Finanzkrise: Fin de Partie für die Finanzbranche

KommentarFinanzkrise: Fin de Partie für die Finanzbranche

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Sparbuch: Die Regierung garantiert wegen der Finanzkrise die Spareinlagen der Deutschen

Berlin garantiert die Spareinlagen - das ist ein enorm wichtiger, weil vertrauensbildender Schritt. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Banken selbst das gegenseitige Misstrauen überwinden. Wenn nicht, werden sie schon bald nicht mehr unabhängig agieren dürfen.

1628 Milliarden Euro haben deutsche Bankkunden auf Giro-, Festgeld- und Sparkonten angelegt. Eine enorme Summe und die wichtigste Stütze für Banken, für kreditsuchende Unternehmen und damit für Arbeitsplätze. Gerade das sicherheitsorientierte, nicht auf höhere Renditen bei höherem Risiko ausgerichtete Sparverhalten der Deutschen ist der Rettungsanker schlechthin in der Finanzkrise.

Was nur, wenn das Misstrauen gegenüber den Banken so groß würde, dass die Euro heim unters Kopfkissen geholt würden? Ein großes Wunder wäre das nicht, schließlich vertrauen sich ja die feinen Bankiers nicht mal mehr untereinander. Zögen jedoch auch noch die privaten Sparer ihr Geld ab, würde der Geldkreislauf komplett unterbrochen, weite Teile der deutschen Wirtschaft stünden vor dem Kollaps.

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Ja, sie muss jeden wütend machen: Die Chuzpe der Chefbanker und ihrer gehörigen Truppe der Investmentbanker, die sich erst üppig bedient haben, sich nun in unverantwortlicher Weise gegenseitig lahm legen und schließlich dem Steuerzahler die Bürde auferlegen, möglicherweise teure Rettungen zu finanzieren. Dennoch sollten wir nach der rechten auch noch die linke Wange hinhalten und das Geld auf dem Bankkonto belassen.

Eine funktionierende Ökonomie ist ohne starke Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken nicht möglich. Sicher: Marode Landesbanken wie die SachsenLB, die WestLB und Bayern LB müssen abgewickelt werden – über mehrere Jahre, ähnlich dem Modell der deutschen Steinkohle. Hedgefonds dürfen weiter spekulieren, aber nur noch mit eigenem Geld. Spareinlagen sollten Banken demnächst wieder dahin überführen, wo sie hingehören: in Unternehmenskredite oder Baukredite. Sie sollten sich nicht länger irgendwelchen mehr oder weniger halbseidenen Hedge-Spekulanten andienen, die in erster Linie für starke Schwankungen an den Börsen, Rohstoff- und Devisenmärkten sorgen, damit Privatanleger verunsichern, am Ende aber im Durchschnitt nicht einmal mehr Rendite als ein Bundesschatzbrief ’erwirtschaften’.

Bundesregierung hat richtig gehandelt

Ein Lob gilt der Regierung in Berlin: Jetzt Spareinlagen staatlich zu garantieren, ist der einzig richtige Schritt, um die Lage in den Griff zu bekommen. Nun müssen die Banken reagieren und ein Signal setzen.

Liebe Banker: Leiht euch doch einfach mal gegenseitig nen Euro, nur mal so, um zu schauen, was passiert, anstatt 44 Milliarden Euro bei der Europäischen Zentralbank zu Minizinsen zu lagern. Die Deutsche Bank, das zeigt sich ja erneut im Fall Hypo Real Estate, scheint ja bestens informiert zu sein. Warum also, lieber Josef Ackermann, gibt es für die Kollegen, die mal nach ein paar Millionen fragen, kein Geld?

Sollten die Banken aber weiter die Taschen zu halten, würde in letzter Konsequenz nur eine (vorübergehende) Teilverstaatlichung helfen. Unter den Augen der Bankenaufsichtsbehörden müssten die Deutsche Bundesbank, die Europäische Zentralbank gemeinschaftlich mit der US-Notenbank Fed, der Bank of England und den Asiaten das Einlagen- und Kreditvergabegeschäft der Banken koordinieren, um den Liquiditätsstau zu lösen.

Das Spiel, möglicherweise von der Krise noch zu profitieren und einen Phyrrus-Sieg davonzutragen, ist längst vorbei. Fin de Partie: Es ist fünf nach zwölf – nicht für die Spareinlagen, nein, nein, aber für die Banken. Das sollte doch in den Chefetagen längst mal angekommen sein, oder?

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