_

Finanzkrise: Überleben im "Krieg gegen Finanzterror"

von Mark Böschen

Die Autokrise führt US-Präsident Barack Obama zu einem härteren Kurs gegen Wall Street. Auch deutsche Anleger müssen lernen, an politisch gelenkten Börsen zu bestehen.

Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen
Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Ein Wutanfall des US-Präsidenten hat die Finanzbranche alarmiert. Als Obama den Rettungsplan für den Autohersteller Chrysler verkündete, prangerte er „eine Gruppe von Investmentfirmen“ an. „Ich stehe auf der Seite der Arbeiter“, sagte Obama. „Ich stehe nicht bei denen, die sich widersetzen, wenn alle anderen Opfer bringen.“ Dabei hatten die Investoren nur auf ihre Rechte als erstrangige Gläubiger gepocht - und müssen zusehen, wie die rechtlich schlechter gestellte Gewerkschaft die Mehrheit der Chrysler-Aktien erhält.

Anzeige

Obamas Wutrede ist ein Wendepunkt, urteilt Bill Gross, Anlagechef von Pimco, dem Anleihe-Spezialisten der Allianz: „Diese Worte markieren den Anfang eines Krieges gegen den öffentlich wahrgenommenen Finanzterror.“ Politisch halte er eine „Neubalancierung des Vermögens von den Reichen zu den weniger Reichen“ zwar für überfällig, sagt Gross. Doch als Investor gelte es, „nicht geblendet wie das Reh vor den Scheinwerfern eines heranrasenden Lastwagens stehen zu bleiben“.

Einer der mächtigsten Investoren der Welt hat Angst, vom aktuellen Politikwechsel überfahren zu werden: Das sollte auch deutschen Anlegern zu denken geben. Dass der Wind hierzulande gedreht hat, zeigt der harte Kurs gegen Minderheitsaktionäre der Hypo Real Estate, allen voran US-Pleitebanken-Spekulant J.C. Flowers.

Bankaktien sind zu Politbarometern verkommen

Folgen der Rettungspakete durchkreuzen aber auch risikoarme Anlagestrategien von Fonds und Versicherern. „Die Mechanik der Märkte ändert sich“, klagt der US-Fondsanbieter GMO. So verzerrten die Eingriffe der Zentralbanken den Devisenmarkt. Bei Anleihen herrsche Durcheinander, weil die Flut neuer Staatsanleihen zur Finanzierung der Rettungspakete alles Geld aufsaugt und kaum Nachfrage für Firmenbonds übrig lässt. Und wenn Anleihekäufer fürchten, bei Insolvenzen ihr Recht zu verlieren, macht das Bonds riskanter. An der Börse sorgt Niedersachsen durch Porsches mögliche Notfusion mit VW für mehr politischen Kurs-Einfluss. Bankaktien sind wegen der Staats-Abhängigkeit völlig zu Politbarometern verkommen. Größter politischer Unsicherheitsfaktor für den Markt aber ist die Frage, wann die Milliarden aus den Hilfspaketen verbrannt sind und ob sich die Erholung dann als Strohfeuer erweist.

Anlagegewinne werden daher unsicherer — und noch dazu stärker umverteilt, so Gross. Er empfahl im Januar den „Handschlag mit der neuen Regierung“: Kaufe, was sie kauft – nur vorher, so die Strategie. Nun räumt der Pimco-Manager ein, dass schwer vorherzusagen ist, wo die Hand des Staates als Nächstes zuschlägt.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.05.2009, 09:39 UhrAnonymer Benutzer: Kurt

    @TSOL Nein! ich finde es befremdlich, dass man von einer Firma die ohne Staatsgeld pleite wäre etwas fordern kann. Die Rechte von Flowers bestehen gegenüber der HRE. Die hat aber nichts mehr. Flowers hat keinerlei Anspruch gegenüber dem Steuerzahler. Von dem käme aber alles Geld das bei der HRE jetzt noch zu holen wäre. Ähnliches gilt für bonusforderungen bei der Dresdner oder AiG in Amerika. ich habe innerhalb meiner bescheidenen Möglichkeiten auch schon Geld an der börse versenkt und kann mich nicht erinnern das jemals vom Steuerzahler zurückgekriegt zu haben. Und wofür ich wirklich eintrete ist das Gegenteil. ich bin für bürgerrechte, die gibt es aber nur mit Eigenverantwortung. Heißt in dem Fall: iCH habe gezockt - iCH habe verloren. Der Steuerzahler hat damit nichts zu tun und sollte dafür auch nicht bezahlen.

  • 13.05.2009, 14:30 UhrAnonymer Benutzer: TSOL

    @Kurt: Sie finden es befremdlich dass es in deutschland rechte gibt an die der Staat sich halten muß?
    Wer hat den die Depfa privatisiert? ( die bekanntlicherweise die Hre in den Abgrund gerissen hat). Und ist der Sitz der Depfa nicht im Steuerparadies irland?
    Hat der Staat sich nicht auch verspekuliert oder was treiben eigentlich Landesbanken in der Karibik?
    Statt von bad banks können sie gleich von bad lands sprechen, wer gibt ihnen die garantie dass der Staat diese Ausfallrisiken überhaupt auffangen kann. (siehe island)
    Was kauft Herr Steinbrück als nächstes für seinen Staatsfonds (Hre, Commerzbank)? Vielleicht Arcandor?
    O tempora! O mores!
    Was für Zeiten! Was für sitten!

  • 13.05.2009, 12:09 UhrAnonymer Benutzer: Kurt

    @Für Kurt. Dank euch. ist zwar kein wirlich guter Grund, aber bestätigt zumindest auch den einzigen Reim, den ich mir darauf machen konnte. Eigentlich schade, dass die Menschheit so blöd ist.

Alle Kommentare lesen

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche