Finanzkrise: Rettungspaket der Regierung: Vollgas im Nebel

KommentarFinanzkrise: Rettungspaket der Regierung: Vollgas im Nebel

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Christian Ramthun

Bei Nacht und Nebel einen Schwerkranken in die Klinik fahren, und zwar ohne Navi – so sieht die Aufgabe der Bundesregierung in der Finanzmarktkrise aus. Um den Bankensektor zu retten, setzen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbrück die finanzielle Stabilität Deutschlands aufs Spiel. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Christian Ramthun.

Merkels und Steinbrücks Rettungsplan umfasst Garantien für das Interbankengeschäft im Volumen von sagenhaften 400 Milliarden Euro. Kein Mensch kann sich unter dieser gigantischen Summe etwas vorstellen. Und alle Bürger sollten dafür beten, dass diese Garantien niemals fällig werden. Die Folge wären immense Haushaltslöcher, für die wir mit Steuererhöhungen und Schuldendiensten bis in unsere Enkelgeneration aufkommen müssten.

Da lindert es nur mäßig den Schmerz, wenn Steinbrück die haushaltswirksamen Verpflichtungsermächtigungen nur auf 100 Milliarden Euro veranschlagt – für tatsächliche Ausfälle bei den Garantien und für Beteiligungen bei strauchelnden Banken.

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So wenig derzeit Alternativen ist Sicht sein mögen, so sehr müssen Regierung, Opposition, Medien und Bürger von nun an jeden weiteren Rettungsschritt hochkonzentriert begleiten. Der Einsatz unserer öffentlichen Gelder muss Tag für Tag von neuem rechtfertigt werden. Und: Unsere Politiker dürfen sich jetzt nicht Allmachtsphantasien hingeben. Niemand möge vergessen, dass es staatliche Banken gewesen sind, die wie IKB, KfW, West LB oder Sachsen LB als erste bereits in die Knie gingen.

Wenn Steinbrück nun also den Zampano spielen und den Banken ihre Geschäfte diktieren möchte – wie heute angedroht -, dann könnte am Ende die Rettungsaktion doch noch schief gehen – oder, um im Bild zu bleiben: die Ambulanz gegen den Baum am Klinikeinfahrtstor donnern.

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