Finanzkrise: Hedgefonds-Manager: Müde Krieger

Finanzkrise: Hedgefonds-Manager: Müde Krieger

Londons Hedgefonds werden von Jägern zu Gejagten.

Als superclevere Finanzjongleure und rebellisch-mutige Aktionäre wurden sie einst gefeiert. Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten aber gerät die Welt der Hedgefonds-Manager aus den Fugen. Manche fürchten auf einmal, vom Jäger zum Gejagten zu werden. Die größte börsennotierte Hedgefonds-Gesellschaft der Welt ruft sogar die Aufsicht zur Hilfe: Die Londoner Man Group will sich vom britischen Regulierer Financial Services Authority (FSA) auf die Liste der vor Leerverkäufen geschützten Aktiengesellschaften setzen lassen. Mit Leerverkäufen von geliehenen Aktien wetten Spekulanten wie Man Group sonst selbst auf fallende Kurse – bei anderen, versteht sich. Der Flaggschiff-Fonds von Man war im letzten Quartal deutlich schlechter als die Konkurrenz, der Aktienkurs brach in sechs Wochen um 36 Prozent ein.

Eher auf Angriff als auf Verteidigung setzen die früheren Hedgefonds-Stars Atticus und TCI. Sie wollen das Management der Deutschen Börse zu Verkäufen von Unternehmensteilen und höheren Ausschüttungen zwingen. Jetzt suchen sie Aufsichtsräte, die sie dabei unterstützen wollen. Beide Hedgefonds wurden von den Folgen der Finanzkrise gebeutelt – angeblich machte TCI allein im zweiten Quartal rund elf Prozent Verlust. Atticus hat seit Jahresbeginn rund 33 Prozent an Wert verloren. Schuld daran ist auch der Aktienkursverfall der Deutschen Börse, an der beide zusammen 19,3 Prozent halten. Die Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 50 Prozent verloren. Die deutsche Salzgitter, an der TCI-Chef Christopher Hohn im April über drei Prozent erwarb, hat seither ein Drittel ihres Börsenwerts eingebüßt.

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Probleme hat Hohn auch mit anderen Investments. In Japan scheiterte er mit dem Versuch, seinen Anteil am Stromversorger J-Power auf 20 Prozent zu verdoppeln. In den USA lieferte er sich mit dem Management des Bahnbetreiber CSX einen Kleinkrieg und musste deshalb sogar zum Kreuzverhör vor einem New Yorker Richter. Jetzt zeigt der Hedgefonds-Recke Anzeichen von Kampfesmüdigkeit. Zwar sei es für TCI profitabel gewesen, ein aktivistischer Investor zu sein. Doch diese Strategie sei auch teuer und unberechenbar. „Wir haben oft nach hervorragenden Unternehmen mit schwachen Management Ausschau gehalten – so bei der Deutschen Börse, Euronext und CSX“, sagte Hohn kürzlich. Das werde viel schwieriger, weil das politische und regulatorische Umfeld sich ändere, so Hohn: „Wir werden in der Zukunft vorsichtiger sein, denn ehrlich gesagt ist Aktivismus ganz schön hart.“

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