Finanzkrise : Finanzinvestor Carlyle will Anlegern seiner Fondstochter helfen

Finanzkrise : Finanzinvestor Carlyle will Anlegern seiner Fondstochter helfen

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Handelsaal der Wertpapierbörse in Frankfurt

Gute Nachrichten für Anleger des Fonds Carlyle Capital Corp (CCC): Dessen Mutter, der US-Finanzinvestor Carlyle, will betroffenen Investoren zur Seite springen - und erwägt, Teile des von Anlegern investierten Kapitals zurückzuzahlen. Die Angst an den Märkten vor weiteren Problemen für Finanzinvestoren ist damit aber nicht gebannt.

 Die US-Beteiligungsfirma Carlyle prüft laut Zeitungsberichten Wege, um den Anlegern seiner verschuldeten Fonds-Tochter CCC zur Seite zu springen. Die betroffenen Investoren seien vor allem große Geschäftsbanken, erklärte der Carlyle-Mitbegründer David Rubenstein in einem heute veröffentlichten Interview der französischen Zeitung „Les Echos“.

Die „New York Times“ zitierte ihn mit den Worten, Carlyle erwäge, Teile des von den Partnern investierten Kapitals zurückzuerstatten. An den Märkten wurden Sorgen laut, auch andere Private-Equity-Häuser und Hedgefonds könnten Schwierigkeiten bekommen. Dem CCC-Jahresbericht zufolge gehörten Ende 2007 auch die Deutsche Bank, UBS, Bear Stearns, Bank of America, BNP Paribas, Citigroup, ING, JPMorgan Chase und Merrill Lynch zu den Geschäftspartnern des Fonds.

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Carlyle Capital Corp (CCC) steht nach dem Scheitern der Gespräche über neue Kredite vor dem Aus. Die Gläubigerbanken hätten ihre Basis für die Gewährung von Geldern so grundlegend verändert, dass eine Refinanzierung nicht möglich gewesen sei, teilte Carlyle Capital Corp (CCC) gestern nach mehrtägigen Verhandlungen mit. Nun würden die Banken die verbliebenen Anlagen der mit 16,6 Milliarden Dollar verschuldeten CCC wohl auflösen.

Die Ankündigung ließ die Aktien der seit Juli 2007 in Amsterdam börsennotierten CCC gestern um 95 Prozent einbrechen. Der deutsche Aktienindex Dax litt unter der Entwicklung ebenso wie die US-Börsen. Auch die Risikoaufschläge für Schuldverschreibungen erhöhten sich und der Dollar sackte ab.

„Die Kreditangst ist zurück“, kommentierte der Finanzexperte Tim Condon von der Bank ING die Entwicklung. Zwar hatten die internationalen Großbanken aufgrund der Probleme am Eigenheim- und Hypothekenmarkt (Subprime) in den USA ihre Kriterien für die Kreditvergabe zuletzt bereits drastisch verschärft. Doch war dies etwas in den Hintergrund geraten, nachdem mehrere Notenbanken milliardenschwere Hilfen für den Geldmarkt angekündigt hatten. Dass der Ableger der angesehenen Carlyle Group nun Pleite gehen könnte, sorgte bei manchem Experten nur noch für Ratlosigkeit.

„Kaum einer versteht wirklich noch die gesamte Geschichte rund um die Subprime-Krise“, sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. „Und dieses Nicht-Verstehen ist inzwischen Teil des Problems.“ An den Märkten wurden am Donnerstag prompt Sorgen laut, auch andere Private-Equity-Häuser und Hedgefonds könnten Schwierigkeiten bekommen. Der CCC hatte schon vor Tagen mitgeteilt, in Zahlungsnöten zu sein.

Die Probleme mit bestimmten Hypotheken-Anleihen hätten sich in den vergangenen Tagen dermaßen ausgeweitet, dass die Liquidität des Unternehmens ernsthaft in Gefahr sei, hatte es Anfang des Monats geheißen. Die Forderungen der Banken konnte die vor allem in Hypothekenpapiere investierte CCC nicht befriedigen.

Da sich die Bewertung des von der CCC gehaltenen Anlagevermögens in den vergangenen Tagen nochmals verschlechterte, erhöhten sich nach Angaben von CCC die Forderungen der Gläubiger abermals. Daraufhin erklärte der Fonds die Gespräche für gescheitert.

Damit können die Kreditgeber nun auf dessen Portfolio zugreifen. Credit Suisse begann bereits offenbar mit dem Verkauf einiger Teile des CCC-Portfolios. Dabei handele es sich aber nicht um einen Panik-Verkauf des gesamten Bestands, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die Schweizer Großbank lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Dem CCC-Jahresbericht zufolge gehörten Ende 2007 auch die Deutsche Bank, UBS, Bear Stearns, Bank of America, BNP Paribas, Citigroup, ING, JPMorgan Chase und Merrill Lynch zu den Geschäftspartnern des Fonds.

Experten befürchten, dass Zwangsverkäufe eines Fonds dieser Größe einen Teufelskreis auslösen könnten: Sollte Carlyle gezwungen werden, große Teile seines Portfolios auf den Markt zu werfen, um die Sicherheitsforderungen der Banken zu erfüllen, könnte der Kurs der Papiere so weit absacken, dass auch andere Fonds zu Notverkäufen gezwungen werden. Die Intermediate Capital Group, ein Anbieter von Hybridkapital bei Übernahmefinanzierungen, teilte am Freitag vergangener Woche mit, dass sie ihren 1,1 Mrd. Euro schweren Fonds zum Teil refinanziert habe, um solchen Marktreaktionen zu entgehen.

Eine Liquidierung des gesamten Fonds hätte nach Einschätzung von Kreditanalyst Jochen Felsenheimer von Unicredit auch signifikante Auswirkungen auf die Kreditmärkte. Immerhin seien Hedge-Fonds in der Zwischenzeit für einen signifikanten Teil der Tagesumsätze an den weltweiten Kreditmärkten verantwortlich. Außerdem wäre in der Folge mit einer Ausweitung der Spreads zu rechnen. Diese hätten an den Kreditmärkten aber bereits jetzt Niveaus erreicht, die jederzeit weitere Zwangsverkäufe durch andere in Bedrängnis geratene Finanzteilnehmer auslösen können.

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