Finanzkrise: Die globale Goldman-Sachs-Affäre

Finanzkrise: Die globale Goldman-Sachs-Affäre

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Die US-Börsenaufsicht hat SEC hat Klage gegen die US-Investmentbank Goldman Sachs erhoben

von Andreas Toller

Nach der Klage der US-Börsenaufsicht gegen die US-Bank geraten die Kapitalmärkte weltweit unter Druck. Deutschland und Großbritannien prüfen rechtliche Schritte und US-Präsident Obama wittert eine Chance.

Einmal pro Woche spricht US-Präsident Barack Obama im Radio zu seinem Volk. An diesem Samstag warb er erneut für schärfere Regeln für die Kapitalmärkte: Diese Reform sei eine zu wichtige Angelegenheit, um weiter tatenlos zuzusehen. Obama kämpft für seine Kapitalmarktreform gegen die Widerstände der Republikaner im Senat und die Lobbyisten einflussreicher Unternehmen. Aber diesmal dürften seine Worte deutlich mehr Sympathie gewinnen. Und das verdankt der US-Präsident der größten Investmentbank der Welt, Goldman Sachs.

Auswirkungen von New York bis Shanghai

Seit am Wochenende die Vorwürfe der US-Börsenaufsicht SEC gegen Goldman publik wurden, entfaltet die Nachricht Wirkung auf den Märkten rund um den Globus. Vor allem die Aktien der Großbanken gerieten unter Druck und zogen die US-Börse ins Minus. Aber selbst in Asien spürten Investoren die Auswirkungen: Die Wechselkurse der Währungen fielen, angeführt von Malaysias Ringgit und Südkoreas Won. Als Grund nannten Investoren die deutlich gedämpfte Bereitschaft, Risiken einzugehen. Auch die Börse in Shanghai erlitt den höchsten Tagesverlust seit vergangenem Sommer. Chinas Regierung hatte am Wochenende Maßnahmen gegen Spekulationen am Häusermarkt angeordnet, die Goldman-Sachs-Affäre verstärkte den Effekt. Und selbst der Goldpreis geriet unter Druck und fiel in London auf niedrigsten Stand seit fast zwei Wochen. Eine strengere Regulierung der Banken begrenze die Nachrage an den Rohstoffmärkten, so die Befürchtung. Auch die Preise für Öl, Platin und sechs wichtige Industriemetalle fielen an der Londoner Rohstoffbörse daraufhin.

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Was war geschehen? Die US-Börsenaufsicht Security and Exchange Commission (SEC) hat Goldman Sachs wegen Betrugs angeklagt. Die Börsenaufsicht hatte dem renommierten Geldhaus vorgeworfen, seine Anleger Anfang 2007 zum Kauf eines Finanzprodukts animiert zu haben, das von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Denn der Hedgefonds Paulson & Co. des US-Milliardärs John Paulson soll insgeheim am Aufbau des Portfolios aus US-Hypothekenpapieren mitgewirkt und nur minderwertige Ware hineingepackt haben. Anschließend habe er mit sogenannten Kreditausfallversicherungen (Collateralized Dept Obligations, CDO) auf ein Scheitern gewettet, was durch den Einbruch am US-Häusermarkt tatsächlich geschah.

Düsseldorfer IKB massiv betroffen

Goldman Sachs widerspricht dieser Darstellung vehement: „Wir haben kein Portfolio geschaffen, dass dafür bestimmt war, Geld zu verlieren.“ Die Käufer des Hypothekenportfolios – darunter die deutsche Mittelstandsbank IKB – seien erfahrene Marktteilnehmer gewesen und hätten um die Risiken gewusst. Die Auswahl der Papiere habe die unabhängige Finanzfirma ACA getroffen, sie war selbst der größte Investor. Auch Goldman Sachs habe auf steigende Kurse gesetzt und Verluste von 90 Millionen Dollar eingefahren.

Die Düsseldorfer IKB hat laut der Anklageschrift der SEC fast ihre gesamten 150 Millionen Dollar Einsatz verloren. „Die IKB hätte in diese Transaktion nicht investiert, wenn sie gewusst hätte, dass John Paulson eine wichtige Rolle in der Auswahl der Sicherheiten spielte“, heißt es in der 22-seitigen Anklageschrift. Ab Mitte 2007 geriet die Bank in existenzielle Schwierigkeiten und musste vom deutschen Steuerzahler mit Milliarden gerettet werden. Ob sie mit Schadenersatz rechnen kann, ist unklar. Die Düsseldorfer – mittlerweile im Besitz des US-Finanzinvestors Lone Star – haben sich bislang nicht zu der SEC-Klage geäußert.

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