulen fiktiven Summen, durch hin - und herschieben produziert, werden dem System zum Verhängnis. Das Spiel mit dem Schneeballsystem ist zu Ende-aus. Wer jetzt noch auf Gewinne hofft,das ist nicht Lieschen Müller. Die ist nur Milchkuh und wird gemolken. ironie ist allerdings, dass es jetzt auch größere trifft, die Gier hat seinen Preis.
    Wer so einen "Kuttelmuttel" als Finanzwirtschaft anpreist, der muß wissen-- alles geht zu Ende. Auch diese Manipulation. Sie wollen es nicht kapieren- ja- Gier frißt eben Hirn.
    Eine Hand voll Narren bekam die Freiheit, die uneingeschränkte Möglichkeit , die Welt wieder mal in einen Abgrund zu stürzen. Und alle Regierungen machten mit. Ohne Hirn und Verstand.
    Warum hat der Wähler sie nicht vorher abgewählt? Jetzt kann er aus den Träumen der wundersamen Geldvermehrung ohne Leistung aufachen und Halleluja singen.
    Wenn wir nicht zur Realwirtschft zurückkehren, versinken wir im Chaos, ins bodenlose. Das ist die bittere Realität. Daran ändert sich auch durch Verleugnen nichts, wie es die letzten Jahre massiv getan wurde.

  • 15.09.2008, 13:40 UhrRückkehr zur Realwirtschaft nötig

    Als die Unterschiede zwischen England und den Kolonien noch gigantisch waren, konnte man reale Waren mit Glasperlen bezahlen, und die Völker waren beeindruckt. Nachdem England sein imperium 1941 auf dem Atlantik an die USA übergeben mußte, ging dieses Prinzip mit „brause, Jeans, Hollywood und Hamburger“ weiter. Die Welt glaubte daran, zumal es gleichzeitig eine starke Realwirtschaft gab. Ab den 70ern rückte man dann vom Gold ab. Das Gelddrucken begann in den 80er und nahm immer weiter zu. Ab den 90ern setzte ein bis dahin unbekanntes Geldpapier- und Spekulationssystem ohne jeden bezug zur Realwirtschaft ein. Neben dem Gelddrucken hatte man eine andere, unverdächtige Strategie, die zurückgehende Realwirtschaft auszugleichen: Wareneinfuhr gegen Papiergeld bei geringem Zoll. bezahlt wurde mit inflationärem Geld und Papieren. Der Zoll wurde zur Erleichterung in den Gatt- und Uruguay-Runden schon frühzeitig eliminiert. Dieses System heißt heute Globalisierung und bedeutet nur, daß eine leichte und zollfreie Wareneinfuhr ermöglicht wird, wobei die dann entstehenden Handelsspannen fälschlicherweise als „Gewinne“ der Volkswirtschaft hochstilisiert werden. Tatsächlich sind es keine Gewinne, denn Menschen, die nichts exportieren, haben auch kein Geld, um importwaren zu kaufen, es sei denn, man druckt Geld, um den Konsum der importwaren eine gewisse Zeit zu ermöglichen,. Parallel dazu erfanden Wirtschaftsleute eine Menge von Luftnummern, um die bilanzen zu schönen, z.b. die Dienstleistung. Jede noch so unsinnige und überflüssige Tätigkeit, ja sogar Tätigkeiten und Umstände, die reine belastungen und niemals Gewinne darstellen, werden dort heute eingebucht: ein zusätzlich eingestellter Streetworker oder ein erhöhter Energieverbrauch im kalten Winter macht in diesem Weltbild den Staat reicher statt ärmer.

    Jetzt beginnen die Menschen zu zweifeln.

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