Finanzkrise: Keine nationale Lösung für Kaupthing-Kunden

Finanzkrise: Keine nationale Lösung für Kaupthing-Kunden

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Die Kaupthing-Bank in Reykjavik

Isländische Banken stehen mit Milliarden bei deutschen Insituten in der Kreide. Ein Grund, warum das Bundesfinanzministerium auf eine Lösung für Islands gesamten Finanzsektor setzt. Aber was bedeutet das für deutsche Sparer, die ihr Geld auf der Insel angelegt haben? wiwo.de zeigt, wie andere Länder bisher vorgegangen sind.

Banken aus Deutschland machen mehr Geschäfte mit Island als Institute aus jedem anderen Land dieser Welt.

Isländische Geldhäuser und sonstige Kreditnehmer schulden deutschen Banken über 21 Milliarden Dollar, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervorgeht. Das entspricht rund einem Drittel aller Schulden des finanziell beinahe kollabierten Inselstaats im Nordatlantik.

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Island ist im Zuge der weltweiten Finanzkrise an den Rand des Zusammenbruchs geraten. Die drei größten Banken des Landes hatten sich verspekuliert und mussten verstaatlicht werden. Um die Wirtschaft zu retten, braucht Island mehrere Milliarden Dollar.

Um die drohende Staatspleite in Island abzuwenden, setzt das Bundesfinanzministerium in Deutschland nicht auf eine nationale Lösung. „Eine nationale Lösung ist die Ultima Ratio”, bestätigte ein Ministeriumssprecher in Berlin am Donnerstag einen Bericht der Neuen Ruhr / Neuen Rhein Zeitung. „Wir verschärfen die Probleme, wenn wir die deutsche Brille aufhaben“, sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums zu wiwo.de. Es gehe vielmehr um eine Lösung für den gesamten Finanzsektor in Island.

In Bezug auf private Sparer aus Deutschland, die aufgrund der eingefrorenen Konten seit mehr als zwei Wochen nicht an ihr Geld kommen, fügte er hinzu: „Wir bemühen uns um eine Lösung, die im Rahmen einer Gesamtlösung die deutschen Kunden nicht gegenüber anderen diskriminiert.“ Man setze sich dafür ein, dass die Sparer ihre Ansprüche aus der isländischen Einlagensicherung bekämen.

In Deutschland ist neben 30.000 Privatkunden der zwangsverstaatlichten Kaupthing-Bank auch die Bayerische Landesbank vom weitgehenden Zusammenbruch des isländischen Finanzsystems betroffen. Sie hatte sich dort mit 1,7 Milliarden Euro engagiert. BayernLB-Chef Michael Kemmer rechnet allein aus dem Island-Engagement mit Abschreibungen von 800 Millionen Euro.

In den letzten Wochen hatten mehrere Regierungen Hilfe für Island angekündigt. Eine Welle von ausländischen Kredithilfen sollen die drohende Staatspleite abwenden.

Wie Regierungssprecher in Reykjavik und Oslo mitteilten, wurden gestern Verhandlungen über ein „erweitertes Hilfsprogramm“ aus Norwegen aufgenommen. Man könne „ein Schwestervolk in Not“ nicht alleinlassen, sagte Handels- und Verkehrsministerin Liv Signe Navarsete. Offen blieb, ob und in welchem Maß sich auch andere nordeuropäische Länder an der Initiative beteiligen wollen.

Die britische Zeitung "Financial Times" berichtete, dass die britische Regierung einen Kredit über 3,8 Milliarden Euro für die in akute Finanznot geratene Atlantikinsel vorbereitet. Damit solle vor allem das Geld heimischer Anleger in isländischen Banken gesichert werden, hieß es in dem Bericht. Der drohende Zusammenbruch der drei größten und im Ausland hoch verschuldeten Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir gilt als Gefahr für den kompletten Staatshaushalt auf der Atlantikinsel mit 320.000 Einwohnern.

Bis zum Wochenende wird die Veröffentlichung eines Hilfspaketes durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) über mehr als vier Milliarden Euro erwartet. Daran will sich neben nordeuropäischen Nationalbanken auch Japan beteiligen. Auch in Moskau haben isländische Regierungsvertreter über einen Milliarden-Kredit verhandelt.

Islands Ministerpräsident Geir Haarde kündigte in einem Zeitungsinterview ein Regierungsprogramm gegen die befürchtete Wirtschaftskrise an. Das Land habe eine intakte Produktionsstruktur mit der Fischereiwirtschaft, zunehmendem Tourismus sowie der lukrativen Herstellung von Aluminium. Die Landeswährung Krone hat im Lauf der letzten zwölf Monate knapp drei Viertel ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren.

Schon vor zehn Tagen meldete die amerikanische Nachrichtenagentur AP, dass die Bank of England der zusammengebrochenen isländischen Landsbank 100 Millionen Pfund (128 Millionen Euro) leiht.

Auch englische Kommunen investierten Millionen

Mit dem Darlehen sollte sichergestellt werden, dass alle britischen Gläubiger der Landsbanki ihr Geld zurückerhalten, sagte der britische Finanzminister Alistair Darling. Das isländische Finanzinstitut ist die Muttergesellschaft der Direktbank IceSave, die in Großbritannien seit 2006 tätig ist. Eine ähnliche Lösung zwischen verschiedenen Banken gab es in Finnland.

Insgesamt werden die Einlagen britischer Privatpersonen, Unternehmen und nicht zuletzt auch Gemeinden auf gut fünf Milliarden Euro geschätzt. Berichten zufolge haben englische Kommunen wegen des lukrativen Zinssatzes Millionen Pfund in Island angelegt.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP vom 12. Oktober haben nach dem Zusammenbruch der isländischen Landsbanki auch niederländische Sparer die Aussicht auf eine Auszahlung ihrer Guthaben. Laut einer Einigung zwischen Den Haag und Reykjavik entschädigt die isländische Regierung jeden niederländischen Kontoinhaber bis zu einer Höhe von maximal 20.887 Euro. Die Regierung in Den Haag stellt dafür einen Kredit zur Verfügung. Das Geld geht an die Kunden der Direktbank IceSave, ein Tochterunternehmen der Landsbanki, das in den Niederlanden seit Mai und in Großbritannien seit dem Jahr 2006 tätig war.

Die deutsche Regierung stehe weiter in Kontakt mit den isländischen Behörden, sagte der Ministeriumssprecher in Berlin heute. Wann genau die Gespräche zu einer Lösung führen, das lasse sich aber noch nicht sagen.

Deutsche Banken sind größte Kreditgeber von Island

An zweiter Stelle der Island-Gläubiger stehen nach den BIZ-Daten (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), die sich auf Ende Juni beziehen, die britischen Banken mit Forderungen von vier Milliarden Dollar. Schweden kommt dagegen beispielsweise nur auf knapp 400 Millionen Dollar.

Auch mit anderen Ländern, deren Wirtschaften in den vergangenen Jahren ebenfalls stark geboomt haben, machten deutsche Banken außergewöhnlich viele Geschäfte. So haben sie gegenüber Irland, dessen Immobilienblase gerade platzt und das in eine Rezession rutscht, laut BIZ-Daten Forderungen von 241 Milliarden Dollar. Damit liegen sie erneut an der Spitze vor Großbritannien, das in Irland rund 227 Milliarden Dollar ausstehen hat.

Auch gegenüber Spanien und Großbritannien, die mit Problemen im Immobiliensektor kämpfen, haben deutsche Banken im Vergleich zu Geldinstituten aus anderen Ländern relativ hohe Forderungen.

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