Finanzkrise: Entschädigung von Kaupthing-Sparern immer wahrscheinlicher

Finanzkrise: Entschädigung von Kaupthing-Sparern immer wahrscheinlicher

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Rund 6,000 Isländer demonstrierten vor wenigen Tagen vor dem Parlament in Reykjavik. Der Staatsbankrott ist nun abgewendet - doch die Isländer müssen sich auf dürre Jahre einstellen.

Gute Nachrichten vom kriselnden Inselstaat: Gestern hat Island Finanzhilfen in Höhe von insgesamt 10,2 Milliarden Dollar zugesagt bekommen. Der Staatsbankrott ist damit abgewendet, in der Summe sind bereits Zahlungen der isländischen Einlagensicherung berücksichtigt. Zudem macht eine Drei-Länder-Erklärung deutschen Sparern Hoffnung, bald ihr Geld zurückzuerhalten.

Die rund 30.000 deutschen Sparer bei der isländischen Bank Kaupthing können auf eine baldige Freigabe ihrer Einlagen hoffen. Dies zeichnet sich nach der Einigung Islands mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über einen Milliardenkredit ab. Heute begrüßte das Bundesfinanzministerium die Zusage Islands, „seinen Verpflichtungen gegenüber den Sparern nachzukommen und eine angemessene, gleichberechtigte und faire Behandlung der Gläubiger sicherzustellen“.

Laut Ministerium verhandelt Deutschland gemeinsam mit Großbritannien und den Niederlanden mit Island über Vorfinanzierungen. Damit solle Island seinen Verpflichtungen gegenüber den Sparern kurzfristig nachkommen können.

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"Die Lösung für die deutschen Kunden ist eingebettet in eine Gesamtlösung für den ganzen Sektor“, sagte Stefan Olbermann vom deutschen Bundesfinanzministerium gegenüber wiwo.de. Über die Details wird laut Olbermann gesprochen. „Es ist aber noch nicht so konkret, dass wir uns dazu äußern können.“

Island hat Schulden von 15 Milliarden Euro

Der Grund für die Fortschritte bei der Entschädigung ist eine Einigung Islands mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF): Gestern genehmigte der IWF Hilfszahlungen über insgesamt 2,1 Milliarden Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) für Island. Zudem bekommt Island zur Stabilisierung seiner akut bedrohten Staatsfinanzen Kredithilfen von den nordeuropäischen Nachbarn. Wie die Finanzminister in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden gestern mitteilten, werden der kleinen Inselrepublik mit 320.000 Einwohnern umgerechnet 2,5 Milliarden Dollar (zwei Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt.

Insgesamt belaufen sich die Finanzhilfen laut Meldungen von Nachrichtenagenturen auf 10,2 Milliarden Dollar. In dieser Summe sind auch die auch Kredite von Großbritannien und den Niederlanden für die isländischen Einlagensicherung berücksichtigt.

„Island erlebt eine Bankenkrise von außergewöhnlichen Ausmaßen“, sagte ein IWF-Experte gestern. Die drei größten Banken des Landes seien unlängst innerhalb einer Woche zusammengebrochen. „Als Folge erlebt Island eine schwere Rezession.“ Das Programm der Regierung, das der IWF mit den Darlehen unterstütze, habe als eines der obersten Ziele die Stabilisierung der Währung und eine Restrukturierung des Bankensektors.

Ministerpräsident Geir Haarde hatten den Schuldenberg seines Landes, den isländische Banken durch ihren Expansionsdrang hinterlassen haben, auf 19 Milliarden Dollar (15 Milliarden Euro) beziffert. Das entspricht zweieinhalb kompletten Staatshaushalten oder zweimal dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt des 320.000 Einwohner zählenden Landes. Folge sind der Zusammenbruch des Finanzsektors mit Massenentlassungen und ein praktisch totaler Stopp für die Baubranche. Die Regierung rechnet mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von bisher etwa einem auf über zehn Prozent.

Rückzahlungsmodalitäten weiterhin unklar

Vom Bankrott der isländischen Banken sind in Deutschland unter anderem gut 30.000 Kleinanleger betroffen, die ihr Erspartes bei der isländischen Kaupthing Edge Bank angelegt haben. Weil die Konten gesperrt wurden, können sie seit Wochen nicht mehr auf ihr Geld zugreifen.

Eine rasche Rückzahlung der Spareinlagen wird nun immer wahrscheinlicher - doch viele Detailfragen bleiben weiterhin offen:

Nach wie vor ist unklar, wann deutsche Sparer ihr Geld zurückerhalten werden – immerhin haben deutsche Sparer insgesamt über 300 Millionen Euro im hohen Norden angelegt. Ungeklärt ist auch, ob Anlegern ihr Geld inklusive einem Teil der Zinsen zurückbekommen, wie dies unlängst österreichischen Kaupthing-Kunden gelang. Zudem will derzeit niemand konkrete Antworten auf die Frage geben, ob deutsche Sparer ausschließlich die von der isländischen Einlagensicherung garantierte Summe von 20.800 Euro zurückerhalten – oder in Einzelfällen mehr. „Das eine ist ein gesetzlicher Anspruch, das andere nicht“, so Olbermann zu wiwo.de „Das sind Fragen, die natürlich eine Rolle spielen. Doch am Ende sind es die Isländer, die darauf eine Antwort geben müssen“.

Doch die isländischen Aufsichtsbehörden geben sich derzeit wortkarg. Auf Anfrage von wiwo.de sandte eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde eine E-Mail, aus der hervorgeht, dass die Auszahlungen zunächst nur auf die vom Einlagenfonds garantierte Summe von 20.800 Euro beschränkt sein werden. Ob dies dann auch tatsächlich so umgesetzt wird, ist fraglich.

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