Finanzkrise: Gefährlicher Unterschied

Finanzkrise: Gefährlicher Unterschied

Das Geschäftsklima in Deutschland kippt ab, das Ifo-Institut erklärt den Aufschwung für beendet, und Öl will trotz Krisengipfel einfach nicht billiger werden. Wenigstens ist die Bundesbank vergleichsweise optimistisch und rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft nach der aktuellen Schwächephase bis Jahresende wieder an Fahrt gewinnt.

Richtig Freude macht das Börsianern allerdings auch nicht - schließlich dürfte es die Basis dafür sein, dass die Notenbanker Anfang Juli und womöglich dann noch einmal im September die Zinsen anheben.

Rund zehn Prozent verlor der Dow Jones in den vergangenen fünf Wochen. Der Euro Stoxx ist unter sein bisheriges Jahrestief vom März gerauscht, der Dax hat bis dahin noch etwas Luft. Die Stimmung an den Märkten ist mies, Crash-Prognosen machen die Runde. Eigentlich sollte das die Stunde abgebrühter Antizykliker sein.

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Immerhin, Geld ist da, in Hülle und Fülle. Gerade hat uns ein Vermögensverwalter sein Leid geklagt, dass er gar nicht weiß, wohin mit seinem ganzen Cash. Könnte es nicht wieder so kommen wie im Januar oder im März? Damals dauerte die akute Talfahrt im Dax einmal 18 und einmal 14 Tage. Jetzt sind es seit der Spitze im Mai schon 26 Tage. Da wäre eine Erholung eigentlich überfällig.

Es besteht allerdings ein gefährlicher Unterschied. Sowohl ab Mitte Januar als auch vor allem im März gab es in wachsendem Maße Hedge-Positionen; also Spekulationen auf fallende Kurse und Absicherungen in bestehenden Depots. Das aber bedeutete im Umkehrschluss: Sehr viele rechneten durchaus mit sinkenden Kursen – und gerade deshalb erholte sich der Markt. Die schnellen Gewinne bis Mitte Mai waren auch den Short-Eindeckungen zu verdanken, mit denen sich die Baissiers Schritt für Schritt wieder zurück ziehen mussten. Und jetzt? Nach allem, was wir hören, scheint der Grad der Absicherung in den Depots und die Zahl der Baisse-Spekulanten geringer zu sein als im März. Das ist eine offene Flanke, mit der die Märkte leben müssen. Wer baut jetzt, auf dem erreichten niedrigen Niveau bei anziehenden Volatilitäten, noch gern neue Short-Positionen auf?

Die stärkste Hoffnung kommt eigentlich vom Markt selbst. Der Dow Jones ist immer wieder für eine Überraschung gut; und wenn ein Index es schafft, aus dem Stand zu drehen, dann der Oldie aus Übersee. Zwischen 11.300 und 11.500 Punkten verlaufen mehrere Unterstützungen. Vielleicht geht´s ja gut, und die Notierungen starten von hier aus eine – verhaltene – Sommer-Erholung. Darauf wetten würden wir aber nicht.

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