Finanzkrise: Steuermilliarden für Spitzenbanker

KommentarFinanzkrise: Steuermilliarden für Spitzenbanker

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Dr. Friedrich Thelen

In den USA gönnen sich Vorstände von Banken großzügige Prämienzahlungen und Boni. Aber das passiert auch in Deutschland. Ein Gastkommentar von Friedrich Thelen.

In Amerika ist fast alles möglich. Gut für die politische Kultur, wenn Barack Obama Präsident werden kann. Schlecht hingegen ist, wenn in der US-Finanzwelt Erscheinungen auftreten, die man sich hier bis vor kurzem nicht einmal träumen ließ.

So hat das Wall Street Journal in verdienstvoller Recherche aus den Bilanzen von Goldman Sachs, JP Morgan, Citigroup und Bank of America herausdestilliert, dass diese vier Finanzinstitutionen ihren Vorständen noch Prämienzahlungen und Boni in Höhe von über 30 Milliarden US-Dollar schulden.

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Listig waren diese Summen in den Bank-Bilanzen untern dem nichtssagenden Titel „Andere Verbindlichkeiten“ versteckt. Zum Skandal werden diese Zahlungen durch die Tatsache, dass es genau diese Finanzhäuser sind, die vom Steuerzahler mit sagenhaften 85 Milliarden US-Dollar vor dem Bankrott gerettet wurden.

Mehr als tausend normale Bankangestellte an Pension erhalten

Was das US-Spitzenpersonal sich großzügig gegönnt hat und auf dessen Auszahlung es nun besteht, ist mehr, als die vielen tausend normalen Bankangestellten an Pension bekommen. Zwar hat der US-Kongress diese Praxis bremsen wollen, indem er die Empfänger von Steuermilliarden zur Reduzierung der gigantischen Boni verpflichtetet.

Aber rein rechtlich berührt das die Ansprüche der Spitzenbanker nicht. Nur wenn, wie bei Lehman Brothers geschehen, das Institut pleite geht, entfällt mangels Masse die übliche Zahlung. Insofern sind die Spitzenbanker auch glänzende Gewinner bei der Staatsrettungsaktion. Sage im Übrigen niemand, bei uns gebe es das nicht.

So erhalten die Angestellten der Dresdner Bank-Tochter Dresdner Kleinwort (dem internationalen Investitionshaus der Dresdner Bank) laut Aussage einer Video-Botschaft von Dresdner Bank-Vorstand Stefan Jentzsch an seine Mitarbeiter die beruhigende Botschaft, dass es einen mit 400 Millionen Euro gefüllten Boni-Topf gibt. Das stößt sauer auf. Denn das neue Mutterhaus für die Dresdner Bank und ihre Töchter, die Commerzbank, empfängt ebenfalls Milliarden aus der deutschen Steuerkasse.

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