Finanzkrise: Wem noch vertrauen?

Finanzkrise: Wem noch vertrauen?

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Rettung in letzter Minute

Als hätte er es gewusst: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erschütterte die Finanzwelt an der London School of Economics mit düsteren Szenarien zur Finanzkrise.

Noch längst nicht ausgestanden sei der Schlamassel, sagt der Deutsche-Bank-Chef. Und zack, schockte die HypoReal Estate, der wohl am wenigsten glamouröse und von Analysten und Investoren am wenigsten beachtete Dax-Wert, die Märkte mit einer 390-Millionen Euro-Abwertung von gefährdeten US-Papieren. Die Aktie verlor zwischen 30 und 35 Prozent. Im Dax, wo acht Prozent Minus schon das Etikett "Crash" verdienen, ist das schon eine Hausnummer.

Die Hoffnung, im ersten Quartal 2008 werde die Finanzkrise vorbei sein, haben mittlerweile wohl alle Banker begraben, nicht nur Ackermann. Im Moment schwanken die Schätzungen zwischen "weiß nicht" und "Ende 2008". In zwei Monaten wird dann von Frühjahr 2009 die Rede sein, wetten?

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Bei Licht betrachtet sind die Hypo-Real-Estate-Zahlen gar nicht so grauslich. Hätte die Bank seit dem Sommer in jedem Quartal 200 Millionen abgeschrieben und betont, sie tue dies nur aus Vorsicht, wäre vermutlich gar nichts passiert.

Schlimm ist etwas anderes: Die Vorstände um Vorstandschef Georg Funke hatten immer wieder den Eindruck vermittelt, bei ihren Papieren werde schon nichts anbrennen. Weil es dann doch anders kam, verloren Anleger schon wieder ein Stück Vertrauen in die Ehrlichkeit und/oder Prognosefähigkeit von Bankvorständen. Warum, fragen Anleger sich, hat zum Beispiel Ackermann in London nichts zum Ergebnis 2007 gesagt, sondern nur die Prognose 2008 bestätigt?

"Wer mich einmal in die Irre geführt hat, dem glaube ich nicht mehr, und zur Sicherheit glaube ich allen anderen Bankvorständen auch nicht mehr", so funktioniert die einfach gestrickte Logik der meisten Investoren. Deshalb reißen Katastrophenmeldungen wie die des Mittelstandsfianzierers IKB, die der SachsenLB oder jetzt die von Hypo Real Estate den Markt viel tiefer runter, als es eigentlich der Bedeutung dieser Institute entspricht.

Jetzt geht das traurige Rätselraten weiter. Wer von den bereits geouteten Verlierern von Citigroup bis IKB muss in Sachen Wertberichtigung noch mal nachlegen? Bei welchen Finanzinstitutionen, die bisher noch niemand auf dem Radar hatte, werden noch größere Löcher auftauchen?

Staatsfonds, die sich bisher mit über 40 Milliarden Dollar an Großbanken beteiligten dürften noch genügend Kaufgelegenheiten finden. Sind diese schlauer als andere Investoren, die Finanztitel zuhauf auf den Markt werfen? Vermutlich nicht. Finanzaktien sind zurzeit kein schneller Zock mit der Hoffnung auf eine schnelle Erholung, sondern nur etwas für Leute, die viel Zeit, stahlharte Nerven und viel Geld übrig haben - wie eben Staatsfonds, die weltweit mittlerweile etwa 2,3 Billionen Dollar gebunkert haben.

Es mag ja sein, dass einige Banken jetzt auch zu konservativ abschreiben, dass Collateralized Debt Obligations, Asset Backed Securities und das ganze Teufelkszeug rapide an Wert gewinnen, wenn erst mal das Vertrauen in die Märkte zurückgekehrt ist. Doch wann soll das sein und wie soll das geschehen? Fed-Chef Ben Bernanke wird nicht ewig die Znsen massiv senken können. Jetzt fordert die gierige Wall-Street schon eine Zinssenkung um 0,75 Punkte.

Zur Erinnerung: Deutsche Bank-Chef Ackermann bezifferte im vergangenen Jahr das weltweit ausgegebene Volumen an minderwertigen US-Hypothekenkrediten, und von denen geht die Krise ja aus, auf 1,2 Billionen (1200 Milliarden) Dollar. Die UBS schätzte im November, dass davon 100 Milliarden Dollar abgeschrieben werden müssten. Diese Latte ist schon längst gerissen,weltweit dürften schon über 130 Milliarden Dollar Abschreibungen gemeldet worden sein. Frank Veneroso, US-Hedgefondsmanager und Ex-Berater der Weltbank, geht viel weiter. Zu den 1,2 Billionen Dollar müsse man einen Teil der ebenfalls gefährdeten sogenannten Alt-A-Hypotheken addieren, aus der nach Subprime zweitschlechtesten Klasse, dazu noch erstklassige Hypotheken von Schuldnern, die zusätzlich noch Subprime-Kredite haben plus Konsumentenkredite, Auto-Leasingkredite, Kreditkartenkredite und Papiere zur Finanzierung von Übernahmen.

Unter dem Strich hält Veneroso Abschreibungen von zwei Billionen Dollar für möglich. Der Mann sieht prinzipiell schwarz. Aber wenn er auch nur zu einem Viertel recht hätte, wären das immer noch 500 Milliarden Dollar. Von den bisher gemeldeten 130 Milliarden bis dorthin ist es noch verdammt weit.

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