Finanzkrise: Scheitern des US-Rettungspakets drückt Dax auf Jahrestief

Finanzkrise: Scheitern des US-Rettungspakets drückt Dax auf Jahrestief

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Deutsche Börse Dax

Bittere Zeiten für Investoren: Das Scheitern des US-Rettungspakets führte zu deutlichen Kursabschlägen an den Weltbörsen. Auch die Frankfurter Börse blieb davon nicht verschont. Der Dax fiel auf den tiefsten Stand seit August 2006. Die Turbulenzen in den USA verschärfen auch den Ton im US-Wahlkampf.

Nach dem Scheitern des US-Rettungspakets und den Kursabschlägen an den internationalen Börsen ist der deutsche Aktienmarkt heute ebenfalls sehr schwach gestartet. Das Minus fiel allerdings zunächst nicht so groß aus wie in den USA und an den asiatischen Märkten. Der deutsche Aktienindex Dax verlor bereits kurz nach der Handelseröffnung rund zwei Prozent auf 5667 Punkte, den tiefsten Stand seit August 2006.

Bis gegen 09.30 Uhr gab der Dax im Vergleich zum Vortag um 1,93 Prozent auf 5.695 Punkte nach. Abermals waren Finanztitel quasi im freien Fall: Die Commerzbank verlor 14,6 Prozent. Die Aktie des Frankfurter Bankenriesen hat sich damit binnen eines Jahres von deutlich über 30 Euro auf unter 10 Euro verbilligt. Auch die Deutsche Bank gab 4,2 Prozent nach, die Allianz verlor 3,8 Prozent. Der MDax gab in den ersten Handelsminuten 2,1 Prozent nach, der TecDax sogar 2,4 Prozent.

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In den USA hatten sich sich die Anleger geschockt darüber gezeigt, dass das Repräsentantenhaus gestern Abend den am Wochenende mühsam ausgehandelten Kompromiss ablehnte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verzeichnete seinen größten Tagespunktverlust aller Zeiten. Der Leitindex fiel knapp sieben Prozent auf 10.365 Punkte. Der Dow pendelte zwischen 10.365 und 11139 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 8,8 Prozent auf 1106 Zähler. Der Index der Technologie-Börse Nasdaq schoss 9,1 Prozent in den Keller auf 1983 Punkte, sein größter prozentualer Tagesverlust seit April 2000.

In Frankfurt schloss der Dax 4,2 Prozent gestern Abend im Minus auf 5807 Zählern. Kurz vor Handelsschluss hatte der Leitindex ein neues Jahrestief von 5802 Zählern markiert. 228 Abgeordnete stimmten im Repräsentantenhaus nach dreistündiger Debatte gegen das Hilfspaket über 700 Milliarden Dollar, nur 205 Abgeordnete votierten dafür. Präsident George W. Bush zeigte sich tief enttäuscht über das Ergebnis und wollte umgehend mit Finanzminister Henry Paulson, Notenbankchef Ben Bernanke und der Kongressspitze über das weitere Vorgehen beraten. „Wir arbeiten weiter an einer Strategie, die uns voranbringt“, sagte er.

Schärferer Ton im US-Wahlkampf

Die Ablehnung des Pakets verschärft auch den Ton im US-Präsidentschaftswahlkampf. Beide Kandidaten machten sich gegenseitig für das Desaster verantwortlich. Der demokratische Kandidat Barack Obama warf seinem republikanischen Rivalen John McCain vor, seit 20 Jahren gegen eine Regulierung des Finanzsystems gekämpft zu haben.

McCain konterte, Obama stelle nicht das Land, sondern seine persönlichen Ziele an die erste Stelle. Nachdem der Dow-Jones-Index um nahezu 780 Punkte abstürzte - dem größten Verlust nach Punkten aller Zeiten - ließ McCain seinen Wirtschaftsberater Doug Holtz-Eakin zunächst mitteilen, dies sei die Schuld von Obama und den Demokraten. Im Repräsentantenhaus stimmten allerdings zwei Drittel der Republikaner gegen das 700-Milliarden-Dollar-Paket - von den Demokraten waren 40 Prozent dagegen. McCain sagte dazu und zum Statement seines Beraters: „Jetzt ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen, es ist die Zeit, das Problem zu lösen.“

Obama und den Demokraten warf er später vor, einen unnötigen Parteienstreit in die Diskussion hineingebracht zu haben. McCain rief die Abgeordneten auf, sofort wieder an die Arbeit zurückzukehren, um die notwendige Gesetzgebung zu verabschieden. Obama stellte McCain unterdessen auf Wahlkundgebungen als einen Politiker da, der seit Jahren für die Deregulierung im Finanzwesen gewesen und deshalb mitverantwortlich für die Krise sei. McCain habe „gegen Regulierungen nach dem gesunden Menschenverstand seit Jahrzehnten gekämpft, allein in diesem Jahr hat er 20 Mal weniger Regulierung gefordert und kürzlich in einem Interview gesagt, Deregulierung habe sogar unserem Wirtschaftswachstum geholfen. Senator, von welcher Wirtschaft sprechen Sie?“ Die USA könnten es sich nicht leisten, dass McCain diese Politik als Präsident fortsetze.

Obama in Umfragen in Führung

Seit der Verschärfung der Finanzkrise durch den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers vor zwei Wochen liegt Obama in Umfragen deutlich vor McCain. In einer Befragung des Instituts Gallup sprachen sich 50 Prozent für den Demokraten und 42 Prozent für McCain aus. McCain hat zwar versucht, sich als Kandidat zu präsentieren, der die Finanzmärkte kontrollieren könne, während er Ausgaben und Steuern kürze und so die Bürger entlaste. Mit Obama drohe eine Ära hoher Steuern und wachsender Ausgaben, erklärte er.

Gegen McCain spricht aber seine bisherige Arbeit für eine weitere Deregulierung. Hinzu kamen unglückliche Äußerungen wie die am Tag der Lehman-Pleite, als er erklärte, die US-Wirtschaft sei im Grunde stark.

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