Finanzkrise: Ungarn erhält 20 Milliarden Euro von IWF, EU und Weltbank

Finanzkrise: Ungarn erhält 20 Milliarden Euro von IWF, EU und Weltbank

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Die "Kettenbrücke" in Ungarns Hauptstadt Budapest: Ungarn erhält nun eine Milliardenspritze von internationalen Organisationen, um den drohenden Staatsbankrott abzuwehren.

Magyaren in Not: Mit einem Hilfspaket von 20 Milliarden Euro wollen der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Europäische Union Ungarn vorm drohenden Staatsbankrott bewahren. Die Finanzkrise könnte bis zu 50.000 Ungarn ihren Job kosten, hieß es heute.

Die EU werde einen Beitrag von 6,5 Milliarden Euro in Form eines Notkredits leisten, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Kommission und der französischen EU-Ratspräsidentschaft. Ungarn ist infolge der Finanzmarktkrise in massive Schwierigkeiten geraten. Die Landeswährung Forinth hat in den vergangenen Wochen gegenüber dem Euro rund 30 Prozent an Wert verloren.

Wegen der engen Verflechtung der ungarischen Wirtschaft mit der Eurozone ist dies für Ungarn, das seit 2004 der EU angehört, ein großes Problem. Überdies nahmen in der Vergangenheit viele Ungarn Kredite im Ausland auf, weil dort die Zinsen günstiger waren. Mit der Abwertung des Forinth ist die Rückzahlung dieser Kredite in Euro oder Schweizer Franken für viele Ungarn zu einem echten Problem geworden.

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Die globale Finanzkrise könnte in Ungarn nach Einschätzung der Regierung 40 000 bis 50 000 Arbeitsplätze vernichten. Erste Auswirkungen der Krise in der Kfz-, Bau- und Elektronikindustrie sowie im Dienstleistungssektor seien schon jetzt zu spüren, sagte die ungarische Arbeitsministerin Erika Szücs der Budapester Tageszeitung „Nepszava“. Die Arbeitslosigkeit betrug nach Angaben des Statistischen Zentralamts in Budapest im Zeitraum von Juli bis September durchschnittlich 7,7 Prozent. 328 000 Menschen waren arbeitslos gemeldet.

Ungarische Wirtschaft in der Rezession

Der IWF hatte bereits am Sonntag mitgeteilt, er habe sich mit Ungarn auf ein Programm zur Stabilisierung der Wirtschaft geeinigt, aber noch keine Zahlen genannt. Zur Finanzierung des EU-Kredits über 6,5 Milliarden Euro will die EU-Kommission selbst ein Darlehen aufnehmen und es an Ungarn weiterreichen. Nach der einschlägigen EU-Verordnung darf die Kommission für Notkredite an die Mitgliedstaaten maximal zwölf Milliarden Euro Schulden aufnehmen. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy forderte heute eine Erhöhung dieser Obergrenze auf 20 Milliarden Euro.

Der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany räumte am Dienstag ein, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um ein Prozent schrumpfen könnte. Dennoch halte seine Regierung an dem Ziel fest, das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr unter die Stabilitätspakt-Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu bringen. Ein EU-Notkredit wurde zuletzt Anfang der 90er Jahre Italien gewährt.

Seit der Einführung des Euros können allerdings nur noch EU-Länder, die der Währungsunion nicht angehören, eine solche Unterstützung erhalten. Innerhalb der Eurozone sind Wechselkursschwankungen, wie sie Ungarn derzeit durchleidet, nicht mehr zu befürchten.

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