Finanzkrise: Ringen um US-Rettungspaket führt zu Rekordanstieg bei Ölpreis

Finanzkrise: Ringen um US-Rettungspaket führt zu Rekordanstieg bei Ölpreis

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Ölpumpen in Divernon, Illinois

Die US-Regierung ringt zur Zeit um das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für amerikanische Banken. Doch Investoren zeigen sich weiter verunsichert. Gestern kletterte der Ölpreis zeitweise um 25 Dollar pro Fass - ein noch nie dagewesener Tagesanstieg. Nun hat sich die Lage wieder etwas entschärft.

In den USA dürften sich die Beratungen über das milliardenschwere Rettungspaket für die kriselnde Finanzbranche bis in die kommende Woche hinziehen. Die US-Regierung und der Kongress stritten gestern erbittert um Details des Pakets, mit dem die Regierung in Washington einen Rettungsfonds für faule Kredite bilden will. Eine rasche Einigung war nicht in Sicht.

Heute hat der Ölpreis  nach seinem Rekordanstieg am Vortrag wieder nachgegeben. Das Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich gegenüber dem späten US-Handel um 0,3 Prozent auf 109,03 Dollar. Nordseeöl der Sorte Brent wurde 0,4 Prozent günstiger bei 105,66 Dollar je Fass gehandelt.

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Händler führten den Preisrückgang auf Gewinnmitnahmen und wachsende Skepsis über die Wirksamkeit des Rettungspaketes der US-Regierung für die Bankenbranche zurück. Gestern hatten der Ablauf des aktuellen Terminkontraktes an der New Yorker Rohstoff-Börse Nymex sowie die Schwäche des US-Dollar den Ölpreis in einem nervösen Handel zeitweise um mehr als 25 Dollar auf 130 Dollar in die Höhe getrieben. Damit verzeichnete der Ölpreis den höchsten Tagesanstieg aller Zeiten.

Tauziehen zwischen US-Regierung und Senatoren

Der einflussreiche Republikaner im Bankenausschuss des Senats, Richard Shelby, lehnte die jetzige Fassung ab und forderte die Prüfung von Alternativen. „Ich fürchte, dass der Vorschlag des Finanzministeriums weder durchführbar noch umfassend genug ist“, teilte Shelby mit. „Meiner Meinung nach wäre es dumm, riesige Summen an Steuergeldern an einer Idee zu verschwenden, die hastig zusammengeschustert wurde.“

Die demokratische Senatorin von New York, Hillary Clinton, forderte zudem die Schaffung einer Einrichtung, wie sie auch zur Bekämpfung der Großen Depression eingesetzt worden war. Diese soll den amerikanischen Bürgern zunächst ihre Hypotheken abkaufen und dann später weiterverkaufen, sagte Clinton.

Die Regierung wies ihrerseits Kreisen zufolge Forderungen aus dem Kongress zurück, wonach sie sich an Unternehmen beteiligen soll, denen sie faule Kredite abgekauft hat. Zugleich unterstrich die Regierung die Notwendigkeit einer schnellen Zustimmung zu ihren Vorschlägen. Nur so könne Schaden von der Gesamtwirtschaft abgewendet werden, teilte das Weiße Haus mit.

Zuvor hieß es, die Regierung habe einige Änderungen an dem Paket akzeptiert. Der Vorsitzende des Finanzmarktausschusses des Repräsentantenhauses, Barney Frank, sagte, das Finanzministerium stimme einer stärkeren Unterstützung von Hausbesitzern und der Einrichtung eines Überwachungsgremiums zu, das seine umfangreichen Befugnisse begrenzen soll. Die Demokraten hatten zuvor Gegenvorschläge zu dem 700 Milliarden Dollar schweren Paket der Regierung vorgelegt. US-Präsident George W. Bush hatte mitgeteilt, dass die Beratungen im Kongress gut vorankämen.

Wirtschaftsweiser denkt an Paket für deutsche Banken

 Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat ein eigenes deutsches Hilfspaket für besonders von der Finanzkrise betroffene hiesige Banken ins Gespräch gebracht, um Wettbewerbsnachteile zu verhindern. „Man muss sich überlegen, dass amerikanische Banken, wenn es ihnen möglich ist, ihre Bilanzen zu säubern, wenn es ihnen also möglich ist, die schlechten Forderungen an den Staat zu verkaufen und sich dadurch wieder zu stabilisieren, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Banken haben, denen das nicht möglich ist“, sagte Bofinger heute dem Deutschlandfunk.

Man müsse daher in Deutschland prüfen, ob es deutsche Banken gebe, die dadurch Wettbewerbsnachteile erlitten. Dann könnte der deutsche Staat ihnen Forderungstitel abkaufen. Bofinger relativierte Befürchtungen, dass in einem solchen Fall riesige Milliardenlasten auf den deutschen Steuerzahler zukämen. Übernehme der Staat solche brisanten Immobilienforderungen, dann heiße das nicht zwangsläufig, dass dies den Staat langfristig größere Summen kosten müsse. Diese Forderungen seien zwar momentan nur sehr wenig Wert, in einigen Jahren könnte das aber schon wieder ganz anders aussehen.

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