Finanzkrise: Weitere Rückschläge an den Börsen

Finanzkrise: Weitere Rückschläge an den Börsen

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Börse in Frankfurt am Main

Die Verluste an den Börsen gehen weiter: Der deutsche Aktienmarkt ging zu Handelsbeginn erneut auf Talfahrt. Zuvor hatten die Schockwellen der Bankenkrise in den USA Kurseinbrüche in Japan und an den anderen Börsen in Asien und im Pazifikraum ausgelöst.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor 1,6 Prozent auf 5969 Punkte. Der MDax gab 1,35 Prozent auf 7658 Zähler nach und der TDax 1,8 Prozent auf 725 Punkte. Erneut waren die Finanztitel unter den 30 Dax-Werten besonders hart getroffen: Die Commerzbank büßte 6,2 Prozent auf nur mehr 14,9 Euro ein. Auch die Allianz (minus 3,5 Prozent), die Deutsche Börse (minus 3,4 Prozent), die Deutsche Bank (minus 3,1 Prozent) und die HypoRealEstate (minus 2,6 Prozent) verloren deutlich.

Gestern hatte der Dax bereits 2,7 Prozent auf 6064 Zähler verloren und war zeitweise um 4,7 Prozent bis auf ein Zwei-Jahres-Tief von 5942 Zähler abgesackt.

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Zuvor waren neben dem japanischen Nikkei auch die Börsen in Australien, in Südkorea, Singapur und Hongkong tief in die roten Zahlen gestürtzt. In Tokio fiel der 225 führende Werte umfassende Nikkei gleich zum Handelsauftakt erstmals seit März unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten. Der Leitindex brach zeitweise um mehr als fünf Prozent ein.

Nach der US-Bankenpleite hatten die Finanzmärkte in den USA einen „schwarzen Montag“ erlebt. Der US-Leitindex Dow Jones erlitt zum Börsenschluss am gestrigen Abend in New York den stärksten Einbruch seit der Wiederaufnahme des Handels nach den Terrorattacken vom 11. September 2001. Angesichts der Hiobsbotschaften durch die Insolvenz von Lehman Brothers und die Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America verlor der Dow Jones 4,42 Prozent auf 10.917,51 Punkte.

Der deutsche Bundesbankpräsident Axel Weber nannte Ängste vor noch größeren Turbulenzen in Deutschland unbegründet. „Eine Sorge um die Stabilität des deutschen Finanzsystems oder der deutschen Bankenwelt ist überhaupt nicht gerechtfertigt“, sagte er gestern Abend in den ARD. Er wolle ein „Signal der Entspannung“ setzen. „Aufgeregtheit ist nicht angezeigt“, sagte Weber.

Mit Spannung wird heute die weitere Entscheidung der US-Noten zur Zinspolitik erwartet. Die Fed könnte nach der jüngsten Zuspitzung der US-Finanzkrise nach Einschätzung einiger Ökonomen am Abend ihren Leitzins doch weiter senken. Der Zielsatz für Tagesgeld könnte laut einigen Experten von 2,00 Prozent auf 1,75 Prozent sinken. Diese Zinssenkung gilt jedoch keineswegs als sicher.

Nächster Riese wackelt

Nach der Insolvenz der traditionsreichen US-Investmentbank Lehman Brothers rückt zudem der angeschlagene Versicherungskonzern AIG (American International Group) in den Blickpunkt. Die AIG-Aktie brach gestern um mehr als 60 Prozent auf 4,76 Dollar ein. Dies verschärfte die Probleme bei der Kapitalsuche. Medienberichten zufolge benötigt der angeschlagene Riese rasch zwischen 40 und 75 Milliarden Dollar an Kapitalspritzen und Krediten.

Auch die größte US-Sparkasse, Washington Mutual, kämpft mit schweren Problemen und gilt als Übernahmekandidat. Die Aktien der Sparkasse fielen am Montag um fast 27 Prozent auf nur noch zwei Dollar.

Gespannt erwarten die Anleger die Quartalszahlen der führenden Investmentbank Goldman Sachs. Analysten rechnen zwar mit einem deutlichen Gewinneinbruch, aber mit keinen roten Zahlen. Dies könnte zur Entspannung der Lage beitragen.

Die japanische Zentralbank versuchte unterdessen, die Märkte zu stabilisieren. Gestern hatten bereits die Notenbanken in Europa eingegriffen. Die Bank of Japan pumpte 1,5 Billionen Yen (zehn Milliarden Euro) in den Geldmarkt. Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa erklärte, sein Institut werde sich weiterhin bemühen, die Märkte zu stabilisieren. Die Bank von Japan (BoJ) begann am selben Tag unter dem Eindruck der Krise in den USA ihr zweitägiges Zentralbankratstreffen. Ökonomen erwarten, dass die Notenbank ihren Zinssatz von 0,5 Prozent unverändert lässt.

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