Finanzkrise: Weltweiter Kraftakt gegen die Finanzkrise

Finanzkrise: Weltweiter Kraftakt gegen die Finanzkrise

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Das Eurozeichen erstrahlt am 24. Sept. 2007 in der Sonne vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Nach dem Scheitern des US-Rettungspakets für die Finanzmärkte stemmen sich Regierungen und Notenbanken in aller Welt mit neuen Liquiditätsspritzen und Bürgschaften gegen die Krise. Die Aktienmärkte zeigten sich heute überraschend stabil. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die USA aufgefordert, das Hilfspaket noch in dieser Woche zu verabschieden.

Weltweit kämpften Notenbanken und Regierungen heute mit neuen Liquiditätsspritzen und Bürgschaften gegen die Auswirkungen der Finanzkrise. Derweil reagierten die europäischen Aktienmärkte nach den dramatischen Kursstürzen an der Wall Street von gestern überraschend stabil. Verbuchten die meisten Indizes zu Handelsbeginn noch Verluste, so drehten viele später ins Plus. Die irische Regierung garantiert alle Guthaben und Verbindlichkeiten der sechs in Irland registrierten Banken. Belgien, Frankreich und Luxemburg gewähren der Dexia-Bank eine Finanzspritze in Milliardenhöhe. Die Europäische Zentralbank legte zwei weitere kurzfristige Liquiditätsspritzen in Höhe von insgesamt 80 Milliarden Dollar auf. Die Bank of England stellte den Märkten am Dienstag eine Finanzspritze in Höhe von 10 Milliarden Dollar zur Verfügung.

US-Präsident George W. Bush kündigte einen neuen Anlauf für das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket der Regierung an. Die Wirtschaft warte auf ein „entschlossenes Handeln“ von Seiten der Regierung. Den Bürgern der USA und in aller Welt wolle er versichern, dass dies nicht das Ende des parlamentarischen Verfahrens sei, sagte Bush.

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Zur Eindämmung der Finanzkrise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die USA zu raschem Handeln aufgefordert. Sie gehe davon aus, dass das zunächst im US-Abgeordnetenhaus gescheiterte Rettungspaket noch in dieser Woche beschlossen werde, sagte Merkel heute nach einer Sondersitzung der Unionsfraktion in Berlin. Das Paket habe eine „unglaublich wichtige Bedeutung“ für Wirtschaft und Bürger, um Vertrauen zu bilden. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte bei einer weiteren Blockade vor unübersehbaren Folgen.

Merkel verteidigt Bürgschaft für Hypo Real Estate

Merkel verteidigte zugleich die Milliarden-Bürgschaft des Bundes für den Finanzkonzern Hypo Real Estate. Nach Angaben von Bundesbankpräsident Axel Weber hätte „ein Totalstillstand“ des gesamten Geldsystems gedroht, wenn der Staat dem Münchner Immobilienfinanzierer nicht geholfen hätte. Die Opposition kritisierte die riesige Bürgschaft für die angeschlagene Hypo-Real-Gruppe und den Alleingang der Regierung am Parlament vorbei.

Die EU-Kommission hat unterdessen das Scheitern des US-Rettungspakets für die Finanzmärkte als „Enttäuschung“ bezeichnet und an die besondere Verantwortung Washingtons für die aktuelle Krise erinnert. „Die Turbulenzen, denen wir uns ausgesetzt sehen, sind in den USA entstanden und zu einem Problem für die ganze Welt geworden“, sagte EU-Kommissionssprecher Johannes Laitenberger heute in Brüssel. „Die USA müssen ihre Verantwortung wahrnehmen.“ Von den US-Politikern erwarte die Kommission „staatsmännisches Verhalten, um das Wohl ihres eigenen Landes und der ganzen Welt willen“, sagte Laitenberger. Die Zustimmung des US-Repräsentantenhauses zu dem 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket der Regierung war am Montag am Widerstand von Abgeordneten aus den Reihen sowohl der Demokraten als auch der Republikanern gescheitert.

Trotz Konjunkturschwäche und dramatischer Turbulenzen an den Finanzmärkten ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland im September auf den niedrigsten Stand seit knapp 16 Jahren gesunken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im September 3.081.000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung; dies waren 115.000 weniger als im August und 463.000 weniger als vor einem Jahr. Eine geringere Arbeitslosigkeit hatte die Bundesagentur zuletzt während des Wiedervereinigungsbooms im November 1992 registriert. Die Arbeitslosenquote nahm aktuell um 0,2 Punkte auf 7,4 Prozent ab. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,5 Prozent gelegen. BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise rechnet auch in den kommenden Monaten mit einer Fortsetzung des Job-Booms. Bisher zeige sich der Arbeitsmarkt von der Abschwächung der konjunkturellen Dynamik und den Turbulenzen an den Finanzmärkten unbeeindruckt.

US-Firmen entdecken Standort Deutschland neu

Viele US-Firmen entdecken in der Finanzkrise nach Einschätzung der amerikanischen Handelskammer den Standort Deutschland neu. Das Bankensystem in Deutschland sei stark und gesund und es gebe keine Probleme beim Zugang zu Krediten für Investitionen, sagte der Vizepräsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany), Lutz Raettig, heute in Frankfurt. „Deutschlands Wirtschaftskraft wird nicht fundamental leiden und das Land bleibt ein guter Ausgangspunkt für den Zugang zu den osteuropäischen Märkten“, sagte Raettig, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Morgan Stanley Bank AG ist. Die deutschen Töchter von US-Banken leiden nach Angaben der AmCham bislang nicht unter Kapitalbeschränkungen. Zudem wollen einige Industriekonzerne und Zulieferer aus den USA laut Umfrage ihre Präsenz in Deutschland ausbauen, da viele Branchen wie der deutsche Maschinenbau Weltmarktführer seien. „Die US-Firmen haben Deutschland über die China-Euphorie einige Jahren vernachlässigt und entdecken den Industriemarkt nun wieder“, sagte AmCham-Geschäftsführer Dierk Müller.

Flugverkehr leidet unter Finanzkrise

Belastet von der Finanzkrise ist der weltweite Luftverkehr im August zum dritten Mal in Folge zurückgegangen. Der Frachtverkehr habe um 2,7 Prozent abgenommen und der Passagierverkehr nur um enttäuschende 1,3 Prozent zugelegt, erklärte die Internationale Flug-Transport-Vereinigung IATA heute. Der grenzüberschreitende Luftfrachtverkehr, der in Tonne pro Kilometer gemessen wird, gilt als wichtiger Indikator für den Zustand der Weltwirtschaft. „Flugzeuge transportieren am Wert gemessen 35 Prozent aller Waren.

Die Abnahme in drei aufeinanderfolgenden Monaten ist ein deutliches Zeichen, dass der Welthandel sich verlangsamt“, sagte IATA-Generaldirektor Giovanni Bisignani. Dies zeige, wie stark die Weltwirtschaft bereits heute unter der Finanzkrise leide. Außerdem bestätigte die IATA frühere Schätzungen, nach denen die Fluggesellschaften in diesem Jahr Verluste von 5,2 Milliarden Dollar einfahren werden. „Die Krise der Luftfahrtindustrie verstärkt sich und keine Region ist immun“, sagte Bisignani. Die IATA repräsentiert 230 Fluggesellschaften und damit 93 Prozent des weltweiten Luftverkehrs.

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