Finanzkrise: EZB-Zinssenkung rückt näher

KommentarFinanzkrise: EZB-Zinssenkung rückt näher

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Märkte nicht mit einer Zinssenkung überrascht. Sie hätte dabei womöglich mehr Glaubwürdigkeit verloren und Unsicherheit erzeugt, als Erleichterung verschafft. Doch die entscheidende Nachricht von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der heutigen EZB-Sitzung ist, dass es schon bald eine Zinssenkung geben könnte. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteurin Elke Pickartz.

Die Finanzmarktkrise habe ein „außergewöhnlich hohes Maß an Unsicherheit" geschaffen, betonte der Zentralbankchef mehr als ein halbes Dutzend Mal während der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung. „Diese Situation haben wir noch nie so erlebt." Und weiter: Zwar hätten die Teilnehmer einstimmig für unveränderte Leitzinsen votiert. Aber auch die Option, sie zu senken, sei diskutiert worden.

Auch schwächte Trichet seinen Ton mit Blick auf die Inflationsgefahren ab. Die Risiken für die Preisstabilität seien nicht verschwunden, doch sie hätten sich zuletzt abgeschwächt, sagte er. Schließlich bestätigten die jüngsten Daten klar, dass sich die Wirtschaftsaktivität im Euroraum abschwäche.

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Das alles sind neue Töne im Vergleich zur letzten Presskonferenz vor vier Wochen, als Trichet nicht müde wurde, die Inflationsgefahren zu betonen und vor hohen Lohnabschlüssen zu warnen. Der Euroraum sollte sich daher auf eine baldige Zinssenkung freuen. Ob sie allerdings viel gegen die Finanzkrise ausrichten wird, ist fraglich.

Die 320 Millionen Bürger Europas könnten Vertrauen darin haben, dass die EZB die Preisstabilität sichern werde, sagte Trichet. Doch das scheint derzeit immer weniger die Hauptsorge der Europäer sein. Mittlerweile fragen sich immer mehr Menschen, ob Geld auf dem Konto noch sicher ist. Diese Ängste gilt es vor allem zu besänftigen.

Die Liquiditätsspritzen der EZB an die Geschäftsbanken drohen hier zunehmend weniger auszurichten. Die Banken restringieren trotz mehr Zentralbankgeld ihre Kreditvergabe. Es scheint, die EZB stößt nun an ihre Grenzen. Nun sind die europäischen Regierungen gefordert. Doch Trichet ist vorsichtig, was ein solches Rettungspaket angeht: Europa sei nicht die USA, denn es habe nicht seine föderalen Strukturen. So what?

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