Finanzkrise: Verlierer bei Hedgefonds und US-Banken

Finanzkrise: Verlierer bei Hedgefonds und US-Banken

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Carlyle-Gründer David Rubenstein

Hedgefonds und US-Banken, lange Zeit in profitabler Symbiose vereint, stürzen jetzt gemeinsam ab.

Carlyle, Peloton, Sailfish, Focus Capital: Bei geschätzt rund zwei Dutzend Hedgefonds kommen Investoren nicht mehr an ihr Geld – weil die Fonds pleite sind oder weil sie es wären, wenn sie, um Investoren auszuzahlen, ihre Portfolios leerräumen würden. Für die Investmentbanken, die mit den Fonds über ihre Hedgefonds-Betreuungsabteilungen (Prime Broker) in Symbiose verbunden waren, ist das brandgefährlich. Wenn sich die Preise für all das, was die Fonds in ihren Portfolios haben, nicht erholen – und warum sollten sie das tun? –, wäre der Kollaps von Bear Stearns am vergangenen Wochenende nur das Vorspiel gewesen. Die Banken finanzierten die Kredithebel, mit denen Hedgefonds ihre Wetten stemmten. Carlyle-Gründer David Rubenstein hatte für den jetzt zusammengebrochenen Fonds 32 Dollar Kredit je Dollar Investorengeld aufgenommen. Schon bei einem Verlust unter fünf Prozent wäre bei einem voll investierten Fonds das Kapital der Anleger futsch. Bei höheren Verlusten müssen die Banken um die Rückzahlung ihrer Kredite zittern.

Niemand weiß, wie viele Milliarden die Banken bei Hedgefonds im Feuer haben. Die Branche wird mittlerweile auf ein Investitionsvolumen von bis zu 1,8 Billionen Dollar geschätzt. Dass die US-Bank JP Morgan in der vergangenen Woche Bear Stearns durch Übernahme gerettet hat, dürfte nur logische Konsequenz der Verflechtungen sein: Bear Stearns war einer der größten Kreditgeber und Partner der Hedgefonds, JP Morgan ist mit eigenen Fonds – sie waren Ende 2007 noch 45 Milliarden Dollar wert – unter den Banken der größte Hedgefonds-Manager der USA. Fast alle anderen großen Banken stecken ebenfalls dick mit eigenen Hedgefonds im Schlamassel. Citigroup pumpte eine Milliarde Dollar in zwei eigene, notleidende Hedgefonds. Akut geht es allen Banken vor allem darum, einen Flächenbrand zu verhindern.

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Dabei beschränken sich die Schieflagen längst nicht mehr auf Instrumente, die mit dem US-Hypothekenmarkt verbunden sind. Längst hat die Krise auch bessere Schuldtitel infiziert. Aber auch bei Transaktionen mit komplizierten Derivaten – ein bevorzugter Tummelplatz für viele Hedgefonds-Manager – sieht es übel aus. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich schätzt diesen Markt für Kreditderivate weltweit auf 45 Billionen Dollar. Dort sind etwa die Preise für sogenannte Credit-Default-Swaps – das sind Finanzinstrumente, mit denen sich Investoren gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners versichern können – zuletzt in die Höhe geschossen. Das wiederum löste bei an solche Swaps gekoppelten Derivaten Verluste aus. Zwar gibt es bei solchen Wetten immer Gewinner und Verlierer. Einige Hedgefonds, die darauf gesetzt haben, dass sich die Krise verschärft, konnten große Profite verbuchen – zumindest auf dem Papier.

So rätselt Wall Street auch, wer noch einen Tag vor dem Kurssturz von Bear Stearns in ungewöhnlich großem Umfang eine Position von Put-Optionen auf die Bank gekauft hat. Dahinter könnte ein Hedgefonds stecken. Doch selbst erfolgreiche Fonds, die mit solchen Wetten richtig lagen, können am Ende in die Röhre schauen. Wenn die Gegenseite nicht mehr zahlen kann, nutzt der perfekte Deal nichts. Dann gibt es nur Verlierer.

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