Finanzmarkt: Deutsche Banken hinken hinterher

Finanzmarkt: Deutsche Banken hinken hinterher

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Skyline der Bankenmetropole Frankfurt: Die Finanzkrise könnte sich auch deutlich auf Deutschland auswirken, warnen Manager und Politiker

Deutsche Banken hinken im internationalen Wettbewerb hinterher. Nur wenn sie fusionieren, bleiben sie konkurrenzfähig.

Mehr als zehn Milliarden Euro musste die Mittelstandsbank IKB abschreiben, die Deutsche Bank kommt auf rund sieben, die Dresdner auf mehr als drei Milliarden. Bei vielen Landesbanken sieht es ähnlich aus. Milliardenkorrekturen wegen der weltweiten Finanzkrise belasten die Bilanzen deutscher Banken.

Die spektakulären Verwerfungen überlagern derzeit die grundsätzlichen Probleme der deutschen Banken. „Seit Jahren erzielen sie im internationalen Vergleich nur unterdurchschnittliche Ergebnisse“, sagt Eckart Windhagen, Partner und Leiter der Praxisgruppe Banken bei der Managementberatung McKinsey. Zwar ist Deutschland der größte europäische Markt für Privat- und Geschäftskunden. Doch während der Anteil des Finanzsektors am Bruttoinlandsprodukt in anderen Ländern zum Teil deutlich gestiegen ist, ging er in Deutschland zurück.

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Ein Grund für die Wachstumsschwäche ist die Abneigung der Kunden gegenüber innovativen Finanzprodukten, mit Ausnahme von Zertifikaten. Bei der Geldanlage dominiert das traditionelle Einlagengeschäft in Form von Sparbüchern oder Festgeld, bei der Finanzierung von Unternehmen der Kredit. Im Vergleich zu kapitalmarktorientierten Angeboten verdienen die Banken hieran deutlich weniger, als Anbieter sind deutsche Institute aber auch nur unterdurchschnittlich vertreten.

Zudem sind deutsche Banken nach Einschätzung von Berater Windhagen zu stark auf das Inlandsgeschäft fokussiert. Die den Markt dominierenden Sparkassen haben schon von ihrer Verfassung her das Ausland nicht im Blick. Gerade in Osteuropa oder Asien aber wächst der Markt im zweistelligen Prozentbereich. Den Kuchen teilt die Konkurrenz gerade unter sich auf.

In Deutschland dagegen verdirbt die Anbietervielfalt die Preise. Um nicht noch weiter an Boden zu verlieren, müssten sich die Banken auf dem Heimatmarkt zusammenschließen. Die fünf größten Institute kommen im deutschen Privatkundengeschäft zusammen nur auf einen Marktanteil von 25 Prozent, in Frankreich, Großbritannien oder Spanien sind es 40 Prozent.

Größere Banken sind in mehrerer Hinsicht im Vorteil: Der Aufwand bei komplexen Themen wie den Eigenkapitalregeln Basel II, der Bilanzierung nach IFRS oder der Transparenzrichtlinie MiFid ist für kleine Banken schwerer zu stemmen. Auf den Kapitalmärkten können die Großen wegen der breiteren Kapitalbasis besser agieren, die Entwicklung neuer Angebote rentiert sich für sie eher, weil sie diese an mehr Kunden vertreiben können. Zudem sind sie weniger anfällig für zyklische Schwankungen, weil sie die durch ihre stärkere Diversifizierung besser abfangen. Nicht zuletzt sind sie für talentierte Arbeitnehmer attraktiver.

Anders als bei vielen Zusammenschlüssen von Industrieunternehmen stehen bei Bankenfusionen selten reine Synergien im Vordergrund. „Es geht darum, neue Kunden zu gewinnen und bessere Produkte anzubieten“, sagt Windhagen. Dass dieses Ziel klar verfolgt und nicht verwässert wird, ist nach seiner Erfahrung der entscheidende Erfolgsfaktor für Fusionen. Genauso wichtig sei, dass das Management die unterschiedlichen Kulturen berücksichtigt. „Die Mitarbeiter müssen dynamisch integriert werden, sie brauchen von Beginn an herausfordernde Vorgaben“, sagt Windhagen. Sonst drohe die Gefahr, dass die Bank Kunden verliert. Die Integration der IT-Systeme sei zudem eine „Herkulesaufgabe“, scheitern werde eine Fusion daran aber nicht.

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Beim Einsatz neuer Techniken zählen deutsche Institute zur Spitze. „Viele Abwicklungsprozesse haben sie früh automatisiert und standardisiert“, sagt Windhagen. Potenzial ist aber durchaus da. So machten die Banken noch viele Prozesse selbst, einiges lasse sich noch auslagern oder auf gemeinsame Plattformen stellen.

Dass sich die Banken aufgrund der Finanzkrise dauerhaft wieder stärker auf das traditionelle Geschäft fokussieren, glaubt Windhagen nicht. Derzeit ginge es darum, die eigene Bilanz zu stärken. Deshalb auch werben die Banken Kunden mit guten Konditionen für Tages- oder Festgeld. Doch auf Dauer werde das Kapitalmarktgeschäft wieder stark zurückkommen. „Denn das“, sagt Windhagen, „ist auch für die Kunden attraktiver.“

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