Finanzplatz Deutschland: Wann sich Investmentfonds lohnen

Finanzplatz Deutschland: Wann sich Investmentfonds lohnen

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Bürogebäude am Potsdamer Platz in Berlin / Immobilien: Mit grellbunten Bannern geht auch mancher Fonds in der Krise auf Mietersuche

Hohe Kursverluste, gesperrte Gelder, falsche Strategien – viele Investmentfonds sind unter Druck geraten. Welche Stolpersteine Anleger kennen sollten, wo sich erste Chancen bieten.

Eine feine Geste: In Paris verzichtet Fondsmanager Edouard Carmignac mal eben auf 57 Millionen Euro Erfolgsprämie. Er lässt das Geld, das seiner Gesellschaft vertraglich zusteht, stattdessen in dem 5,5 Milliarden Euro schweren Mischfonds Carmignac Patrimoine. Damit bleibt es bei den Anlegern, und der Fonds beschließt das Jahr 2008 mit einem Plus von 0,01 Prozent– für ein Krisenjahr nicht schlecht. Carmignac gönnte sich zum 20-jährigen Bestehen seiner Gesellschaft trotzdem eine opulente Feier mit Hunderten Gästen und dem Jazz-Rock-Pianisten Jamie Cullum.

Der Erfolg entfaltet Sogwirkung auch über den Rhein hinweg: Deutsche Anleger haben Carmignac mittlerweile eine Milliarde Euro anvertraut – Gelder, die die Fondsgesellschaften am Finanzplatz Frankfurt schmerzlich vermissen. Den heimischen Fondsanbietern gingen im vergangenen Jahr 205 Milliarden Euro verloren – durch Kursverluste und weil Anleger Milliarden abhoben. Vor allem von den konzernabhängigen Fondshäusern wendeten sich die Privatsparer ab. Branchenführerin DWS, Tochter der Deutschen Bank, verbucht neun Milliarden Euro Mittelabflüsse, bei Allianz Global Investors gaben Anleger knapp zehn Milliarden Euro zurück.

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Keine Staatsgarantie für Investmentfonds

Dabei hatten sich viele Fondshäuser von 2008 noch einen Schub fürs Geschäft versprochen. Zum Jahresbeginn wurden Verkaufsoffensiven gestartet, um Anleger auf die drohende Abgeltungsteuer hinzuweisen. Ernüchterung kehrte erstmals ein, nachdem der Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns im März 2008 die Aktienkurse drückte.

Die Schleusen weit öffnen mussten die Fondshäuser nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September. Zudem fuhren ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück in die Parade. Ihr Versuch, mit einer Garantie für Spareinlagen das Banksystem zu retten, wurde für Fonds zur Katastrophe. Merkel erwähnte ausdrücklich, dass die Garantie nicht für Investmentfonds gelte.

Das verunsicherte Anleger dermaßen, dass sie den Fondshäusern vor allem Geldmarktfonds-Anteile vor die Füße warfen. Einzelne Häuser hatten im Oktober täglich mehr als eine Milliarde Euro Abflüsse zu stemmen. 11.000 Anrufe zählte das Callcenter von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken, damals pro Tag. Um Fonds in Liquiditätsnot vor einer Schließung zu bewahren, nahm manches Haus Kredite auf und kaufte Fondsanteile in die eigenen Bücher.

Bei der Fondsgesellschaft Ampega Gerling geriet eine Derivate-Strategie, die Kursrisiken von Aktien absichern sollte, bei sechs Fonds außer Kontrolle. Der Wert des Gerling Europa Aktien etwa halbierte sich in wenigen Tagen. 17 Millionen Euro kostete es Ampega Gerling, den Flop auszubügeln.

Im Oktober kam dann auch noch die letzte vermeintlich sichere Bastion – die der Immobilienfonds – ins Wanken. Investoren, die dringend Geld brauchten, hatten nicht mehr viele Möglichkeiten, irgendwo mit Gewinn auszusteigen. Aus offenen Immobilienfonds wurden im dritten Quartal 2008 knapp fünf Milliarden Euro abgezogen. Liquiditätsreserven, die zuvor noch teils ein Drittel der Fondsgelder ausmachten, waren rasch aufgezehrt. Noch immer haben zehn Fonds und ein Immobiliendachfonds nicht genug Geld, um Anleger an ihr Geld zu lassen.

Fondssystem offenbarte Schwächen

Dabei hatten Fondsanleger nach der Lehman-Pleite zunächst Oberwasser: Zertifikate-Anleger verloren ihr Geld, die Fonds verwiesen stolz auf den Pleiteschutz, den der Status eines Fonds als Sondervermögen gewährt: Wertpapiere im Fonds gehören nicht der Bank, sondern den Anlegern. Der Skandal um den US-Betrüger Bernie Madoff aber machte auch dieser Illusion ein Ende. Zum Jahreswechsel sickerte durch, dass die Sondervermögen von zwei Investmentfonds in dem Madoff-Strudel untergegangen waren. Das Fondssystem offenbarte Schwächen, die es nicht hätte geben dürfen. Es zeigte sich, dass im Ernstfall Kontrollinstanzen versagen, die Fondsanleger schützen sollen.

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