Finanzkrise: Deutsche Kaupthing-Sparer brauchen einen langen Atem

Finanzkrise: Deutsche Kaupthing-Sparer brauchen einen langen Atem

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Niederlassung der Kaupthing Bank in Genf

Nun hat die isländische Finanzmarktaufsicht festgestellt, dass der Einlagensicherungsfonds des Inselstaates zahlen muss - und zwar an jene Kaupthing-Kunden, die ihre Sparguthaben nach dem 9. Oktober 2008 abheben wollten. Deutsche Geschädigte sollten sich aber nicht allzuviel Hoffnung machen, rasch an ihr Erspartes zu kommen.

Gerade einmal drei Grad Celsius zeigt das Thermometer heute in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Ähnlich kühl ist die Stimmung unter den 30.000 Deutschen, die dem lockenden Angebot von 5,65 Prozent Zinsen der isländischen Kaupthing-Bank gefolgt sind und ihr Erspartes in den hohen Norden transferiert haben. Seit mehr als drei Wochen können sie nicht mehr auf ihr Geld zugreifen, weil die deutsche Bankenaufsicht BaFin am 9. Oktober ein Moratorium über das isländische Finanzinstitut verhängt hat.

Ihr Gelder sind seit Wochen im wahrsten Sinn des Wortes „eingefroren“ – denn Islands Banken wurden von der Finanzkrise stark getroffen. Ihre Schieflage gefährdet den gesamten isländischen Staatshaushalt. Vor kurzem hat der Weltwährungsfonds Island deshalb zwei Milliarden Dollar zugesagt. Islands Premierminister Geir Haarde verhandelt mit seinen nordischen Nachbarn über weitere Hilfszahlungen in Höhe von vier Milliarden Dollar, um den drohenden Staatsbankrott abzuwenden

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Doch nun glimmt für deutschen Kaupthing-Kunden ein Funken Hoffnung: Heute hat die isländische Finanzmarktaufsicht FME eine kurze Meldung im Internet veröffentlicht. Am 9. Oktober, so schreibt die FME, habe die Website der Kaupthing Bank ihr Funktionieren eingestellt. Kaupthing habe damals bestimmte Summen an Investoren nicht mehr auszahlen können. Der isländische Einlagensicherungsfonds sei damit "verpflichtet....Zahlungen an Kaupthing-Kunden zu leisten, die ihre Einlagen nicht erhalten haben."

Kaupthing-Anleger brauchen einen langen Atem

So gut das klingt, reale Hoffnungen auf eine rasche Überweisung ihrer Einlagen sollten sich die insgesamt 30.000 deutschen Kaupthing-Kunden nicht machen. Sie haben insgesamt rund 300 Millionen Euro nach Island überwiesen, das Werbeprospekten gerne als die "Schweiz des Nordens" bezeichnet wurde.

Unklar bleibt, ob der isländische Einlagensicherungsfonds auch für die Gelder ausländischer Investoren zahlt. Zudem stellte die FME nur fest, dass die Einlagensicherung im Prinzip zahlen muss. Wie das real aussehen soll, bleibt im Dunklen. Denn die isländische Einlagensicherung ist viel zu klein, um die ausstehenden Summen zu begleichen, und der Inselstaat selbst ist de fakto pleite. Die Erfahrungen mit früheren Staatsbankrotten wie etwa in Argentinien zeigen, dass die Schulden erst nach langer Zeit beglichen werden - und dann auch nur teilweise.

Bleibt noch die Hoffnung, dass sich die deutsche Regierung für ihre Sparer in Island einsetzt. Bislang hat sie das nicht getan - und deshalb stehen die deutschen Anleger schlecht da. Großbritannien oder die Niederlande haben dafür gesorgt, dass Sparer wieder auf ihre Kaupthing-Konten zugreifen können. Seit gestern können auch 4200 österreichische Sparer aufatmen, die ihr Geld bei der Kaupthing Bank angelegt haben. Sie bekommen ihr Vermögen sogar samt Zinsen zurück. Darauf haben sich die österreichischen Behörden mit dem isländischen Geldinstitut geeinigt. In Finnland werden ab morgen die Kaupthing-Sparguthaben zurückgezahlt.

In Deutschland heißt es weiterhin: Bitte Warten. Ein Sprecher des Bundesministeriums sagte zwar vor kurzem, dass man eine Lösung finden wolle, bei der die deutschen Sparer nicht diskriminiert werden. Getan hat sich bislang nichts. Laut einem Sprecher der Kaupthing-Geschädigten ist Deutschland damit das letzte europäische Land, dessen Kaupthing-Kunden weiterhin nicht an ihr Geld kommen. 

Die Geschädigten hoffen, dass sie endlich ihre Guthaben in vollem Umfang auf die deutschen Referenzkonten überweisen können. Die FME-Entscheidung gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer - mehr allerdings nicht. Zudem müssten die Behebungen gestaffelt erfolgen, wie ein Sprecher der Kaupthing-Geschädigten gegenüber wiwo.de zugab. „Was die deutschen Sparer angeht, muss es Möglichkeiten geben, das zeitlich zu strecken. Durch die Verunsicherung ist die Tendenz da, sehr rasch Geld abzuheben, was zu Problemen führen kann“, meinte er.

Mehr zum Thema "Einlagensicherung bei deutschen Töchtern ausländischer Banken" finden Sie in WirtschaftsWoche 45/2008 auf Seite 134. Sie erscheint am Montag, dem 03. November 2008.

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