Finanzkrise: Island wird erneut zum Zinsen-Paradies

Finanzkrise: Island wird erneut zum Zinsen-Paradies

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Islands Premierminister Geir Haarde beim Treffen der nordischen Premierminister in Helsinki

Überlebenskampf im hohen Norden: Im Ringen um den drohenden Staatsbankrott greift Island zu drastischen Maßnahmen. Heute hat die isländische Zentralbank ihren Leitzins von zwölf auf 18 Prozent erhöht. Nachbarländer haben finanzielle Hilfen zugesagt – doch die Kaupthing-Bank liegt nach wie vor am Boden.

Nur zwei Wochen nach einer Zinssenkung hat Island seine Leitzinsen wieder massiv angehoben: In einem überraschenden Schritt hob Islands Notenbank die Leitzinsen von 12 auf 18 Prozent an. Islands Notenbank begründete die Kehrtwende mit der Erfüllung von Auflagen des internationalen Währungsfonds (IWF). Eine Anhebung der Leitzinsen sei Bedingung für die Gewährung des IWF-Kredits über 2 Milliarden Dollar gewesen. Außerdem soll damit die Landeswährung unterstützt werden und der Devisenhandel wiederbelebt werden. Ob das wirklich funktioniert, ist fraglich: Analysten meinten heute bereits, dass die Anhebung die isländische Krone um nichts attraktiver mache.

Bei der Kaupthing-Bank, von deren Pleite tausende deutsche Anleger betroffen wären, ist die Lage weiterhin dramatisch: Gestern verursachte die Kaupthing-Bank den ersten Zahlungsausfall einer europäischen Bank am japanischen Anleihemarkt. Die Kaupthing-Bank kann bei einem sogenannten Samurai-Bond (eine auf japanische Währung lautende Anleihe ausländischer Emittenten) offenbar die Kupon-Zahlung von 450 Millionen Yen (3,9 Millionen Euro) nicht mehr leisten. Dies meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Bezugnahme auf zwei nicht genannte Investoren der Bankanleihe. Der Zahlungsausfall ist ein schlechtes Zeichen: Denn er deutet darauf hin, dass die Kaupthing-Bank möglicherweise nicht alle der von ihr emittierten Papiere über insgesamt 21,4 Milliarden Euro bedienen wird.

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Island benötigt weitere vier Milliarden Dollar

Erst am 15. Oktober hatte die Zentralbank der Atlantik-Insel den Leitzins um 3,5 Prozentpunkte auf 12,0 Prozent gesenkt. Islands Staatshaushalt gilt wegen des faktischen Zusammenbruchs der drei größten Banken als akut gefährdet. Das Land steht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds in jedem Fall vor „sehr harten Zeiten“ und müsse für dieses Jahr mit einem Minus beim Bruttoinlandsprodukt von zehn Prozent rechnen. Die Währung der kleinen Inselrepublik mit 320.000 Einwohnern hat in den letzten zwölf Monaten knapp drei Viertel ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren.

Doch der vor kurzem beschlossene Kredit des IWF über zwei Milliarden Euro reicht laut Aussage der isländischen Regierung nicht aus. Der Inselstaat benötigt weitere vier Milliarden Euro, um zahlungsfähig zu bleiben. Deshalb setzt Islands Ministerrpräsident Geir Haarde alles daran, seine Nachbarn bei einem Krisengipfel in Helsinki von Finanzzspritzen zu überzeugen. Island hofft, dass Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland sowie die EZB und die US-Notenbank Fed insgesamt vier Milliarden Dollar lockermachen. Eine entsprechende Anfrage hat Island am Freitag versandt, wie heute bekannt wurde.

Heute haben die skandinavischen Regierungschefs versichert, zu Hilfen bei der Bewältigung der Finanzkrise bereit zu sein. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, dass die nordischen Länder eine besondere Verantwortung für den gemeinsamen Nachbarn trügen

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